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EC-Karte vor dem Aus: Was Sie zum Umtausch und der Debitkarte wissen müssen

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Von: Kevin Goonewardena

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Die EC-Karte ist ein Auslaufmodell. Millionen Debitkarten sind bereits im Umlauf. Was das bedeutet und wo die Vor- und Nachteile liegen.

Hamburg – Manch einer wird bereits eine neue Debit-Karte seines Geldinstituts im Briefkasten vorgefunden haben, anderen Kundinnen und Kunden deutscher Großbanken steht der Umtausch der Karte noch bevor. Denn die allseits beliebte Girocard (auch EC-Karte genannt) ist ein Auslaufmodell, soll nach und nach gegen sogenannte Debitkarten ersetzt werden. Doch was bedeutet das für die Kunden von Banken und Sparkassen hierzulande? Wo liegen die Vorteile und worauf muss geachtet werden? 24hamburg.de erklärt es Ihnen.

Name:Girokarte
Verbreitung:Deutschland
Einführung:2007 (in jetziger Form)
Verbreitung:mehr als 100 Millionen (2015)

Debitkarte statt EC: Millionen Bundesbürger bekommen zurzeit neue Karten

Wie die Bild-Zeitung berichtet, tauscht aktuell die Targo Bank (3,6 Millionen Kunden) die Girokarten ihrer Kunden in Debitkarten um. Bei DKB (5,2 Millionen Kunden) und ING (9,1 Millionen) gibt es die EC-Karte zwar noch, allerdings müssen Kunden beider Banken, sofern sie die EC-Karte weiter behalten und nutzen wollen, 99 Cent im Monat bezahlen. Die Debitkarte ist bei DKB und ING hingegen kostenlos – ein Anreiz, auf dieses Modell umzusteigen.

 EC- und Kreditkarten in Nahaufnahme
Die klassischen EC-Karten wird es bald nicht mehr geben. Schon jetzt sind Debit-Karten auf dem Vormarsch und die Maestro-Funktion der EC-Karte bei einigen Banken abgeschaltet. (Symbolbild) © Piero Nigro / Imago

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Girocard und EC-Karte: Bedeutung und geschichtlicher Ursprung

Die Girocard in der jetzigen Form gibt es seit 2007, sie garantiert bargeldloses Bezahlen und erfreut sich in Deutschland extremer Popularität. Alleine 2015 waren rund 100 Millionen EC-Karten im Umlauf, 95 Prozent der Bundesbürger besaßen eine solche Karte, 75 Prozent nutzen sie zum Bezahlen im Einzelhandel. Die Höhe der Transaktionen, die mit der EC-Karte 2015 getätigt wurde, betrug 138 Milliarden Euro.

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Da die Karte nur in Deutschland funktioniert, sind für das bargeldlose Bezahlen im Ausland mit der Girocard die Funktionen „Maestro“ beziehungsweise „VPay“ nötig. Die Bezeichnung EC-Karte für die Girocard ist heute noch weit verbreitet, obwohl das eigentliche EC-System (electronic cash) 2002 eingestellt wurde. Der Vorläufer der Giro- und Electronic Cash-Karten stammt aus den 1960er-Jahren und wurde ebenfalls EC abgekürzt. EC stand hier für Eurocheque und bezeichnete das grenzübergreifende Bezahlsystem mit Schecks.

Debitkarte vs. Kreditkarte: Die fünf wichtigsten Unterschiede

Die Debitkarte gibt es meist in Form einer Visa oder Mastercard, also über die beiden US-Konzerne, die für ihre Kreditkarten bekannt sind. Obwohl auch der Name (von lateinisch „debere“ = Schulden) es nahe legt, handelt es sich bei Debitkarten nicht um Kreditkarten. Es gibt bei einer Debitkarte keinen Kreditrahmen. Als wichtigste Unterschiede zwischen Debitkarte und Kreditkarte können folgende gelten:

MerkmaleKreditkarteDebitkarte
AussehenAufdruck 'Credit'Aufdruck 'Debit'
Abbuchungfestgelegte RückzahlungsfristAbbuchung direkt vom verknüpften Konto
Kautionkann für Kautionen (Mietwagen, Hotel etc. benutzt werden)kann nicht hinterlegt werden
Gebührenoft fallen Gebühren anmeist kostenlos
ÜberziehenNein, nur Ausschöpfung des Kartenlimits möglichJa, im Rahmen des Dispos des Girokontos

Die Debitkarten sind übrigens nicht mit einem einheitlichen Symbol, wie etwa dem VPay- oder Maestro-Zeichen versehen. „Debit“ ist aber immer irgendwo auf der Karte aufgedruckt, meistens jedoch relativ klein.

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Debitkarte statt EC-Karte: Vorteile der neuen Karte

Einer der größten Vorteile der Debitkarte ist, dass die Karte meist gratis ist, wohingegen von fast allen Banken und Sparkassen mittlerweile für das Nutzen der Girocard Gebühren verlangt werden. Außerdem ist die Debitkarte global einsetzbar, die Girocard ist es – zumindest ohne Maestro und VPay-Funktion nicht und auch die Funktionen sollen bald abgeschafft werden. Auch im Onlinehandel können die Debitkarten von Visa und Mastercard häufiger und unkomplizierter eingesetzt werden – nämlich überall da, wo die entsprechenden Logos zu sehen sind. Die EC-Karte eignet sich nicht für Onlinekäufe – lediglich das Girokonto selbst für die Verfahren „Sofortüberweisung“ und „Lastschrift“.

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EC-Karte wird ersetzt: Nachteile der Debitkarte und Vorteile Kreditkarte

Verbraucherschützer wie etwa die Verbraucherzentrale Hamburg sehen die neuen Debitkarten dennoch kritisch. Bezugnehmend auf die angeblich verbreitete Möglichkeit, mit der Debitkarte sowohl im stationären, als auch im Onlinehandel zahlen zu können, schreiben die Hamburger Verbraucherschützer auf ihrer Website: „Aus unserer Sicht ist dies aber mitnichten der Fall. Viele Händler akzeptieren die Debitkarte nicht, weil deren Service Provider (das ist der Dienstleister des Händlers, über den dieser seine Zahlungen abwickelt) hohe Gebühren für damit getätigte Zahlungen verlangt. Das gilt auch für den Online-Handel.“

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Ein Nachteil der Debitkarten (genau genommen sind auch Girokarten Debitkarten) ist der Umstand, dass größere Kautionen – wie etwa für Hotels oder Mietwagen oder auch nach dem Einzug in eine neue Wohnung – mit der Debitkarte nicht geleistet werden können. Die neuen Debitkarten ersetzen also mittelfristig die EC-Karten, aber nicht die Kreditkarten.

Eine klassische Kreditkarte ist für solche Fälle also weiterhin nötig. Jene lässt sich, sofern der Kreditrahmen ausgeschöpft ist, auch nicht überziehen. Bevor die Kreditkarte weiter verwendet werden kann, müssen Schulden zurückgezahlt werden. Anders bei der Debitkarte: Mit der Debitkarte können Kunden ins Minus gehen, da die Karte an ihr Girokonto und den damit verbundenen Disporahmen geknüpft ist.

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Fazit: An der Debitkarte gibt es kein Vorbeikommen – sie hilft aber vor allem den Konzernen

An der Debitkarte wird es kein Vorbeikommen geben. Die alte, in Deutschland äußerst beliebte EC-Karte ist ein Auslaufmodell. Doch die Einführung der Debitkarte geschieht offenbar nicht ohne Hintergedanken. Auch die in Teilen weniger umständliche Bezahlung für die Bankkunden sind keine treibende Kraft.

Die Debitkarten ermöglichen es vor allem den US-Konzernen Visa und Mastercard erstmals auch unabhängig von ihren Kreditkartensystemen am elektronischen Bezahlverkehr der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, teilzunehmen und hier ganz simpel Geld zu verdienen. Denn das EC-/Girokarten-System war ein deutsches System, das über Jahrzehnte internationale Anbieter von elektronischen Bezahllösungen weitestgehend ausgeschlossen hat. Das ist nun vorbei. Was genau auf die deutschen Kunden zukommen wird und welche Gebühren auch für die Debitkarten / -Konten eingeführt werden, bleibt ebenso noch abzuwarten.

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