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Silvester-Feuerwerk kehrt 2022 zurück – Forderung nach privatem Böllerverbot wird laut

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Von: Anika Zuschke

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Feuerwerk explodiert am Himmel über dem Maschsee und dem Neuen Rathaus.
Das Böllerverbot zu Silvester gilt 2022 nur in bestimmten Zonen deutscher Städte. (Archivbild) © Moritz Frankenberg/dpa

Das Böllerverbot aus den vergangenen Corona-Jahren wird zu Silvester 2022 aufgehoben – doch ist Feuerwerk in einigen Zonen in Deutschland trotzdem untersagt.

Hannover – In der Silvesternacht von 2022 auf 2023 wird der Himmel in Deutschland zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie wieder deutlich mehr in den buntesten Farben erstrahlen, denn das Böllern wird nicht mehr durch Corona-Regeln eingeschränkt und ist dieses Jahr nach zweijähriger Pause wieder erlaubt. Bestimmte Bereiche sind in vielen Städten diesen Jahreswechsel aber trotzdem tabu. Außerdem wird die Forderung nach einem Verbot von privatem Feuerwerk aktuell laut – aus gesundheitlichen und sicherheitstechnischen Gründen, berichtet kreiszeitung.de.

Gilt 2022 zu Silvester wieder ein Böllerverbot? Entscheidung liegt bei den Städten

Um die Krankenhäuser zu Zeiten der Corona-Pandemie vor einer Überlastung zu schützen, wurde an Silvester in den Jahren 2020 und 2021 ein Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern sowie ein An- und Versammlungsverbot in ganz Deutschland verhängt. Doch damit ist jetzt offenbar Schluss. Dem Berliner Senat zufolge seien Verbote dieser Art nämlich nur bei der Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite möglich, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Diese gibt es nun nicht mehr.

Jetzt liegt die Entscheidung über ein Böllerverbot zu Silvester Auskünften des Bundesumweltministeriums zufolge bei den Städten und Landkreisen. Wie Hannover, Bremen, Hamburg und anderweitige Großstädte sich dieses Silvester 2022 entschieden haben und welche Bereiche trotzdem tabu sind, hat eine Umfrage der dpa ergeben.

Böllerverbot in Niedersachsen und Bremen 2022 eingestellt – abgesehen von einigen Zonen

In Niedersachsen und der Hansestadt Bremen werden den Bewohnern demnach voraussichtlich weniger Einschränkungen für das Abbrennen von Feuerwerk auferlegt als in den vergangenen Jahren. Verbotszonen aus Sicherheitsgründen soll es trotzdem geben. Seit Silvester 2018/19 ist etwa in Hannover das Mitführen und Zünden von Feuerwerk in bestimmten Bereichen der Innenstadt nicht erlaubt.

Wie ein Sprecher der Stadt mitteilte, muss auch zu diesem Jahreswechsel von einem solchen Verbot ausgegangen werden, berichtet dpa. Die Einzelheiten würden aber noch entschieden. Grund für den Entschluss sei, dass es in den Jahren vor den Verbotszonen immer wieder zu gefährlichen und bedrohlichen Situationen durch Böller gekommen sei, bei denen auch Personen verletzt wurden. „Häufig wurde Feuerwerk auch bewusst auf Personen gerichtet“, erklärt der Sprecher.

Silvester in Bremen 2022: Wo darf ich Feuerwerk zünden – und wo nicht?

In Bremen soll das seit dem Jahreswechsel 2020/2021 bestehende Böllerverbot im Bereich der Weser-Promenade Schlachte aus ähnlichen Gründen bestehen bleiben, teilte das Bremer Innenressort mit. Außerdem gilt ein Feuerwerksverbot im Bereich denkmalgeschützter Bereiche wie dem Marktplatz mit dem Rathaus oder dem Schnoorviertel in Bremen.

Auch rund um den Zoo am Meer in Bremerhaven, den Häfen sowie in einem Umkreis von 1500 Metern um den Bremer Flughafen darf an Silvester nicht geböllert werden. Bei Verstoß können Bußgelder von bis zu 50.000 Euro anfallen.

Böllerverbot 2022/23 in Hamburg? Entscheidung ist noch nicht gefallen

In mehreren Großstädten Nordrhein-Westfalens soll es dieses Jahr an Silvester ebenfalls aus Sicherheitsgründen Böllerverbotszonen geben, gleiches gilt für Bayern. In Berlin wird das Zünden von Feuerwerk voraussichtlich wie in den vergangenen Jahren unter anderem auf dem Alexanderplatz verboten und in Frankfurt sowie Hamburg ist die Entscheidung eines Böllerverbots zu Silvester 2022 noch nicht gefallen.

Unabhängig von den Beschlüssen der Städte gilt ein Böllerverbot bundesweit in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden (wie Reet- und Fachwerkhäusern).

Umwelthilfe setzt sich für privates Böllerverbot ein – für Umwelt und Tiere

Privates Feuerwerk wird dieses Jahr aber wieder erlaubt sein und zum Verkauf stehen – was nicht überall gut ankommt. Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich etwa für ein Ende von privatem Silvesterfeuerwerk ein. Grund dafür ist die hohe Feinstaubbelastung, die durch Böllern hervorgerufen wird sowie das Müllaufkommen und eine Belastung für Tiere.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht sich ebenfalls gegen privates Feuerwerk aus und nennt in dem Zuge ähnliche Gründe. Dies sei schon allein aufgrund der enormen und völlig unnötigen Schadstoffproduktion sowie der Müllberge auf den Straßen am Neujahrsmorgen eine für viele vielleicht schmerzhafte, aber sinnvolle Maßnahme, findet der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke laut dpa.

Das gelte erst recht mit Blick auf das hohe Unfallrisiko – insbesondere unter Alkoholeinfluss –, Böller- und Raketen-Angriffe auf Polizei, Feuerwehr und Rettungssanitäter, Sachbeschädigungen und die Belastungen vieler Menschen und Tiere durch Feuerwerk. Kopelke forderte in dem Zuge die Innenministerkonferenz sowie Bundesinnenministerin Nancy Faeser auf, sich dem Thema zeitnah zu widmen.

In Deutschland kein Böllerverbot an Silvester 2022/23 mehr – Umweltbelastung kehrt zurück

Der Bundesverband Pyrotechnik hält jedoch dagegen. Ein Verbot von Kleinfeuerwerk vor der eigenen Haustür oder im Garten entlaste dem Zusammenschluss nach kaum die Krankenhäuser. Den Profi- und Hobby-Feuerwerkern zufolge sei der größte Teil der Verletzungen in den Notaufnahmen auf Alkoholkonsum und entsprechende Konflikte zurückzuführen.

Bezüglich der hohen Umweltbelastung hat die Branche zudem während der Corona-Pandemie an nachhaltigeren Konzepten für Feuerwerk gearbeitet, teilte der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) mit. „Ziel ist es, Kunststoff vollständig in unseren Produkten zu ersetzen – alle Produkte sollen biologisch abbaubar werden“, erklärt der VPI-Vorsitzende Thomas Schreiber der dpa.

Doch bleibt dadurch das Problem der hohen Feinstaubfreisetzung beim Böllern vorerst bestehen. Angaben des Umweltbundesamts nach werden an Silvester jährlich 1500 Tonnen Feinstaub in der Luft entlassen – das entspricht etwa einem Prozent der insgesamt in Deutschland freigesetzten Feinstaubmenge pro Jahr. (Mit Material der dpa)

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