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Preiskampf im Supermarkt: „Der Milchmarkt steht Kopf“

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Von: Stella Henrich

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Die Preise für Milch sind im Handel enorm gestiegen. Als Grund dafür geben Branchenkenner die Preispolitik von Aldi an. Biomilch-Erzeuger können davon bislang nicht profitieren. Warum eigentlich?

München ‒ „Der Milchmarkt steht Kopf“, klagt Jan Plagge, Präsident von Bioland. Der Anbauverband vertritt rund 10.000 Betriebe aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft, die Bio-Produkte aus der Region erzeugen, verarbeiten und verkaufen. Die gesamte Branche für Bio-Milch klage über fehlenden Absatz, so der Präsident gegenüber der Lebensmittel Zeitung (LZ). Angefangen hat diese Entwicklung offenbar mit der Preiserhöhung für Bio-Vollmilch bei Aldi. Mit weitreichenden Folgen. Eine ganze Branche steckt mittlerweile in der Krise, berichtet merkur.de.

Anstieg der Erzeugerpreise

Die Preise für tierische Erzeugnisse waren im Oktober 2022 um 46,8 Prozent höher als im Oktober 2021. Der Milchpreis lag im Oktober 2022 um 56,3 Prozent über dem Vorjahresmonat.
Quelle: Statistisches Bundesamt im Dezember 2022

Durch Aldi, den Platzhirschen am Markt, der als Vorreiter für die gesamte Lebensmittelbranche gilt, zogen andere Discounter nach und erhöhten die Preise für Milch. Der Absatzmarkt habe sich seitdem um bis zu 30 Prozent reduziert, berichtet das Branchenblatt. Ein kurzzeitiges Absenken der Milchpreise habe an dem Rückgang auch nichts mehr ändern können. Laut Branchenkennern ist der Verkauf von Biomilch im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurückgegangen.

Aldi dreht am Milchpreis: Preisunterschiede zwischen konventioneller und Bio-Milch zu gering

Erstmals seit Jahren kann nach Angaben von Josef Jacobi nicht mehr die gesamte Biomilch von den Höfen als Biomilch vermarktet werden. Jacobi ist Mitbegründer der Upländer Bauernmolkerei. Die Upländer schließen Mengenreduzierungen daher inzwischen nicht mehr aus. Doch warum können die Hersteller von Bio-Milch von dieser Situation am Markt nicht profitieren und mehr ihrer Bio-Produkte verkaufen? Das liegt nach Einschätzung von Agrarökonom Achim Spiller vor allem daran, dass der Preisabstand von Bio-Milch im Vergleich zu konventioneller Milch sich stark verringert hat.

Da Discounter Aldi inzwischen laut dem Online-Portal Watson eine Erhöhung für seine Einkaufspreise mit Produzenten vereinbart haben soll, könnten die Preise für Bio-Milch zum Jahreswechsel erneut steigen. Damit dürfte damit schwer werden, neue Käufer für Bio-Milch zu finden, um die überschüssige Milch der Bio-Bauern zu vermarkten. Die Preisunterschiede zwischen konventioneller und biologischer Milch sind einfach zu gering. Doch genau hier wittert die Andechser Molkerei nun ihren Vorteil. Mit einer Kampagne sollen Verbraucher über den Mehrwert von Bio-Produkten informiert werden, um sie als Bio-Käufer zu gewinnen.

Bild zeigt Kühe im Stall.
Bio-Milch oder konventionelle Milch? Im Handel stimmt das Preisegefüge nicht mehr. (Symbolbild) © Arnulf Hettrich/imago

Aldi dreht am Milchpreis: Imagekampagne soll Verbraucher nun über den Mehrwert von Bio-Milch überzeugen

Ob diese Kampagne einen Bioboom ähnlich wie während der Corona-Krise auslöst, bleibt abzuwarten. Die Krise führte laut Agrarheute zu einem deutlichen Wachstum der Biomilchproduktion. Derzeit liege die angelieferte Menge an Biomilch in den ersten acht Monaten des Jahres 2022 um 2,6 Prozent über dem Vorjahr – bei konventioneller Milch war die Milchmenge hingegen 1,8 Prozent kleiner als im Jahr zuvor.

Schaut man auf das wichtige Biomilchland Bayern, so lieferten die Biobauern dort sogar 4,6 Prozent mehr Bio-Milch ab als im Jahr zuvor – und in Schleswig-Holstein, dem Land mit den höchsten Biopreisen, wachse die Biomilchmenge sogar um 8,1 Prozent, so Agrarheute weiter. Das Problem ist somit nicht die vorhandene Menge am Markt, sondern der Preisabstand zwischen beiden Milcharten. Und da Verbraucher beim Einkaufen im Supermarkt und Discounter vor allem auf den Preis achten und Schnäppchenjäger sind, zeigt sich hier das ganze Dilemma der Branche. Das Milch-Preisgefüge im Handel stimmt vorne und hinten nicht mehr.

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