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Leere Regale im Supermarkt: Rewe-Chef spricht Klartext – „Jetzt bestellen wir nicht mehr“

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Von: Raffaela Maas

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Fehlende Produkte und Lücken in Supermarkt-Regalen: Rewe-Chef Lionel Souque erklärt nun, was es damit auf sich hat und welche Bedeutung die aktuellen Preiskämpfe mit Markenherstellern tragen.

München - Die Verhandlungsgespräche zwischen Herstellern und Lieferanten erweisen sich in diesem Jahr als besonders kompliziert. Durch die Auswirkungen der massiven Inflation, den teuren Ressourcen, der Energiekrise, sowie den Problemen bei Lieferung und Logistik haben manche Supermarktketten aktuell Schwierigkeiten, sich mit Lebensmittelherstellern über Preise zu einigen. Der Preis-Zoff im Supermarkt sorgt nun schon seit Monaten für Lücken in den Regalen.

Vor allem Markenprodukte sind von den Streitereien betroffen. In den Regalen von Rewe gab es außer Kellogs-Cornflakes auch keinen Jacobs-Kaffee, keine Mars-Süßigkeiten und auch kein Mirácoli oder Tierfutter von Whiskas. Bei Edeka fehlten ebenfalls die Mars-Produkte, sowie Coca-Cola, Fanta und Sprite. Bei Aldi gab es keine Pepsi-Produkte und bei Kaufland kein Ritter Sport.

Rewe-Chef über Preiskämpfe mit Markenherstellern und Lücken im Regal

In einem Interview mit Tagesspiegel.de äußerte sich nun Rewe-Chef Lionel Souque über die aktuellen Reibereien mit den Markenherstellern. US-Konzern Mars zum Beispiel erhöht seine Preise, doch Rewe gehöre zu den Supermärkten, die da nicht mitgehen. „Wir prüfen, ob Preiserhöhungen angemessen sind, und wenn sie es nicht sind, machen wir nicht mit“, so Souque.

Doch nicht nur mit Mars herrschen jetzt Uneinigkeiten. „Wir werden Stress mit Pepsi haben“, offenbart Souque. Pepsi habe Rewe zum 1. Januar nächsten Jahres mit unglaublichen Preiserhöhungen für die Energydrink-Marke „Rockstar“ konfrontiert, die vom Lebensmitteleinzelhändler nicht akzeptieren werden. „Und mal ehrlich: Wer braucht schon „Rockstar“? Es gibt doch genug andere Energydrinks“, stichelt Souque.

Rewe: Preisstreit mit Nestlé - „Jetzt bestellen wir nicht mehr“

Auch das zeitweise extrem begehrte Sonnenblumenöl macht weiterhin Probleme. Nach Beginn von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine sind die Preise des Pflanzenöl explodiert und durch zusätzliche Lieferengpässe waren viele Regale leer. Obwohl die Preise aktuell wieder niedriger sind, bleiben die Probleme mit dem Öl bestehen.

„Viele unserer Lieferanten haben die Preise jetzt wieder gesenkt, aber andere wollen auf dem hohen Niveau bleiben“, erklärt Souque. Gemeint ist unter anderem Nestlé mit der Marke Thomy. Rewe habe erwartet, dass sie die Preise um mindestens einen Euro wieder absenken, doch die Absenkung kam nicht. „Jetzt bestellen wir Thomy nicht mehr“, so Souque, „Man kann doch nicht sagen, die Rohstoffe werden teurer, deshalb erhöhe ich die Preise. Und wenn die Rohwaren dann billiger werden, senkt man den Preis nicht?“

Rewe: Überwiegend Probleme mit internationalen Firmen

Wie der Rewe-Chef erklärt, bestehe die größte Schwierigkeit bei Einigungen mit internationalen Firmen. Mit deutschen Anbietern habe Rewe hingegen fast alle Preiserhöhungen vereinbart. „Sie sind der Auffassung, dass sie in Deutschland zu wenig verdient haben“, teilt Souque seine Vermutung.

Die Lebensmittelpreise in Deutschland seien im europäischen Vergleich sehr niedrig, wovon die deutschen Kunden profitiert haben sollen. „Große börsennotierte Konzerne versuchen jetzt, auf der Welle zu reiten und Geld zu verdienen. Deshalb erhöhen sie die Preise überproportional. Wahrscheinlich haben sie geglaubt, dass der Krieg alles überschattet und keiner merkt, wie sie zulangen. Aber das ist nicht so“, hält der Rewe-Chef vor.

Infolgedessen greifen Kunden vermehrt zu Produkten der Eigenmarken. Doch wenn Edeka kein Coca-Cola hat, gehen die Leute zu Rewe und wenn sie Mars wollen, kaufen sie bei Aldi oder Lidl ein. „Ja, uns tut das weh, wir wollen uns ja einigen“, gibt Souque zu. Man habe rund 10.000 Lieferanten und nur mit wenigen Konflikte. „Aber wir müssen denen zeigen, dass wir uns nicht erpressen lassen.“ Während einige Hersteller schon zwei, dreimal in diesem Jahr erhöht hätten, habe Rewe rund die Hälfte der Preiserhöhungen verhindern können. 

Zuletzt löste eine Supermarkt-Kundin eine Diskussion auf Twitter wegen eines vermeintlich knappen Produktes aus. Sie teilte ihre verzweifelte Suche nach den fehlenden Artikeln im Netz und erhielt verschiedenste Antworten. (rrm)

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