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Nestlé übernimmt Ankerkraut: Hamburger Gewürz-Mischer im Mega-Shitstorm

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Von: Kevin Goonewardena

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Nestlé übernimmt die Mehrheit am Hamburger Unternehmen Ankerkraut. Fans der Gewürze und die für das Unternehmen so wichtigen Influencer laufen Sturm.

Hamburg – Die VOX-Show „Die Höhle der Löwen“ ist seit 2014 ein echter Quoten-Magnet. Rund drei Millionen Zuschauer wollen jede Woche dabei sein, wenn die sogenannten Gründer ihre neusten Geschäftsideen vorstellen und die Investoren um Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer oder Ralf Dümmel darüber entscheiden, ob aus einer Idee ein Deal wird, oder es doch bei dem Ideen-Pitch bleibt. Immer wieder gab es Kritik an der Sendung, etwa von Ex-Kandidaten.

Nun richten sich die Vorwürfe jedoch nicht an die Sendung an sich, sondern an eine Firma, die aus „Höhle der Löwen“ bekannt geworden ist. Das Hamburger Unternehmen Ankerkraut hat nämlich einen neuen Mehrheitseigentümer. Und der ist kein Unbekannter: Es handelt sich um Lebensmittelgigant Nestlé. In den sozialen Netzwerken bricht ein regelrechter Shitstorm über Ankerkraut herein.

Name:Ankerkraut GmbH
Adresse:Sinstorfer Kirchweg 74-92, 21077 Hamburg
Gründung:2013
Geschäftsführung:Stefan und Anne Lemcke, Timo Haas, Alexander Schwoch

Nestlé kauft Gewürzmarke Ankerkraut aus Hamburg – heftige Kritik an Übernahme

Der Schweizer Konzern, zu dem rund 2000 Marken, darunter namhafte Unternehmen wie Maggi, Alete, Mövenpick, Nesquik und Vittel gehören, hat kein besonders gutes Image. Und das aus vielen Gründen.

Eingangsbereich einer Ankerkrautfiliale in Köln
Der Eingang einer Ankerkraut-Filiale in Köln. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg-Harburg bietet seine Gewürzmischungen nicht nur online, sondern auch über bundesweite Filialen an. Jetzt wurde das Unternehmen von Nestlé übernommen. © BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl / Imago Images

Nestlé wird unter anderem vorgeworfen, die Privatisierung von Wasser voranzutreiben und auch für das Austrocknen europäischer Wasserquellen verantwortlich zu sein (siehe dazu auch: „Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit dem Wasser“, Dokumentarfilm 2012). Weitere Vorwürfe: Kinderarbeit, die Abholzung des Regenwalds, illegale Preisabsprachen, Tierversuche – die Liste der Vorwürfe gegen Nestlé ist lang. Das bekommen jetzt auch die Gründer von Ankerkraut zu spüren. Der Hashtag #Ankerkraut befand sich zeitweise auf Platz #2 der Twitter-Trends in Deutschland. Grund dafür natürlich die Übernahme von Nestlé.

Ankerkraut erntet Shitstorm nach Nestlé-Deal: Merkel-Interviewer LeFloid kündigt Kooperation mit Ankerkraut

Denn, nachdem bekannt wurde, dass Nestlé die Mehrheit der Anteile an dem Start-up erworben hat, bricht über das Hamburger Unternehmen ein Shitstorm herein. Nicht nur die Kunden und Fans lassen das Netz heiß laufen, auch wichtige Influencer äußern sich – oder laufen dem Unternehmen gar weg.

Wichtig dabei ist zu wissen, dass Ankerkraut bei ihrer Vermarktung ausgiebig auf Influencer-Marketing setzt und rund 3000 Kooperationen im Bereich Gaming und Streaming hat und Produkte sogar mit dem Slogan „bekannt von Twitch“ bewirbt. Der durch sein Interview der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 bundesweit bekannt gewordene Streamer LeFloid, kündigte seine Kooperation mit Ankerkraut nach der Übernahme durch Nestlé auf. Er bezeichnete die Situation als untragbar und versprach seinen Fans, „die Zusammenarbeit mit Ankerkraut schnellstmöglich zu beenden“. LeFloid sprach zudem davon, dass er und die anderen Kooperationspartner im Vorfeld nicht über die Übernahme informiert gewesen seien.

Nach Nestle-Übernahme: Kooperationspartnerin von Ankerkraut: „Unfassbar enttäuscht“

Wie Spiegel Online berichtet, schrieb etwa die bekannte Gaming-Streamerin Shurjoka, der rund 225.000 Nutzer auf dem Streamingportal Twitch folgen, „Ich bin unfassbar enttäuscht, weil ich die Produkte von Ankerkraut immer sehr gemocht habe“ und kündigte das sofortige Ende ihrer Partnerschaft mit der Firma Ankerkraut an.

Wenn du an Nestlé verkaufst, ist dir vermutlich nur eins wichtig: die Kohle.

Streamer TimKalation zur Übernahme von Ankerkraut durch Nestlé

Streamer TimKalation, der für seine Livestreams des Fußballvideospiels „Fifa“ bekannt ist, teilt das Gefühl der Gründer nicht, dass diese in einem Statement zur Übernahme teilten. Diese schrieben, dass sie das Gefühl hätten, mit Nestlé ein Unternehmen gefunden zu haben, dass ihre Marke und die Leidenschaft dahinter gut verstehen würde. Und „Dass die Marke bei Nestlé in guten Händen“ ist.

TimKalation dazu „Ich mag die Ankerkraut-Produkte und fand auch die Firma sympathisch, die nach eigener Aussage für Werte wie Fairness, Verantwortung und Nachhaltigkeit stand“, so der Streamer gegenüber Spiegel Online, nachdem er sich von Ankerkraut losgesagt hat und führte aus „Aber wenn du an Nestlé verkaufst, ist dir vermutlich nur eins wichtig: die Kohle.“

Ankerkraut verkauft an Nestlé: Boykott-Aufrufe auf Social Media – „Seele an Teufel verkauft“

Nicht nur die für die Firma Ankerkraut so wichtigen Influencer, auch Fans und Kunden ließen ihrem Unmut im Internet auf den sozialen Netzwerken freien Lauf. „Genau mein Humor“ schrieben @unerwartet auf Twitter kurz und knapp, ein Nutzer auf Facebook teilte mit, er habe sich vergewissern müssen, dass nicht der 1. April sei „Für mich passt eure Philosophie und das, wofür ihr steht einfach gar nicht mit den Werten von Nestlé zusammen“, führte er weiter aus.

Zahlreiche Menschen äußern sich deutlich wütender: „Ihr habt dem Teufel eure Seele verkauft“, „Wenn Gier das Gehirn frisst – never ever mehr Ankerkraut in meiner Küche“ oder „Leider falsch abgebogen und mit Schwung gegen die Wand gefahren“, wird in den Kommentarne gewettert. Viele schrieben, dass sie die Produkte nun nicht mehr kaufen würden: „Tschüss Ankerkraut“, „Bin weg – niemals Nestlé“, „Hat sich erledigt“ oder „Das war´s für mich“ sind neben zahlreichen Boykott-Aufrufen als Kommentare zu lesen.

Nestle-Übernahme: So reagiert Ankerkraut auf den Shitstorm

Das Gründer-Ehepaar der Firma Ankerkraut aus dem Hamburger Süden und ihre Firma sehen die Kritik auf Social Media gelassen. Eine Sprecherin der Firma sagte gegenüber t-Online am Mittwochabend, 13. April 2022, dass man die Reaktionen erwartet habe, aber zuversichtlich sei, dass die Mehrzahl der Kunden der Marke Ankerkraut treu bleiben würden. „Wir haben auf Instagram mehr Likes als negative Kommentare.“ Wie viel Nestlé sich die Mehrheit an Ankerkraut kosten ließ, ist derweil nicht bekannt. Brancheninsider wie das Portal Gründerszene gehen von einem dreistelligen Millionenbetrag aus.*24hamburg.de, fr.de und tz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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