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Lieferengpässe Medikamente: Hamburger Apotheken warnen vor Knappheit

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Von: Bona Hyun

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Engpässe in Hamburger Apotheken – bald könnten Arzneimittel, wie Antibiotika, knapp werden. Corona und der Ukraine-Krieg verschärfen die Lage.

Hamburg – Ein Problem, welches durch derzeitige Umständen deutlicher wird – Hamburger Apotheken, von denen nur wenige Coronaimpfungen anbieten, warnen: Wichtige Medikamente werden immer knapper. Das bestätigt dem Abendblatt zufolge die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH). Insbesondere wirkstoffgleiche, günstige Medikamente sind von Lieferengpässen betroffen. Ein Auslöser sei die globale Preispolitik bei der Arzneiproduktion. Für Verbraucher werde es immer schwieriger, sich mit Medikamenten zu versorgen.

Natürlich gebildetes niedermolekulares Stoffwechselprodukt:Antibiotikum
Wie lange dauert es bis Antibiotikum wirkt?Eine halbe bis zwei Stunden
Was darf man bei Antibiotikum nicht essen oder trinken?Milchprodukte

Lieferengpässe von Medikamenten in Hamburger Apotheken: Problem seit Jahren existent

Derzeit sind 269 verschiedene Medikamente der zentralen Datenbank PharmNet.Bund als schwer oder nicht lieferbar eingestuft. Droht ein Lieferstopp, wären die Existenzen vieler Apotheken bedroht. „Da, wo es keine Apotheke mehr gibt, bricht regelmäßig die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung komplett zusammen“, wird Kai-Peter Siemsen, Präsident der Apothekerkammer Hamburg vom Abendblatt zitiert. Er rechnet nicht damit, dass sich die Situation rasch verbessern wird. Neben den Medikamenten werden auch wichtige Ressourcen wie Feuerholz knapp, weshalb der Baumarkt Hornbach über eine Rationierung nachdenkt.

Ein Logo einer Apotheke und Medikamente
In Hamburger Apotheken werden Medikamente knapp – unter anderem wichtige Arzneimittel wie Antibiotika. (24hamburg.de Montage) © Ole Spata/dpa/YAY Images/imago

Siemsen beobachtete schon vor der Coronapandemie und dem Ukraine-Krieg einen „sehr hohen“ Anstieg der Lieferengpässe im Vergleich zu den 2010er-Jahren. Auch Thomas Metz vom Bayerischen Apothekerverband in München bestätigte dem Bayerischen Rundfunk: Das Problem von Lieferengpässen bei Arzneimitteln gibt es schon seit zehn bis zwölf Jahren.

Medikamente in Hamburger Apotheken werden knapp: Preispolitik ist Auslöser

Ein Grund sei laut Siemsen der wirtschaftliche Druck auf Lohn- und Umweltschutzkosten. Dadurch wird die Arzneiwirkstoff-Produktion an wenige Standorten, hauptsächlich nach China und Indien, verlegt. Dr. Erik Engel ist Vorsitzender des Landesverbands der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) in Hamburg. Er ergänzt, dass „die Strategie der Krankenkassen, durch Rabattverträge Kosten zu senken“ zu sinkenden Margen führe. Die Hersteller würden diese durch die Produktion in Niedriglohnländern ausgleichen.

Lieferengpässe in Hamburger Apotheken: Antibiotika und andere Arzneimittel werden knapp  

Die chinesische Region Wuhan ist der Standort, wo die weltweit größte Zahl von Arzneimitteln produziert wird. In Europa gebe es laut Siemsen nur noch eine Antibiotikaproduktion. Dort werde eines der ältesten Antibiotika, nämlich Penicillin, hergestellt, wie Siemsen dem Abendblatt mitteilte. Sollte China aufgrund eines Coronaausbruchs Fabriken lahmlegen und die Lieferung wichtiger Arzneimittel einstellen, wären die Folgen global spürbar.

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Zusätzlich werde die Lage durch den Krieg in der Ukraine verschärft. Der Bedarf von Schmerzmitteln erhöhe sich, während der Krieg gleichzeitig zu einer Verknappung von Energie und Rohstoffen führe, so Siemsen. Es würden Zulieferteile wie Glasflaschen oder Sprühaufsätze und ähnliches fehlen.

Hamburger Apotheken rationieren Medikamente: Behandlung von Krebspatienten bekommt Verzug

Hamburger dürften vorerst aufatmen. Oftmals könnten Ärzte und Hamburger Apotheken „durch den Austausch verschiedener Hersteller bei generischen Präparaten oder durch das Ausweichen auf andere vergleichbare Wirkstoffe die Versorgung der Patienten“ sicherstellen. Das teilte der KVH dem Abendblatt mit.

Schwieriger wird es bei der Behandlung von Krebspatienten in Hamburg. BNHO-Vorstand Engel berichtet, es gebe immer wieder einmal Fälle, bei denen die Therapie „außerplanmäßig umgestellt werden muss, weil ein Medikament nicht verfügbar ist“. Alleine in diesem Jahr gibt es bereits bei drei Arzneimitteln in der Onkologie Engpässe. In Engels eigener Praxis habe er noch keine gravierenden Folgen gespürt. Eine Lösung für die Engpässe und Knappheit steht noch nicht in Aussicht – während Ärzte bei Gasmangel raten, die Wohnung kühl zu halten, da es gesünder für die Menschen sei.

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