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Kreuzfahrt-Schock: Veranstalter lässt Kunden draufzahlen – nach der Buchung

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Von: Hannes Niemeyer

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Die steigenden Spritpreise erwischen auch die Reedereien. Ein Veranstalter bittet nun Kreuzfahrt-Touristen nachträglich zur Kasse.

Hamburg - Endlich werden die Leinen wieder gelöst. Für die Deutschen geht es wieder in die schönsten Ecken der Welt, und das per Schiff. Nachdem wegen der Corona-Pandemie in den letzten Jahren etliche Reisen ausgefallen waren, steuern nun die großen Reedereien rund um AIDA und Co. wieder die beliebtesten Reiseziele an den Küsten per Seeweg an - einige davon sogar von Hamburg aus. Der Kreuzfahrt-Tourismus erfreut sich in der Bundesrepublik stetiger Beliebtheit, trotz der miesen Ökobilanz der Meeresriesen. Allerdings reiht sich hier jetzt ein weiteres Problem ein.

Reisende auf der „MS Hamburg“, hier im Hafen von Stralsund 2021, müssen wegen gestiegener Treibstoffpreise wohl nachträglich zahlen.
Reisende auf der „MS Hamburg“, hier im Hafen von Stralsund 2021, müssen wegen gestiegener Treibstoffpreise wohl nachträglich zahlen. © Stefan Sauer/dpa

Denn nicht nur die Kreuzfahrt-Buchungen schießen jetzt wieder hoch, auch die Spritpreise sind zuletzt durch den Ukraine-Krieg rasant gestiegen - und von jenem Sprit brauch so ein dickes Schiff bekanntlicherweise ja so einiges. Auch wegen der steigenden Öl- und Spritpreise hat die Bundesregierung unlängst reagiert und im Entlastungspaket 2022 mit dem Tankrabatt, dem 9-Euro-Ticket und der Energiepreispauschale Vergünstigungen beschlossen. Und diese Vergünstigungen können Kreuzfahrt-Reisende durchaus gebrauchen, das Geld wird nämlich an anderer Stelle möglicherweise gebraucht.

Kreuzfahrt mit der „MS Hamburg“: Spritpreis-Zuschlag für die Touristen auch nach der Buchung

Wenig überraschend dürften sich die Preise für Kreuzfahrten allgemein natürlich auch aufgrund der Spritpreise verändern. Der Veranstalter Plantours aus Bremen greift allerdings offenbar jetzt schon durch. Wie das Hamburger Abendblatt schreibt, seien die Kunden informiert worden, dass man für Reisen auf der „MS Hamburg“ einen Treibstoffzuschlag berechnen möchte. Als wäre das für Kunden nicht schon ärgerlich genug, gibt es noch einen weiteren Haken: Der Treibstoffzuschlag soll auch für bereits gebuchte Reisen gelten.

Bedeutet im Genauen: Wer bereits eine Reise etwa auf der „MS Hamburg“ gebucht hat, der zahlt jetzt noch nachträglich einen Extra-Betrag für den Sprit. Grund für den Zuschlag ist eben die starke Steigung der Sprit-Bezugspreise, die sich erst nach der Veröffentlichung der Reisepreise für das Jahr 2022 ergeben hätten. Das Abendblatt zitiert aus einem Schreiben an die Kunden, dass sich die Kosten pro Tonne für den Treibstoff von 550 Euro auf 1100 Euro erhöht hätten. Dies entspräche dann 13.200 Euro pro Tag, umgerechnet auf die Passagiere wären die Kosten mit 30 Euro pro Person pro Tag gedeckt. Zu einem Drittel will Plantours die Gäste an den Kosten beteiligen.

Kreuzfahrt: Plantours bittet Kunden jetzt nachträglich zur Kasse

Konkret heißt dies laut der Mitteilung offenbar, dass man pro Reisetag einen Zuschlag von elf Euro pro Passagier erheben möchte. Das bedeutet für die Kunden einen nicht ganz unerheblichen Aufschlag. Bei einer einwöchigen Kreuzfahrt wären das immerhin schon 77 Euro, die eben nachträglich noch oben drauf kommen. Die Kunden scheinen allerdings mit Verständnis auf die Maßnahme zu reagieren. Jedenfalls berichtet das Abendblatt unter Berufung auf einen Sprecher des Unternehmens, dass es wenige Beschwerden gegeben habe. Ärger gab es dagegen bei einer anderen Kreuzfahrt: Auf einer Tour der AIDA ist ein Reiseziel einfach gestrichen, ohne zusätzliches Bordguthaben.

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Trotz bereits gebuchter Reise einfach so die Preise erhöhen, ist das überhaupt erlaubt? In diesem Fall, ja. Zum einen, weil der Veranstalter in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf mögliche Preiserhöhungen hinweist. Zum anderen, weil gesetzlich bei Fällen wie einem gestiegenen Treibstoffpreis eine Erhöhung möglich ist - anders als beispielsweise bei Löhnen der Seeleute, wie Julia Rehberg, Expertin der Verbraucherzentrale Hamburg, dem Abendblatt erklärt. Bedingung: Den Kunden musst die Steigerung „mindestens 20 Tage vor Reiseantritt mitgeteilt werden und sie darf acht Prozent des Gesamtpreises nicht übersteigen“, erklärt Rehberg.

Für andere Kreuzfahrt-Touristen gibt es aber eine Möglichkeit, die Reise billiger zu gestalten. Mit einem Trick können AIDA-Kunden auf ihrer Kreuzfahrt sparen.

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