Hilflose Tiere retten

„Schafe schubsen“: kein grober Unfug, sondern wichtige Hilfe

  • Dagmar Schlenz
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Was kurios klingt, kann das Leben der Tiere retten. Ein beherzter Schubser befreit Schafe aus einer misslichen und oft gefährlichen Lage.

Sylt/Norddeutschland – Schafe schubsen? Da will doch jemand einem Stadtbewohner einen Bären aufbrummen. Klingt jedenfalls erstmal nach einer etwas merkwürdigen Freizeitbeschäftigung gelangweilter Jugendlicher auf dem Land. Doch weit gefehlt: Durch einen Schubser wird hilflosen Tieren das Leben gerettet. Warum das so ist und wie man Schafe richtig schubst, hat 24hamburg.de für Verbraucher recherchiert.

Name:Hausschaf
Gewicht:45 bis 160 Kilogramm
Lebenserwartung:10 bis 12 Jahre
Lammzeit:Januar bis April

Schafe schubsen: Wann man bei den wolligen Vierbeinern Hand anlegen darf

Nicht nur die Leuchttürme auf Sylt und anderswo sind typisch für Norddeutschland, sondern auch Schafe. Dick und zottelig sehen sie im Winter und Frühjahr aus, viele weibliche Tiere sind trächtig. Gerade ungeschorenen Schafen juckt oft im wahrsten Sinne des Wortes das Fell. Um sich zu kratzen, wälzen sich die Tiere im Gras und versuchen, den Juckreiz zu lindern. Dabei kann man immer wieder beobachten, wie ein Schaf auf dem Rücken landet und alle Viere von sich streckt. Es zappelt hilflos mit den Beinen, um wieder auf die Füße zu gelangen.

Besonders sehr schwere oder trächtige Schafe können sich häufig nicht aus eigener Kraft aus dieser misslichen Lage befreien. Im Pansen des Tieres sammeln sich schnell Verdauungsgase, die nicht mehr entweichen können. Denn anders als wir Menschen kann sich ein Schaf nicht entscheiden, ob seine Nahrung roh oder gekocht besser verdaulich ist. Außerdem besteht die Gefahr, dass durch das eigene Gewicht die Organe gequetscht werden. In jedem Fall droht einem Schaf in Rückenlage der Tod durch Ersticken oder Kreislaufversagen.

Schafe schubsen am Deich: Tieren, die auf dem Rücken liegen, soll man mit einem Schubser wieder auf die Beine helfen.

Von hinten ins Fell greifen: So geht „Schafe schubsen“

Von Ostfriesland über Fehmarn bis zur Nordseeinsel Sylt: Im Frühjahr vor der Lammzeit grasen viele Schafe auf den Wiesen und Deichen. Auch wenn sich in Norddeutschland die Wölfe immer mehr ausbreiten – weitaus häufiger als durch einen Wolfsangriff sterben Schafe, weil sie nicht rechtzeitig aus einer Rückenlage befreit werden. Was also tun, wenn Sie bei einem Spaziergang ein hilfloses Schaf auf dem Rücken entdecken? Am besten ist es natürlich, wenn der Schäfer sich um das Tier kümmert. Ist dieser aber weit und breit nicht zu sehen, sollte man selbst Hand anlegen.

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Bis zu 160 Kilogramm kann so ein Schaf auf die Waage bringen. Wie schafft man es, so ein Schwergewicht wieder auf die Beine zu kriegen? Zunächst einmal Ruhe bewahren und vorsichtig von der Seite an das Tier herantreten. Schafe sind in der Regel friedliche Tiere. Um einem Schaf wieder aufzuhelfen, greift man in sein Fell und schubst es vom Rücken auf die Seite. Meist kann es dann von alleine aufstehen. Sobald es wieder auf den Beinen steht, sollte es davonlaufen, denn Schafe sind Fluchttiere.

Rubriklistenbild: © Siegfried Kuttig/imago

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