1. 24hamburg
  2. Verbraucher

Reise-Stornierung wegen Corona? So kriegen Sie Ihr Geld zurück

Erstellt:

Von: Anika Zuschke

Kommentare

In letzter Zeit kam es wegen Corona zu unzähligen Reise-Stornierungen. Einige Urlauber haben ihr Geld davon noch immer nicht gesehen. Das sollten Sie beachten.

Hamburg – Immer wieder schienen die Corona-Zahlen in den letzten anderthalb Jahren eine Reise ins Ausland zuzulassen – und immer wieder wurden die Vorfreudigen enttäuscht. Wegen einer drohenden Quarantäne oder der Verkündung, dass das Zielland zum Hochinzidenzgebiet mutiert ist; das Stornieren von Reisen gehört inzwischen zum Standard Corona-Programm. Was Sie bei einer Reise-Buchung beachten müssen und wie Sie im Fall einer Stornierung vorgehen, erfahren Sie hier auf einen Blick.

Eine Familie aus Lokstedt steht vor genau diesem Problem: Die Hamburger haben eine Kreuzfahrt rund um England und Irland geplant – doch dann stiegen die Corona-Zahlen erneut und der Trip wurde von Reiseanbieter Tui abgesagt. Obwohl der Veranstalter bereits Anfang Juni versprochen hatte, das Geld für die Reise zurückzuüberweisen, wartet die Familie nach wie vor auf einen Auszahlung, berichtet das Hamburger Abendblatt.

Reisestornierung wegen Corona – Tipp: Reiseveranstalter bietet Urlaub mit kurzfristigen Stornierungs-Möglichkeiten an

Inzwischen bieten viele Reiseveranstalter Trips ins Ausland an, die auch kurzfristig storniert werden können. Um deswegen gar nicht erst in die Bredouille eventueller Stornierungs-Risiken zu geraten, können Sie gezielt nach derartigen Angeboten suchen. So lautet dem NDR zufolge der Tipp des Reise-Rechtsexperten Thomas Laske von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Außerdem sollten Personen, die momentan eine Reise anvisieren, auf die aktuellen Storno-Bedingungen achten. Grundsätzlich galt, dass eine kostenlose Stornierung von Pauschalreisen* möglich ist, wenn das Zielland als Risikogebiet eingestuft wurde. Dabei sollten Urlauber an den Reisewarnungen des Auswärtigen Amts orientieren. Doch das hat sich zu Zeiten der Corona-Pandemie geändert.

Reisestornierung wegen Corona: Kostenlose Stornierung unter „außergewöhnlichen Umständen“ möglich

Derzeit ist eine kostenlose Stornierung unter der Bedingung möglich, wenn „außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen“, so das Auswärtige Amt gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Diese müssen vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) objektiv gegeben sein und auch zum Zeitpunkt der Reise noch bestehen. Als ausschlaggebend gilt dabei die Situation im Urlaubsland.

Außerdem wird mittlerweile miteinbezogen, ob eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt bereits zum Zeitpunkt der Buchung bestand. Denn in dem Fall ergibt sich nicht notwendigerweise ein kostenloses Rücktrittsrecht. Die Reisewarnung ist dabei nur eines von drei Indizien für außergewöhnliche Umstände.

Polizisten patrouillieren am Bondi Beach in Sydney, Australien. In der rechten unteren Ecke die Aufschrift „Kostenlos stornieren“ auf einem Computer-Bildschirm.
Wegen Corona sind Reisen in viele Länder nicht möglich: Was Sie für eine kostenlose Stornierung beachten sollten. (24hamburg.de-Montage) © Bianca De Marchi/Zacharie Scheurer/dpa

Mehrere Faktoren erleichtern eine Stornierung wegen Corona mit Geld-zurück-Garantie

Ein weiterer Faktor ist die Quarantänepflicht für Reiserückkehrer*. Denn ungeimpfte Urlauber müssen nach ihrer Reise aus Hochrisikogebieten mindestens fünf Tage in häuslicher Quarantäne verweilen. Einige Juristen sehen dem Hamburger Abendblatt zufolge darin eine Störung der Geschäftsgrundlage nach Paragraf 313 BGB. Doch es bleibt abzuwarten, wie individuelle Gerichte diesen Einwand bewerten.

Zudem können hohe Corona-Fallzahlen in dem anvisierten Urlaubsland zu einem erhöhten Infektionsrisiko der Reisenden führen. Diese Faktoren müssen von den Reiseanbietern in den Wunsch einer Stornierung inkludiert werden und können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, das Geld zeitnah zurückzubekommen. Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover ist deswegen der Meinung: „Pauschalurlauber haben eher gute Chancen, kostenlos von ihrer Reise zurücktreten zu können“, äußert er gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Reise-Stornierung wegen Corona: Pauschalreisen mit Reisewarnung können mit großer Wahrscheinlichkeit kostenlos storniert werden – hier gibt‘s den Vordruck

Auch das EVZ stimmt zu: „Reisende können aus unserer Sicht kurz bevorstehende Pauschalreisen* in Länder, für die eine Reisewarnung ausgesprochen wird, grundsätzlich unter Berufung auf außergewöhnliche Umstände kostenlos stornieren.“ ‚Kurz bevorstehend‘ bedeutet in diesem Fall ungefähr vier Wochen vor Reiseantritt.

Sollte ein Reiseveranstalter den Trip von sich aus absagen, müssen laut Verbraucherzentrale Niedersachsen die Kosten für den Urlaub in Gänze ausgeglichen werden. Generell sollte das Geld bei einer Rückerstattung innerhalb von 14 Tagen zurückgezahlt werden, bei stornierten Flügen liegt die Frist sogar bei einer Woche. Teilweise dauert es aber bis zu sechs Monate, bis das Geld tatsächlich wieder auf dem Konto des Reisenden landet.

Thomas Laske, Jurist bei der Verbraucherzentrale Hamburg, rät, die Veranstalter auf die eigenen Rechte immer wieder hinzuweisen. „Beharrlichkeit zahlt sich aus“, statuiert er gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Wer sein Recht offiziell einfordern möchte, kann dies anhand von Musterbriefen vom ADAC tun. Wenn das Geld einer Stornierung nicht rechtzeitig erstattet wurde, können diese Formulare für einen Dialog zwischen Reisendem und Veranstalter genutzt werden.

Reiserücktrittsversicherung zu Corona-Zeiten: Wann ist sie sinnvoll?

Einige Urlauber werden sich auch schon mit der Reiserücktrittsversicherung im Zuge der Corona-Krise beschäftigt haben. Diese Versicherung soll Reisende vor hohen Stornierungsgebühren im Falle eines überraschenden Rücktritts von einem Trip schützen. Dabei kommt es aber auf den Grund der Absage an. Sollte kurzfristig eine Reisewarnung für das anvisierte Land ausgesprochen oder dort ein Lockdown mit Ausgangssperre verhängt worden sein, zahlt die Versicherung nicht.

Wer für alle Fälle trotzdem eine Reiserücktrittsversicherung abschließen möchte, sollte in den Vertragsbedingungen darauf achten, welche Bedingungen von der Versicherung ausgeschlossen sind. Das lässt sich normalerweise unter dem Aspekt „Ausschlüsse“ vorfinden. „Wenn darunter ‚Pandemie‘ zu finden ist, bin ich nicht mehr gesichert, wenn ich an Covid-19 erkranken sollte“, warnt Birgit Brümmel, Expertin für Reiseversicherungen bei der Stiftung Warentest gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Die Urlaubsziele Türkei*, Spanien* und Griechenland kämpfen momentan mit hohen Inzidenzen*. Auch vor Ort werden die Regeln für Einreisende teilweise streng verschärft. * 24hamburg.de, Merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare