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Omikron-Impfstoff geplant: Lohnt sich das Boostern überhaupt noch?

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Von: Natalie-Margaux Rahimi

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Derzeit läuft in Deutschland die Booster-Kampagne für die Drittimpfungen. Aber lohnt sich das überhaupt noch? Schon im März soll der angepasste Impfstoff für Omikron kommen.

Hamburg – Aktuell laufen deutschlandweit die Auffrischungsimpfungen. Um weiter gegen eine Infektion mit dem Coronavirus geschützt zu sein, sollen sich Menschen ein drittes Mal impfen lassen. Allerdings ist jetzt schon sehr wahrscheinlich: Die Booster-Impfung wird nicht die Letzte sein. Weil der Impfschutz gegen Omikron mit der Zeit nachlässt, muss wohl ein viertes Mal geimpft werden. Aber warum dann nicht einfach auf den an Omikron angepassten Impfstoff warten, der für März von Biontech erwartet wird*?

Hersteller:Omikron-Impfstoff
Biontech/Pfizergeplant März 2022
Modernageplant Herbst 2022
Astrazeneca

Wegen Omikron: Lohnt sich die Booster-Impfung überhaupt noch?

Den Traum vom schnellen Pandemie-Ende müssen wir spätestens seit der Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus erst einmal wieder begraben. Denn schon nach kürzester Zeit wurde klar: Die doppelte Impfung schützt nicht mehr ausreichend gegen eine Ansteckung. Weil sich Omikron so rasant ausbreitet, schießen die Infektionszahlen derzeit wieder in die Höhe. Um dem entgegenzuwirken, sollen sich die Menschen boostern, also ein drittes Mal gegen Corona impfen lassen.

Zwei Impfampullen und Spritze vor dem Hintergrund mit der Aufschrift Booster.
Boostern oder auf Omikron-Impfstoff warten? Was Experten raten. © Sven Simon/imago

Doch auch nach dem Booster sinkt der Schutz vor einer Infektion mit Omikron mit der Zeit. Deshalb prophezeite Gesundheitsminister Karl Lauterbach vor Wochen bereits die vierte Impfung. Diese wird derzeit bereits in Israel durchgeführt – Studien zur Schutzwirkung kommen zu einem ernüchternden Ergebnis. Warum sich der Booster aber trotzdem lohnt? Weil der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen hoch bleibt.

Boosterimpfung: Darum schützt sie zuverlässig vor schweren Verläufen, aber nicht vor Ansteckung

Wichtig ist zu verstehen, dass beim Begriff „Impfschutz“, zwischen dem Schutz vor der Infektion und dem Schutz vor einem schweren Verlauf unterschieden werden muss. Während für den Schutz vor Ansteckung die Antikörper verantwortlich sind, schützen vor einem schweren Verlauf sogenannte T-Zellen, die durch die Impfung nachhaltig gebildet wurden. Antikörper haben also die Aufgabe, das Virus direkt am Eindringen in unsere Zellen zu hindern, gelingt das, liegt ein Schutz vor Infektion vor.

Dass die Zahl der Antikörper im Körper mit der Zeit abnimmt, ist normal. Dass die doppelte Impfung nicht mehr so gut gegen Omikron schützt, liegt also zum einen daran, dass die Antikörper ohnehin weniger werden, zum anderen aber daran, dass das Virus stark mutiert ist. Für die Verhinderung von schweren Corona-Verläufen sind aber gar nicht die Antikörper allein entscheidend. Vielmehr sorgen T-Zellen, die für zelluläre Immunität verantwortlich sind, für den Schutz vor schwerem Verlauf.

Diese helfen im Falle einer Infektion dabei neue Antikörper zu bilden. Gedächtniszellen können laut ntv.de auch noch lange nach der Impfung eine passende Immunreaktion auslösen und das Virus bekämpfen. Laut der britischen Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) schützt selbst die doppelte Impfung mit Biontech oder Moderna noch sechs Monate nach der Impfung zu 72 Prozent vor einem Krankenhausaufenthalt. Auffrischungsimpfungen erhöhen diesen Schutz noch einmal deutlich.

Boostern statt warten: Bis der Omikron-Impfstoff verfügbar ist, dürfte es noch dauern

Ein Booster lohnt sich also schon deshalb, weil schwere Verläufe offenbar auf lange Sicht minimiert werden. „Die Impfstoffe tun, was sie sollen: Sie schützen vor schweren Verläufen und das sehen wir aktuell bei Omikron“, bestätigt auch Immunologe Carsten Watzl, der dpa. Zusätzlich steigt direkt nach der Impfung der Schutz von Ansteckung zumindest wieder an.

Sollte der Omikron-Impfstoff von Biontech tatsächlich im März fertig sein, dürfte es außerdem noch eine ganze Weile dauern, bis er in ausreichenden Mengen verfügbar ist. Es ist also definitiv ratsam, sich jetzt erst einmal boostern zu lassen, um bis dahin vor einem schweren Verlauf geschützt zu sein. Und wer weiß, vielleicht brauchen wir den vierten Impfstoff am Ende gar nicht mehr.

Expertin aus Israel: Möglicherweise bekommen nicht alle die vierte Impfung gegen Corona

Wie aus einem Bericht von ntv.de hervorgeht, hat das UKHSA kürzlich eine Studie zur Booster-Impfung bei Menschen über 65 durchgeführt. Die relativ kleine Studie kommt zu einem hoffnungsvollen Ergebnis. Drittimpfungen mit den Kombinationen Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca schützen bis zu neun Wochen nach der Impfung zu 94 Prozent vor schweren Krankheitsverläufen. Zehn Wochen oder später war zumindest noch ein 89-prozentiger Schutz vorhanden. Die Studie sei laut Verfasser aufgrund ihrer kleinen Größe derzeit allerdings noch mit Vorsicht zu genießen.

Weil die Impfung in Israel mit einem noch nicht angepassten Impfstoff durchgeführt wird, ist sich die Studienleiterin, Gili Regev, derzeit nicht sicher, ob eine vierte Impfung für alle notwendig ist. Weil der Antikörperstand auch nach der vierten Impfung wieder auf das Niveau nach dem Booster sinkt, sagte sie: „Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob man sie nun allen geben sollte“. In dem Fall würde also nur eine vierte Impfung mit einem angepassten Impfstoff Sinn ergeben. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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