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Herz, Lunge, Nieren: UKE-Studie über Schäden auch nach mildem Corona-Verlauf

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Von: Natalie-Margaux Rahimi

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Eine neue Corona-Studie aus dem UKE in Hamburg zeigt, dass schon milde Corona-Verläufe zu Schäden an Herz, Lunge, Nieren und Beinvenen führen können.

Hamburg – Corona richtet bei Menschen mit schwerem Krankheitsverlauf oftmals bleibende Schäden an. Das haben mehrere Untersuchungen bisher gezeigt. Weniger erforscht waren bisher die Langzeitfolgen eines milden Corona-Verlaufs. Doch genau damit haben sich Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) beschäftigt. Die Erkenntnisse der Studie, die nun im „European Heart Journal“ veröffentlicht wurden, sind alarmierend. Schon bei mildem Verlauf sind nämlich Schäden an Herz, Lunge, Nieren und Beinvenen möglich – zumindest für Ungeimpfte.

Virus:Coronavirus
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Studie untersucht Auswirkungen milder Corona-Verläufe: Atemwege verlieren an Elastizität – Herzbelastung erhöht

Bei der Studie wurden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Unter anderem Lungenfunktionstests, Ultraschalluntersuchungen der Nieren und Gefäße, Bluttests, MRT des Herzens, neurologische Untersuchungen, Gedächtnistests und Befragungen.

Bei den Probanden, die eine Corona-Infektion mit leichtem bis moderatem Verlauf hinter sich hatten, zeigte sich das Gesamtlungenvolumen im Mittel um drei Prozent geringer. Dazu hat der Atemwiderstand bei dieser Gruppe im Mittel um acht Prozent zugenommen, was darauf hindeuten könnte, dass die Atemwege durch die Corona-Infektion leicht an Elastizität verloren haben.

Eine positive Corona-Probe im Labor und der Eingang der UKE in Hamburg.
Corona-Studie des UKE: Schäden an den Organen auch nach mildem Verlauf. (24hamburg.de-Montage) © Michael Weber/imago & Hanno Bode/imago

Bei den Herzuntersuchungen zeigten sich unter denjenigen, die an Corona erkrankt waren, ebenfalls leichte Beeinträchtigungen. So zeigte sich die Pumpkraft des Herzens im Mittel um etwa ein bis zwei Prozent reduziert. Zudem war das Hormon NT-proBNT im Mittel um 41 Prozent erhöht. Das Hormon dient dem Herzen als eine Art „Stress-Anzeiger“ und wird bei der Dehnung der Herzkammern von den Herzmuskelzellen abgesondert – es gilt als Hinweisgeber auf eine Herzmuskelschwäche.

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Nach mildem Corona-Verlauf: Nierenfunktion laut Studie vermindert – Venenthrombosen häufig

Zudem zeigte sich ein Protein, das auch bei Herzmuskelschädigungen freigesetzt wird, bei den Menschen, die eine Corona-Infektion überstanden hatten, im Schnitt um 14 Prozent erhöht. Auch die Nieren zeigten sich beeinträchtigt. Die Filterleistung war nach überstandener Corona-Infektion im Schnitt um zwei Prozent vermindert.

Die Forscher des UKE zeigten sich außerdem überrascht von dem Ergebnis der Ultraschall-Untersuchungen der Beinvenen. Denn Menschen, die eine Coronavirus-Infektion durchgemacht hatten, zeigten zwei- bis dreimal häufiger Hinweise auf eine zurückliegende Venenthrombose.

Was ist ein milder Corona-Verlauf?

Das Robert Koch-Institut orientiert sich bei der Klassifizierung von Corona-Verläufen an den Leitlinien der WHO. Demnach wird ein milder oder moderaten Corona-Verlauf wie folgt beschrieben: Es sind vielfältige Symptome möglich, allerdings keine, die auf einen schweren Verlauf hinweisen. Symptome eines leichten Verlaufs können zum Beispiel Erkältungs- und Grippesymptome, Fieber, Durchfall sowie Geschmacks- und/oder Geruchsänderungen sein.

„Bekannt war dies bisher für schwere Verläufe mit Krankenhausaufenthalten. Aber es kommt offenbar auch bei milden Verläufen deutlich häufiger vor als bisher angenommen“, zitiert das Hamburger Abendblatt Prof. Raphael Twerenbold, wissenschaftlicher Studienzentrumsleiter und Kardiologe im Universitären Herz- und Gefäßzentrum.

Corona-Studie zu Organschäden: Keine Hirnschäden – unklar, ob sich die Organe vollständig erholen

Erfreulicherweise konnten die Forscher des UKE bei der Studie zu den Schädigungen an Organen nach überstandener Corona-Infektion, keine Hirnschädigungen oder neurologischen Beeinträchtigungen feststellen. Laut der Befragung hatte sich die Infektion mittelfristig auch nicht negativ auf die Lebensqualität ausgewirkt.

Ob sich die leicht beeinträchtigten Organe langfristig wieder vollständig erholen, sei laut Studie unklar. Die Ergebnisse seien im Mittel übrigens nicht krankhaft, da es sich lediglich um geringere Verschlechterungen der Organe handelt. Dennoch seien sie aus gesundheitspolitischer Sicht von Relevanz, so der Studienzentrumsleiter. „Beispielsweise weiß man aus großen Analysen, dass selbst eine sehr geringe Einschränkung der Herzmuskelkraft mit einer schlechteren Langzeitprognose und einem häufigeren Auftreten von zukünftiger Herzmuskelschwäche einhergehen kann“, so Twerenbold.

UKE-Studie zu Organschäden nach mildem Corona-Verlauf: 443 Menschen aus Hamburg untersucht

Bei der Studie des UKE, die sich auf die ersten zwei Pandemiewellen 2020 beziehen, wurden insgesamt 443 Menschen aus der Metropolregion Hamburg untersucht, die sich nachweislich mit Corona infiziert hatten. Die Personen waren zwischen 45 und 74 Jahre alt und noch nicht geimpft (eine Impfung gab es damals noch nicht). Die Corona-Infektion der Untersuchten lag im Durchschnitt 9,6 Monate zurück – 93 Prozent der Personen hatten einen milden bis moderaten Corona-Verlauf hinter sich und mussten nicht im Krankenhaus behandelt werden.

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Die Daten der Vergleichsgruppe stammten aus Untersuchungen einer schon 2016 gestarteten Hamburger Langzeitgesundheitsstudie HCHS. Verglichen wurden die Corona-Infizierten mit 1328 Teilnehmern der HCHS, die zum Zeitpunkt der letzten Untersuchung nicht mit Corona infiziert gewesen waren. Alle Teilnehmer hatten sich den gleichen Untersuchungen unterzogen. Auf einen der 443, mit dem Coronavirus infizierten Personen, kamen drei Teilnehmer der HCHS mit passendem Alter und Geschlecht. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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