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Prost! Rotwein hilft gegen das Coronavirus, sagen Hamburger Wissenschaftler

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Neue Erkenntnisse mitten aus Hamburg: Rotwein und einige andere Lebensmittel sollen gegen Corona helfen. Doch der Konsum der Lebensmittel allein reicht nicht.

Hamburg – Olivenöl, grüner Tee und Rotwein sollen gegen Corona helfen. Wer jetzt denkt, dass es sich dabei um Pseudowissenschaft oder Wunschdenken von Weinliebhabern handelt, der irrt. Das Forschungszentrum DESY hat mithilfe eines Röntgen-Experiments herausgefunden, dass diese drei Lebensmittel jeweils einen Stoff enthalten, die dafür sorgen, dass sich das Virus im menschlichen Körper nicht so schnell vermehrt.

CoronazahlenZahlen für Hamburg
7-Tage-Inzidenz292,2 (Stand 16. August 22)
Neuinfektionen vergangene 7 Tage5566 (Stand 16. August 22)
Patienten Krankenhaus (gesamt)296 (Stand 15. August 22)
Patienten auf Intensivstationen35 (Stand 15. August 22)

Das Experimenten-Team um Christian Betzel von der Universität Hamburg und Alke Meents von DESY berichten im Fachblatt „Communications Biology“ von den Ergebnissen. Wann diese in eine effektive Maßnahme im Kampf gegen das Virus umgewandelt werden können, ist aber noch nicht klar.

So vermehrt sich Corona: Enzym kopiert Viruszellen und blockiert Immunsystem

Covid-19 tritt wie bereits bekannt in Form von Spike-Proteinen auf. Ein Teil des Virus ist außerdem die Papain-like Protease (PLpro), die ein zentrales Enzym für die Virusvermehrung darstellt. Wenn das Coronavirus eine gesunde Zelle befällt, dann wird diese Zelle gezwungen, neue Viruspartikel zu produzieren. Diese entstehen in einer langen Kette und PLpro zerschneidet diese in einzelne Virusproteine. Außerdem blockiert PLpro ein Protein des Immunsystems (ISG15), sodass die Selbstverteidigung der Zellen eingeschränkt ist.

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Rotwein als Hilfmsittel gegen Corona? Das behaupten nun Hamburger Wissenschaftler. © Panthermedia&Westend61 / Imago

Die Forscher haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, ein Mittel zu finden, um PLpro zu blockieren. „Können wir PLpro blockieren, können wir auch die Immunantwort der Zelle verstärken“, erklärt Vasundara Srinivasan von der Universität Hamburg, Hauptautorin der Studie. „Wir haben 500 Substanzen aus der Karachi Library of Natural Compounds [Naturstoff-Bibliothek] daraufhin getestet, ob sie an die Papain-like Protease des neuartigen Coronavirus binden, die eines der Hauptziele für ein antivirales Medikament ist. Ein Wirkstoff, der sich an der richtigen Stelle an das Enzym bindet, kann dessen Funktion blockieren.“

Lebensmittel gegen Corona: In Rotwein, Olivenöl und Tee Stoffe gefunden, die Virusvermehrung blockieren

Stoffe, die PLpro blockieren können, haben die Wissenschaftler auch gefunden – in Rotwein, Olivenöl und grünem Tee. Für das Experiment wurden die 500 Naturstoffe einzeln mit PLpro vermischt und anschließend beobachtet, welche Substanz die Fähigkeit hat, an das Enzym anzudocken. Dafür wurden aus den Mischungen Enzymkristalle gezüchtet, die danach im Röntgenlicht von DESYs Röntgenquelle PETRA III untersucht wurden, mit dem die Struktur des Enzyms bis auf die Ebene einzelner Atome rekonstruiert werden kann. „Aus diesen Informationen können wir dreidimensionale Modelle des Enzyms mit atomarer Auflösung erstellen und sehen, ob und wo eine Substanz an das Enzym bindet“, erklärt Meents.

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Das Ergebnis: Drei von den 500 natürlich Substanzen konnten sich tatsächlich an PLpro binden und so den Prozess der Virusvermehrung verlangsamen. Es handelt sich dabei um sogenannte Phenole. In der Meldung des Forschungszentrums DESY werden die drei Stoffe wie folgt beschrieben:

„Hydroxyethylphenol (YRL), das für die Experimente aus dem Hennastrauch Lawsonia alba isoliert wurde, ist eine Verbindung, die in vielen Lebensmitteln wie Rotwein und Olivenöl vorkommt und als Mittel gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird. Hydroxybenzaldehyd (HBA) ist ein bekanntes Antitumormittel und beschleunigt die Wundheilung. Es wurde aus dem Kupferblatt Acalypha torta isoliert. Methyldihydroxybenzoat (HE9), isoliert aus der Studentenblume Tagetes patula, ist ein Antioxidans mit entzündungshemmender Wirkung und kommt in grünem Tee vor.“

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Covid-Behandlungsmöglichkeiten in der Zukunft: Nur Rotwein trinken reicht nicht

In den folgenden Tests im Labor, die Hévila Brognaro aus Betzels Forscher-Gruppe durchführte, konnte festgestellt werden, dass die drei natürlichen Substanzen die Aktivität des Enzym PLpro um 50 bis 70 Prozent verlangsamen konnten.

Wie es in der Forschung weitergeht, damit aus diesen Stoffen vielleicht ein weiteres Medikament gegen Corona hergestellt werden kann, ist aber noch nicht klar. Zwar werden die drei Phenole bereits in anderen Medikamenten verwendet, in Bezug auf Corona muss allerdings weiter geforscht werden.

Der Konsum der Lebensmittel, die die Stoffe enthalten, hilft laut Betzels allerdings nicht gegen eine Infektion und ersetzt auf keinen Fall die Impfung - jetzt auch in vierter Ausführung für Ü60 möglich - und die FFP2-Masken. „Grünen Tee zu trinken, wird eine Corona-Infektion allerdings nicht heilen! Genauso wenig wie es Wunden oder Krebs heilen würde. Ob und wie ein Coronamittel auf Grundlage dieser Phenole entwickelt werden kann, wird jetzt weiter untersucht.“

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