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„Stolzer Preis“ für Krabbenbrötchen sorgt für Diskussionen: „Das ist doch ein Witz, oder?“

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Von: Dagmar Schlenz

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Bis zu 13 Euro sollen Kunden für ein Krabbenbrötchen hinblättern. Hamburg, Büsum oder Sylt – wo die kleinen Garnelen aus der Nordsee am teuersten sind.

Hamburg/Sylt – Ein bisschen erinnern sie ja an Würmer, aber das ist nicht der einzige Grund, warum einigen Menschen beim Anblick eines Krabbenbrötchens gerade der Appetit vergeht. 12,45 Euro steht auf einem Preisschild in der Auslage mit dem für Norddeutschland so typischen Snack. Das kann ja nur Sylt sein, denken viele, die das auf Twitter eingestellte Bild sehen. Sind Krabben jetzt die neuen Austern? 24hamburg.de hat die Preise für Krabbenbrötchen für Verbraucher verglichen – und erstaunliches festgestellt.

Name:Nordseegarnelen, umgangssprachlich Krabben
Gattung:Krebstiere
Gruppe:Langschwanzkrebse
Ausbeute von 1 Kilogramm:Nach dem Pulen 300 bis 350 Gramm

Krabbenbrötchen für 12,45 Euro: „Kann nur Sylt sein, oder?“

Der Tweet vom 24. Dezember 2022 mit Krabbenbrötchen für 12,45 Euro pro Stück sorgt für reichlich Spekulationen. „Da ist bestimmt der Krabbenkutter im Preis inbegriffen“, mutmaßt ein User. Ein anderer fragt: „Kann nur Sylt sein, oder?“ – und ein weiterer User findet: „Sowas kann man nur boykottieren.“ Sind Krabbenbrötchen auf der Promi-Insel Sylt tatsächlich so teuer, dass die Reichen und Schönen sie jetzt statt Austern zum Schampus knabbern? Wenn sich die Preise für Krabben an den steigenden Immobilienpreisen auf Sylt orientieren, dann könnte das stimmen.

Aber weit gefehlt: Das Krabbenbrötchen ist auf der Nordseeinsel auch für Otto Normalverbraucher einigermaßen erschwinglich. Bei „Fisch Blum“ in Westerland kostet es mit 6,50 Euro knapp die Hälfte vom getwitterten Rekordpreis. Auch bei Fisch-Papst Jürgen Gosch, der gerade sein Luxusrestaurant „Jünne“ in List wiedereröffnet hat, sind die Preise ähnlich: 6,50 Euro bei „Gosch am Strand“, in der Friedrichstraße muss man mit 6,80 Euro etwas mehr ausgeben.

Krabbenbrötchen zum Tagespreis – wo der Snack über 10 Euro kostet

Sylt ist es also nicht – aber wo sind die mit dem kleinen Meeresgetier belegten Backwaren dann so teuer? Wir schauen über den Hindenburgdamm hinweg aufs Festland. An der Westküste von Schleswig-Holstein befinden sich die Krabbenhochburgen Büsum und Husum. Im Fischereihafen von Büsum liegt eine der größten deutschen Krabbenkutter-Flotten. Dort bietet das Fischgeschäft Möller Brötchen mit frischen Nordseekrabben für 7 Euro an.

Auch im nordfriesischen Husum spielt die kleine Nordseegarnele eine große Rolle und wird alljährlich auf den Husumer Krabbentagen gehuldigt. In der „grauen Stadt am Meer“ gibt es bei Loof am Hafen Krabbenbrötchen für gerade mal 6 Euro – im Vergleich geradezu ein Schnäppchen. Weiter geht es von der Nordsee in die Hansestadt Hamburg. Nicht nur auf dem berühmten Fischmarkt, auf dem mittlerweile keine lebenden Tiere mehr verkauft werden, sondern auch an den Landungsbrücken werden Fischbrötchen feilgeboten.

Brötchen mit Nordseekrabben und einem Salatblatt in einer Auslage. Wo ein Krabbenbrötchen fast 13 Euro kostet.
Teurer Genuss: Wo ein Brötchen mit Nordseekrabben fast 13 Euro kostet. © Dagmar Schlenz

An der Brücke 10 gibt es üppig belegte Krabbenbrötchen zum Tagespreis. Den aktuellen wollte man am Telefon nicht nennen, aber nach Recherchen im Internet schwankt er zwischen 11 und 12 Euro. Auch die Betreiber anderer Hamburger Fischbrötchen-Buden waren am Telefon wenig auskunftsfreudig. Einer wies darauf hin, dass man aufgrund der Preise am Großmarkt nicht mit Büsum oder Husum mithalten könne, die mutmaßlich ihre Krabben selber pulen würden.

Mehr als 10 Euro für ein Krabbenbrötchen? Sagen Sie uns Ihre Meinung

Zum Pulen nach Marokko: Darum sind Nordseekrabben so teuer

Bei den aktuellen Preisen kann man es sich kaum vorstellen, aber Krabben waren früher ein Armeleute-Essen. Die Tiere wurden von Frauen und Kindern mit Schiebenetzen gefangen. Mit der Motorisierung der Fischerboote und der Umstellung auf die heute übliche Schleppnetzfischerei wurde der Krabbenfang zunehmend ein profitables Geschäft. Die kleinen Garnelen werden direkt nach dem Fang gekocht und sind dann nur noch ein paar Zentimeter groß. Das macht es um so schwerer, sie von ihrer Schale zu befreien.

Krabben pulen ist Handarbeit. Jahrzehntelang wurde die in Norddeutschland erledigt – viele norddeutsche Hausfrauen hatten dadurch einen guten Nebenverdienst. Mittlerweile werden die Krabben zum Pulen nach Marokko transportiert. 6000 Kilometer war eine Krabbe unterwegs, bis sie in Hamburg auf einem Brötchen landet. Kein Wunder also, dass Krabben so teuer sind und in Niedersachsen eine Maschine entwickelt wird, die Krabben mit Ultraschall pulen soll. Aber auch Fangmengen und die Preispolitik der Großhändler haben einen Einfluss auf die – teilweise happigen – Preise für Nordseekrabben.

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