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AOK, DAK und Co. erhöhen die Beiträge – Tabelle zeigt Vergleich der Krankenkassen 2023

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Von: Steffen Maas

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Die Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen steigen im Jahr 2023. Versicherer können den Satz festlegen – und erhöhen teils stark. Unser Vergleich klärt auf.

Hamburg – Verbraucher können es wahrscheinlich nicht mehr hören: Inflation, explodierende Kosten, steigende Preise. Doch die Realität ist, dass viele Lebensbereiche teurer werden. Dazu zählt auch der wichtige Sektor Gesundheit. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verkündete im Herbst eine Erhöhung des Zusatzbeitrages der gesetzlichen Krankenversicherungen – um 0,3 Punkte auf 1,6 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens.

Zusammen mit den bundesweit festgelegten 14,6 Prozent Grundbeitrag, ergibt sich so eine Belastung von 16,2 Prozent für gesetzlich Versicherte. Doch, weil Krankenkassen den Zusatzbeitrag größtenteils selbst festlegen können, kommt es zu Unterschieden zwischen den einzelnen Versicherern und Bundesländern. Unser Vergleich zeigt es.

Krankenkassen erhöhen 2023 Zusatzbeiträge: Unterschied zwischen durchschnittlich und individuell

Denn der durchschnittliche Zusatzbeitrag, den die Bundesregierung nun für das Jahr 2023 erhöht hat, gilt als Standardsatz nur bei einem bestimmten Personenkreis: beispielsweise Arbeitslosengeld-II-Bezieher oder Teilnehmer an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Für den Großteil der gesetzlich Versicherten gilt der Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse individuell festlegen kann. Dadurch ergibt sich etwa, dass die Techniker Krankenkasse auch im kommenden Jahr die gleichen Beiträge fordert – hier liegt der Zusatzbeitrag beispielsweise mit 1,2 Prozent jetzt deutlich unter dem Richtwert.

Geldscheine mit Krankenkassen und Zusatzbeitrag Geldscheine mit Krankenkassen und Zusatzbeitrag
Die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherungen steigt im Jahr 2023. Wie steil die Erhöhung ausfällt, kommt auf den Versicherer an – und das Bundesland. © Sascha Steinach/Imago

Doch die von Karl Lauterbach angekündigte Erhöhung des allgemeinen Beitragssatzes soll finanzielle Löcher stopfen und gilt grundsätzlich als Richtwert für die 103 Krankenkassen der Bundesrepublik. Nicht überraschend also, dass viele Krankenkassen die Flexibilität beim Zusatzbeitrag nutzen. Denn er ist seit jeher dafür vorgesehen, dass Verluste, die nicht durch den allgemeinen Beitragssatz gedeckt werden, aufgefangen werden. So entstehen auch unterschiedliche Preisstrukturen in den 16 Bundesländern Deutschlands.

Gesetzliche Krankenversicherung: Zusatzbeiträge 2023 der großen Krankenkassen im Vergleich

Einfach werden die Rechenspiele noch bei den drei größten Krankenkassen des Landes, die jeweils einheitlich bundesweit agieren: die bereits erwähnte Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit. Durch ihre bundesweite Öffnung erheben sie im Vergleich auch in ganz Deutschland die gleichen Beiträge:

Name:Zusatzbeitrag 2022:Zusatzbeitrag 2023:
Techniker Krankenkasse1,2 Prozent1,2 Prozent
Barmer1,5 Prozent1,5 Prozent
DAK-Gesundheit1,5 Prozent1,6 Prozent

Auch die Barmer Ersatzkasse bleibt also stabil – und unter dem Niveau des von der Bundesregierung festgelegten durchschnittlichen Zusatzbeitrages.

Zusatzbeiträge der AOK im neuen Jahr: Alle elf Ortskrankenkassen aufgelistet

Anders verhält es sich bei der AOK: Die Allgemeine Ortskrankenkasse versichert mit etwa 27 Millionen Menschen rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung. Allerdings verteilen sich die Versicherten hier auf die elf rechtlich selbstständigen Krankenkassen, die verschiedene Gebiete der Bundesrepublik abdecken. Das wiederum bedeutet, dass es je nach Einzugsgebiet – zumeist nach Bundesland abgesteckt – zu unterschiedlichen Zusatzbeiträgen kommen kann:

Name:Zusatzbeitrag 2022:Zusatzbeitrag 2023:
AOK Baden-Württemberg1,3 Prozent1,6 Prozent
AOK Bayern1,3 Prozent1,58 Prozent
AOK Bremen/Bremerhaven1,6 Prozent1,6 Prozent
AOK Hessen1,5 Prozent1,6 Prozent
AOK Niedersachsen1,3 Prozent1,5 Prozent
AOK Nordost1,7 Prozent1,9 Prozent
AOK Nordwest1,7 Prozent1,89 Prozent
AOK Plus (Sachsen/Thüringen)1,2 Prozent1,5 Prozent
AOK Rheinland/Hamburg1,6 Prozent1,8 Prozent
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland1,3 Prozent1,8 Prozent
AOK Sachsen-Anhalt0,8 Prozent1,0 Prozent

Auffällig ist hier das unterschiedliche Niveau, von dem die einzelnen Kassen starten und die verschieden steilen Erhöhungen: Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland erhöht um 0,5 Prozentpunkte und liegt ab 1. Januar 2023 über dem bundesweiten Richtwert, während die bereits günstige AOK Sachsen-Anhalt ihre Versicherten nur mit 0,2 Prozentpunkten mehr belastet und einen Zusatzbeitrag von nur einem Prozent festlegt. Die AOK Bremen/Bremerhaven erhöht dagegen gar nicht. Wem die Erhöhung des Zusatzbeitragsatzes seiner Krankenkasse übrigens so gar nicht gefällt, der hat die Möglichkeit des Sonderkündigungsrechtes.

Zusatzbeitragssatz unter 1 Prozent: Es geht auch 2023 bei Krankenkassen deutlich günstiger

Doch natürlich gibt es auch abseits der Branchenriesen noch günstigere Krankenkassen. Die bundesweit agierende BKK Firmus war im Jahr 2022 mit einem Beitragssatz von nur 0,84 Prozent die günstigste Krankenkasse in Deutschland. Nach einer Erhöhung im Jahr 2023 auf 0,9 Prozent teilt sich der Versicherer den Platz an der Preissonne jetzt mit der BKK Gildemeister Seidensticker, die 2022 wie 2023 ebenfalls einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent aufrufen. Damit sind die beiden laut Vergleichsportal krankenkasseinfo.de in folgenden Bundesländern die günstigsten Versicherer:

Günstiger wird es nur noch mit einigen, nur regional geöffneten Kassen. Wer in Hamburg, Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz lebt oder arbeitet, könnte das Angebot der bundesweit preiswertesten Krankenkassen also nochmal unterbieten:

BundeslandKrankenkasseZusatzbeitrag 2023
HamburgBKK Euregio0,84 Prozent
Nordrhein-WestfalenBKK Euregio0,84 Prozent
Rheinland-PfalzBKK Pfaff0,8 Prozent

Preisvergleich bei Krankenkassen: Das Gesamtpaket entscheidet

Mit Vehemenz unterstreichen muss man jedoch, dass es sich beim Vergleich der Krankenkassen nicht um einen reinen Preiskampf handelt. Denn jeder Versicherer bietet dem Verbraucher ein anderes Produkt an. Dabei geht es etwa um Erreichbarkeit, das Level des Kundenservices, den Grad der Digitalisierung der Angebote – und ganz zentral um die angebotenen Leistungen.

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Tests, präventive Kurse, spezielle Behandlungen – ein Versicherer mit einem höheren individuellen Zusatzbeitrag deckt eventuell ein ganz spezielles Behandlungsfeld eines Verbrauchers ab, von dem er oder sie weiß, dass er es häufig in Anspruch nehmen will oder muss. Wird dort von der eigentlich teureren Krankenkasse mehr erstattet oder bezahlt, ist man unterm Strich vielleicht doch günstiger weggekommen, als mit einer vermeintlich billigeren Kasse. Vor einem Anbieterwechsel lohnt sich also ein eingehender Vergleich – etwa bei einem unabhängigen Vergleichsportal wie krankenkasseinfo.de.

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