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„Separatorenfleisch“: Offenbar Fleischreste in Tönnies- und Wiesenhofwurst nachgewiesen

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Separatorenfleisch ungekennzeichnet zu verwenden ist verboten. Aktuelle Berichte zeigen, dass das Tönnies, Wiesenhof und anderen das bisher möglicherweise egal war.

Bremerhaven – Es ist ein sperriger Begriff, hinter dem sich eine aus Fleischresten und Tierkörpern bzw. zerkleinerten Knochen gepresste Masse verbirgt: Separatorenfleisch. Schon die Beschreibung zeigt, die Substanz dürfte nicht jedermanns Fall sein. Rechtliche Vorgabe ist es, dass Separatorenfleisch in Wurstwaren ausgewiesen werden muss. Aktuelle Medienberichte legen nahe, dass das in Deutschland nicht immer der Fall ist: Einmal mehr gerät der Tönnies-Konzern in die Kritik, doch auch einige andere Unternehmen wie Wiesenhof stehen im Verdacht.

Hinweise auf Separatorenfleisch in Geflügelwurst von Tönnies und Anderen bei Edeka, Rewe und Aldi

Die Berichte von NDR und Spiegel lassen aufhorchen: In vielen Fleischprodukten in Deutschland wird offenbar sogenanntes Separatorenfleisch verwendet, ohne dieses auszuweisen. Gesetzlich ist es vorgeschrieben, die Verwendung der breiartigen Substanz in Fleischprodukten zu kennzeichnen – das hat man vor allem im Hause Tönnies, doch nicht nur da, offenbar nicht immer getan. Die Berichte gehen auf Laborergebnisse als Resultat einer Untersuchung im Auftrag von Spiegel und NDR zurück. Die Laboruntersuchungen des Bremerhavener Hochschulprofessors Stefan Wittke hatten ganz konkrete Hinweise auf Separatorenfleisch in Geflügelwurstprodukten geliefert. Zuvor waren dutzende Produkte bei Aldi, Rewe und Edeka analysiert worden.

In zahlreichen Wurstwaren wurde offenbar ungekennzeichnet Separatorenfleisch verarbeitet. (Symbolbild)
In zahlreichen Wurstwaren wurde offenbar ungekennzeichnet Separatorenfleisch verarbeitet. (Symbolbild) © IMAGO/Martin Wagner

Bei fünf der neun positiv getesteten Proben handelte es sich um Erzeugnisse aus Deutschlands größtem Schlachtkonzern Tönnies. Die fünf Produkte wurden allesamt von der „Zur Mühlen Gruppe“ hergestellt, die wiederum zur Unternehmensgruppe Tönnies gehört. Doch auch andere Wurstproduzenten müssen sich rechtfertigen: Positiv wurden ebenfalls zwei Produkte des Herstellers Franz Wiltmann aus Ostwestfalen getestet, sowie jeweils ein Erzeugnis der Mecklenburger Landpute GmbH und von Wiesenhof. Auf keinem der Produkte war Separatorenfleisch wie vorgegeben ausgewiesen worden. Ungewollte Bestandteile gab es zuletzt auch bei Wurst von „Fleisch- und Wurstwaren Schmalkalden“: Dort war eine Paprikapastete zurückgerufen worden – wegen Metallteilchen. Und bei Wittmann steht „Geflügel-Salami“ drauf, ist aber tatsächlich Schwein drin.

Hinweise auf Separatorenfleisch in Geflügelwurst – doch was ist Separatorenfleisch überhaupt?

Klar ist, bei Tönnies, Wiesenhof und Co. wurde offenbar eine Substanz in Geflügelwurst verarbeitet, die gekennzeichnet hätte werden müssen. Doch was ist Separatorenfleisch überhaupt? Separatorenfleisch entsteht, indem Fleischreste mit Tierkörpern bzw. grob zerkleinerten Knochen durch Lochscheiben gepresst werden. Bei dem Prozess bleiben einige Bestandteile wie etwa Knorpel oder Knochensplitter hängen, der Rest wird zu einem Brei gepresst.

„Der Rest“ heißt ganz konkret Bestandteile wie Rückenmark, Muskulatur, Fett oder Bindegewebe – Dinge, die man nicht unbedingt in Wurst vermutet, zumindest nicht ohne Kennzeichnung. Der Nachweis durch Wittke ist gewissermaßen ein Durchbruch: Der Bremerhavener Hochschulprofessor hat ein neues Verfahren entwickelt, mit dem der Nachweis von Separatorenfleisch in Wurstwaren überhaupt erst möglich wird. Lange Zeit war dieser Nachweis kaum zu erbringen – das hat man sich bei mehreren Herstellern offenbar zu Nutzen gemacht, auch in sogenannten Bio-Waren. Einige der genannten Fleischproduzenten streiten die Verwendung von Separatorenfleisch bisher weiter ab.

Separatorenfleisch und Tönnies: Skandal jagt Skandal

Separatorenfleisch ist nur der jüngste Fall in einer Reihe von Skandalen rund um Deutschlands größten Fleischkonzern Tönnies. Während die grundsätzliche Verwendung von Separatorenfleisch nicht untersagt ist, ist es verboten, die Verwendung nicht zu kennzeichnen. Bei Tönnies hingegen kennt man sich auch mit Skandalen aus, die nicht nur die EU-Lebensmittelinformationsverordnung betreffen.

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Im Jahr 2020 hatte es Berichte über katastrophale Arbeitsbedingungen bei Tönnies gegeben, es ging unter anderem um Abhängigkeiten von Subunternehmen und Verhältnisse, die zu Massenausbrüchen von Corona in Schlachtbetrieben führten. Auch bei Wiesenhof gab es Corona-Ausbrüche. Tönnies soll zudem Mindestlöhne und Mindeststandards für Unterkünfte sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz immer wieder umgangen haben. Nun schafft es das Unternehmen erneut in die Medien – mit dem nächsten Skandal: Den Ausbeutungsvorwürfen folgt offenbar das Separatorenfleisch.

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