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Kuriose Corona-Vorschrift: Uni Greifswald verbietet Studenten einen Vollbart

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Von: Anika Zuschke

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Schlechte Nachrichten für Bartträger: An der Uni Greifswald ist Medizinstudenten das Tragen von Vollbärten nicht gestattet – damit die FFP2-Maske besser sitzt.

Greifswald – In den beiden Jahren der Corona-Pandemie wurde die ganze Welt in einen vorher nicht erlebten Ausnahmezustand versetzt, der immer wieder neue Regeln und Vorschriften hervorgerufen hat. Einige Regeln wurden dabei bereitwilliger angenommen als andere. Beim HSV gilt jetzt beispielsweise die neue Regel, dass nur noch im Sitzen gejubelt werden darf. Auch die Universitätsmedizin in Greifswald hat mit einer sehr expliziten Bart-Regel kürzlich für Wirbel gesorgt: Demnach werden Studenten in der Klinik mit einem Verweis auf den festen Sitz von Corona-Masken dazu aufgefordert, auf Vollbärte zu verzichten – andernfalls droht der Ausschluss vom Unterricht.

Hochschule in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern:Universität Greifswald
Adresse:Domstraße 11, 17489 Greifswald
Telefon:03834 4200
Studentenzahl:10.366 (Stand: 2021)

Bart-Verbot an der Uni Greifswald: Studenten dürfen zum besseren Schutz vor Corona keinen Vollbart mehr tragen

In Hamburg scheint sich die Corona-Lage nach wochenlangen Rekordwerten langsam zu entspannen. Am Donnerstag, 10. Februar 2022, ist die Inzidenz in der Hansestadt von 1758 sichtlich auf etwa 1658 gesunken. Aus dem Grund ändern sich in Hamburg ab Samstag auch einige Corona-Regeln im Supermarkt und Einzelhandel. Doch während sich die Situation in Hamburg und Schleswig-Holstein stabilisiert, sorgt die Uni Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Bart-Regel für Corona-Masken sogar in überregionalen Medien für Aufsehen.

Studenten, die während ihres Studiums die Klinik in Greifswald besuchen, wurden Ende Januar anhand einer E-Mail erneut daran erinnert, für eine dicht anliegende Mund-Nasen-Bedeckung zu sorgen. Das bestätigte der Chef des Krisenstabs der Uni-Medizin, Klaus Hahnenkamp, laut Hamburger Abendblatt. Das Schreiben enthielt wohl eine Abbildung von mehreren Bartformen und dazugehörigen Hinweisen, bei welchen Bärten die Schutzwirkung der Maske unzulässig sei und welche in Ordnung wären.

Der Grafik von der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge gelten sowohl eine glatte Rasur als auch diverse Schnurrbärte als geeignet. Stoppelbärte hingegen werden demnach als schlecht für den Corona-Schutz mit Maske eingestuft.

Vollbärte sind in der Uni Greifswald nicht mehr gestattet: „Hygiene geht vor“

Im Klinikgebäude Greifswald sind Vollbärte also nicht gestattet, da diese den Schutz durch eine FFP2-Maske einschränken. „Studierende, die keine dicht anliegende Maske tragen, sind durch die verantwortliche Kursleitung vom Unterricht auszuschließen“, äußert Hahnenkamp laut Hamburger Abendblatt. Die Studierenden hätten schließlich Patientenkontakt. Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte seien im Klinikbereich außerdem unvermeidbar. „Hygiene geht vor, so sind beispielsweise auch lange Fingernägel nicht gestattet“, erklärt der Chef des Krisenstabs.

Ein junger Mann rasiert sich vor dem Spiegel im Bad seinen Bart und eine FFP2-Maske.
Die Uni Greifswald fordert Medizinstudenten zum Verzicht auf Vollbärte auf – damit die FFP2-Maske besser sitzt. (24hamburg.de-Montage) © Addictive Stock/Imago/Marijan Murat/dpa

Diese Regeln gelten jedoch nicht nur für Studierende, sondern für alle Mitarbeitenden in der Klinik. Auch das Tragen einer FFP2-Maske sei bei Patientenkontakt für alle verpflichtend, so Hahnenkamp. Das meine selbstverständlich „das Tragen einer dicht anliegenden FFP2-Maske.“ Noch deutlich kurioser ist aber ein Schutz gegen Corona, den eine neue Studie aus England ergeben hat: Demnach sollen Strumpfhosen gegen eine Corona-Infektion helfen.

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Bärte können Effektivität von FFP2-Masken deutlich einschränken – Studenten unterstützen den Standpunkt

In der E-Mail an die Studierenden wird auch auf das Arbeitsschutzgesetz verwiesen, aus dem sich gewisse Pflichten für die Beschäftigten ergäben. Versicherungstechnische Fragen spielen ebenfalls eine Rolle. Demnach können im Falle einer Infektion Regressansprüche gegen den Arbeitgeber erhoben werden. Uwe Borchmann, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, kennt an anderen Kliniken eigenen Aussagen zufolge bisher keine entsprechenden Bart-Regeln, berichtet das Hamburger Abendblatt. Doch die Studienlage weise darauf hin, dass Bärte die Effektivität einer FFP2-Maske deutlich einschränken könnten. Ebenfalls eingeschränkt wird der Schutz durch eine FFP2-Maske, wenn man diese zu oft trägt – aber wie oft sind die Masken tatsächlich wiederverwendbar?

Während die Bart-Vorschrift an der Uni Greifswald überregional hohe Welle schlägt, stellt die Regel bei der Studierendenschaft laut Fachschaftsrat wohl kein großes Thema dar. Der Fachschaftsrat Medizin machte laut Süddeutscher Zeitung deutlich, dass bei den Betroffenen Verständnis überwiegt. „Wir kennen natürlich nicht die Meinung aller Medizinstudierenden, aber gehen stark davon aus, dass die Mehrheit unseren Standpunkt unterstützt und die Relevanz der Hygienemaßnahme versteht“, erklärte die Vorsitzende Nina Drämel gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Demzufolge habe es innerhalb der Studierendenschaft sogar Verwunderung darüber gegeben, wie groß das Thema in der Presse ist – obwohl es intern keine Diskussion dazu gegeben habe. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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