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Wie man mit Kindererziehung die Rente erhöht – die wichtigsten Fakten zur Mütterrente

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Von: Steffen Maas

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Ein Elternteil kann sich die Kindererziehung später als Rentner anrechnen lassen und so die Auszahlung aufstocken. Der Begriff Mütterrente ist aber irreführend.

Update vom 10. Januar 2023: Schon gewusst? Wie man als Rentner für die Beerdigung vorsorgen kann und in welchen Fällen es Sterbegeld für Hinterbliebene gibt, lesen Sie hier.

Erstmeldung vom 6. Januar 2023: Hamburg – Mütterrente: Ein gleich zweierlei irreführender Begriff, der aber zumindest eins klarmacht. In Deutschland sollen Menschen im Alter nicht nur dann eine gute Rente kassieren, wenn sie für Geld gearbeitet haben, sondern auch, wenn sie andere wichtige Aufgaben unserer Gesellschaft übernommen haben. In diesem Fall bedeutet das: Heutige Rentner, die sich um die Kindeserziehung gekümmert haben, bekommen dafür später eine Aufstockung ihrer Rente.

Name:Mütterrente
Bezieht sich auf:Gesetzesanpassung für Eltern von Kinder, die vor 1992 geboren sind
Vorgang für Aufstockung für Rentner:Anrechnung von Kindererziehungszeit
Maximum:Drei Jahre pro Kind

Mehr Geld für Rentner: Mütterrente ist weder ausschließlich für Mütter, noch eine eigenständige Rente

Mit dieser Erklärung sind auch eigentlich schon beide, irreführenden Wortteile der „Mütterrente“ identifiziert. Denn einerseits ist die Mütterrente keine eigenständige Rente, wie etwa die Altersrente oder Erwerbsminderungsrente, sondern – wie etwa auch die kleine und große Witwenrente – lediglich ein System, durch das zukünftiger Rentnerinnen und Rentner ihre Rente erhöhen können – indem die Zeit, in der man ein Kind erzogen hat, angerechnet wird.

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Kinderziehung kann sich bei heutigen Rentnern auf die Rente auswirken. © Ashley Corbin-Teich/IMAGO

Zweitens geht es bei der erhöhten Auszahlung nicht nur um Mütter, sondern auch um Väter. Wichtig ist dabei nur, dass klar angegeben wird, wem die Rentenerhöhung angerechnet werden soll. Die Deutsche Rentenversicherung rät: „Machen Sie sich also schon im Vorwege Gedanken darüber, wem die Zeit bei der Rente angerechnet werden soll.“ Reibungslos läuft das, wenn beide Elternteile eine übereinstimmende Erklärung abgeben, wer zu welchem Zeitpunkt für die Kindeserziehung zuständig war.

Wie funktioniert bei Rentnern die Aufstockung der Rente durch das Anrechnen der Kindererziehungszeit?

Doch wie funktioniert das System, das zur erhöhten Auszahlung für Rentner führt, genau? Wichtig dafür sind die sogenannten Rentenpunkte – quasi eine Wertmarke, die später zum entsprechenden Wert eingelöst wird. Ein Elternteil, das sich ein Jahr Kindererziehungszeit anrechnen lassen will, bekommt dafür einen Rentenpunkt. Zum Vergleich: Ein Arbeitnehmer, der das Durchschnittsgehalt verdient, erhält ebenfalls einen Rentenpunkt. Beim Renteneintritt werden dann alle Rentenpunkte zusammengerechnet, um die monatliche Brutto-Auszahlung zu errechnen.

Wo kommt der Begriff „Mütterrente“ für Rentner her?

Die Schwammigkeit des Begriffes liegt wohl in seinem Ursprung: Strenggenommen, klärt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf, bezeichnet die Mütterrente nämlich nur den Passus in den angepassten Gesetzen zur Rente (von 2014 und 2018), der die Zeitspanne erhöht, für die die Kindererziehungszeiten angerechnet wird: Für Kinder, die vor 1992 geboren sind, waren es nämlich bis dahin nur ein Jahr, mittlerweile sind es zweieinhalb.

Nicht selten wird der Begriff heute aber synonym für jede Rentenaufstockung genutzt, die man mit der Anrechnung der Kindeserziehungszeit erreichen kann – also auch für Kinder, die nach 1992 geboren sind, und für die man maximal drei Jahre Zeit anrechnen lassen kann.

Dafür muss man wissen, wie viel genau ein Rentenpunkt denn wirklich wert ist. Dieser Rentenwert wird stetig an die wirtschaftliche Realität angepasst und ändert sich jährlich. Im Jahr 2022 betrug er 36,02 Euro im Westen und 35,52 Euro im Osten von Deutschland. Jährliche Anpassung gibt es übrigens auch bei der regulären Rentenauszahlung: Tabellen zeigen, wie viel Geld Rentner 2023 mehr auf dem Konto haben.

Kennt man also sowohl die Anzahl seiner durch Kindererziehung verdienten Rentenpunkte sowie den aktuellen Rentenwert, lässt sich ermitteln, um wie viel Euro man seine Rente aufstocken würde, wenn man heute in den Ruhestand geht. Durch die Mütterrente werden einem Elternteil für ein Kind, das vor 1992 geboren wurde, maximal 2,5 Jahre (und damit Rentenpunkte) angerechnet: 90,05 Euro monatlich kämen dementsprechend für einen Westdeutschen auf die Rente obendrauf. Für Kinder mit Geburtsdatum nach 1992 sind es maximal 3 Jahre. Der aktuelle Betrag, den man also pro Kind monatlich zur Rente hinzuverdienen würde, ist zurzeit 108,06 Euro.

Rente erhöhen durch Kindererziehungszeit: Antrag als Rentner ist zwingend notwendig

Damit die Zeit auch wirklich angerechnet wird, müssen Eltern den entsprechenden Antrag V0800 bei der Deutschen Rentenversicherung einreichen, wie das Expertenportal Finanztip.de weiß. Dort heißt es weiter, dass dem Antrag in der Regel eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes beiliegen sowie die eigene Versicherungsnummer bekannt sein muss.

Übrigens: Auch bei Pflege-, Stief- und Adoptivkindern kann man sich Kindererziehungszeit für Entgeltpunkte anrechnen lassen. Nötig ist dafür nur der Zusatzfragebogen V0805 der Deutschen Rentenversicherung. Bei der Mütterrente blieb übrigens auch nach dem Jahreswechsel alles beim Alten – im Gegensatz zu anderen Themen wie Rente und Bürgergeld, die sich 2023 für Rentner ändern.

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