Gilt jetzt Büro-Pflicht?

Homeoffice-Pflicht endet: Kann ich trotzdem weiter von zu Hause arbeiten?

  • Anika Zuschke
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Die Pflicht zum Homeoffice ist am 1. Juli gefallen. Was bedeutet das jetzt für alle Arbeitnehmer? Ob Sie jetzt wieder ins Büro gehen müssen, erfahren Sie hier.

Hamburg – Es ist keine Frage, dass die Corona-Pandemie das Arbeitsleben in Deutschland verändert hat. Insbesondere mobile Arbeit hat im vergangenen Jahr einen extremen Aufschwung erlebt – und erfreut sich an Beliebtheit. Am 1. Juli 2021 ist die Pflicht zum Homeoffice* nach mehreren Monaten gekippt worden. Aber müssen nun alle Arbeitnehmer auch wieder ins Büro?

Anteil von Beschäftigten im Homeoffice vor Corona: 4 Prozent
Anteil von Beschäftigten im Homeoffice April 2020: 30 Prozent
Anteil von Beschäftigten im Homeoffice Ende Januar 2021:24 Prozent
Anteil der Deutschen für gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice:73 Prozent

Zum Schutz vor einer Ansteckungswelle in Büros hat die Bundesregierung im Januar 2021 Homeoffice, wo es möglich war, zur Pflicht gemacht. Diese Regelung wurde zum 30. Juni aufgehoben, da die Inzidenzwerte in ganz Deutschland konstant sinken. In Hamburg lag die Corona-Inzidenz am 30.06. sogar nur noch bei 8,3.

Arbeitnehmer halten Homeoffice für hilfreich und wenig belastend

Über ein Jahr lang haben viele Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz im Büro gegen ihren Stuhl am Küchen- oder Esstisch eingetauscht – und waren damit oft sehr glücklich! Einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge nehmen rund 60 Prozent der Beschäftigten das Homeoffice als hilfreich und wenig belastend wahr. Auch die Nutzung von Videokonferenzen und vergleichbaren technischen Arbeitsgeräten erleichtern die Zusammenarbeit mehr, als viele vorher gedacht hätten.

Deswegen wünschen sich wenige deutsche Arbeitnehmer nach dem Ende der Bundes-Notbremse* die Rückkehr zum kompletten Präsenzbetrieb. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände Steffen Kampeter äußert gegenüber dem NDR: „Wenn wir die Homeoffice-Pflicht fallen lassen, heißt das nicht das Ende vom mobilen Arbeiten – im Gegenteil“.

Möglichkeiten der Unternehmen für Homeoffice hängen von technischen Voraussetzungen ab

Betroffene Unternehmen gehen dabei unterschiedlich vor: Die Hamburger Firmen Otto, Haspa oder Beiersdorf setzen beispielsweise weiterhin auf ein hybrides Arbeitsmodell für ihre Mitarbeiter. Die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens hängen bei allen Unternehmen jedoch auch stark von technischen Voraussetzungen und Kapazitäten ab.

Generell gilt: Jeder Chef, der möchte, kann seine Mitarbeiter wieder ins Büro zurückbeordern. Ausnahmen bestehen dabei für Beschäftigte, in deren Arbeitsvertrag individuelle Vereinbarungen getroffen wurden oder deren Betriebsvereinbarung mobile Arbeit ermöglicht. Auch wenn Beschäftigte sich vor einer Infektion fürchten, haben diese ab heute kein Recht mehr, wegen präventiven Maßnahmen zu Hause zu bleiben.

Arbeitnehmern, die sich trotz deutlicher Forderung ihrer Chefs weigern, ins Büro zurückzukehren, droht eine Abmahnung oder im schlimmsten Fall sogar die Kündigung.

Die Homeoffice-Pflicht wurde gekippt: Müssen jetzt alle Arbeitnehmer wieder ins Büro?

Pflicht für Homeoffice gekippt: Unternehmen müssen für geringes Infektionsrisiko im Büro sorgen

Aber auch Arbeitgeber müssen ihren Angestellten bestimmte Anforderungen garantieren. So müssen Unternehmer dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter einem möglichst geringen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Demzufolge sind sie dazu verpflichtet, den Beschäftigten mindestens zweimal pro Woche einen Corona-Test zu ermöglichen. Außerdem muss die gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen auf ein absolutes Minimum reduziert bleiben.

Wenn Betriebe ihrem festgelegten Hygienekonzept nicht gerecht werden, müssen die Beschäftigten nach wie vor nicht ins Büro kommen. Auch wenn Arbeitgeber feststellen, dass die Anforderungen bei einer zu hohen Büropräsenz nicht eingehalten werden können, dürfen diese ihre Angestellten geradewegs wieder zum Homeoffice beordern. Dem Handelsblatt zufolge beschränken viele Firmen in Deutschland die Anwesenheit im Büro auch nach wie vor auf 30 bis 50 Prozent.

Corona-Impfstatus darf vom Arbeitgeber nicht erfragt werden – mit Ausnahmen

Bezüglich des Impfens gilt, dass Vorgesetzte nicht nach dem Impfstatus ihrer Angestellten fragen dürfen. Das liegt daran, dass in Deutschland keine gesetzliche Impfpflicht vorliegt. Ausnahmen stellen nur klinisches Personal dar: Möchten diese sich nicht impfen lassen, wird ihre Arbeit eventuell mit weniger Patientenkontakt eingeschränkt.

Grundsätzlich sollten alle Arbeitnehmer bei Unsicherheiten in Bezug auf die neuen Homeoffice-Optionen auch bei ihrem Arbeitgeber nachfragen. Denn jedes Unternehmen handhabt die neuen Vorschriften unterschiedlich – und die wenigsten Firmen werden von einem auf den anderen Tag die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten gänzlich aufheben. * 24hamburg.de und Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Westend61/Imago

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