Check24 deckt auf

Heizen, Tanken, Strom: Warum es diesen Winter richtig teuer wird

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Diesen Winter wird es Deutschland eiskalt erwischen – hoffentlich nicht wettermäßig. Denn die Heizkosten sowie Preise für Strom und Öl steigen jetzt schon massiv.

Hamburg – Bereits zu Zeiten des goldenen und milden Oktobers bangt Deutschland vor einem kalten Winter. Das hat einen simplen Grund: Die Kosten für Heizen, Tanken und Strom schießen schon jetzt extrem in die Höhe. An Tankstellen zahlen Autofahrer beispielsweise momentan so viel wie seit acht Jahren nicht mehr. Das Vergleichsportal Check24 stellt erschreckende Werte für den kommenden Winter auf.

Preisvergleichsportal:Check24
Gründung:1999
Sitz:München, Deutschland
Mitarbeiterzahl:ca. 1.500 (konzernweit)

Angaben der BILD zufolge wird ein Durchschnittshaushalt nach dem Preisstand von August im Jahr 2021 satte 4063 Euro für Energie bezahlen. Inbegriffen sind dabei die Kosten für Heizung, Strom und Sprit. Das sind 652 Euro und etwa 19 Prozent mehr als noch im vorherigen Jahr – 2020 haben die Durchschnittskosten „nur“ 3411 Euro betragen. Womit hängt dieser enorme Aufschwung zusammen? In Hamburg werden übrigens auch Parkgebühren bald deutlich teurer.

Neues Hoch bei Tankkosten: Ölpreis seit Januar 2021 um 50 Prozent gestiegen

Aufgrund der Exportpolitik der Förderstaaten (Organisation erdölexportierender Länder, kurz: Opec) schnellt der Ölpreis derzeit in die Höhe, seit Januar 2021 ist dieser um 50 Prozent angestiegen. Ein Liter Superbenzin liegt im Moment bei 1,57 Euro, das läuft insgesamt auf eine Mehrbelastung je Haushalt von 26,5 Prozent gegenüber 2020 hinaus.

Diesen Winter werden Heiz- und Tankkosten auf einem neuen Rekordniveau landen. (24hamburg.de-Montage)

Gaspreise erreichen täglich neuen Rekordwert – unter anderem wegen Erholung nach Corona

Auch der Gaspreis erreicht laut BILD an den Handelspunkten in Holland fast täglich neue Rekordwerte, innerhalb von einer Woche stieg der Pegel um 29 Prozent. Seit März diesen Jahres sind die Zahlen sogar um etwa 700 Prozent in die Höhe geschossen. Das Vergleichsportal Check24 hat ermittelt, dass 59 Gas-Grundversorger bereits höhere Preise erhoben oder angekündigt haben.

Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas zahlt im Durchschnitt 1516 Euro jährlich. Aus den steigenden Gaspreisen ergibt sich eine Mehrbelastung von 179 Euro pro Jahr. Das liegt unter anderem an der Erholung der Wirtschaft nach den Coronabeschränkungen*, weswegen der Börsenpreis für Gas auf ein Allzeithoch gestiegen ist.

Heizkosten sparen in 2021 wird schwierig: Es herrscht Gasknappheit an den Märkten

Außerdem herrscht Gasknappheit an den Märkten. Insbesondere Russland drosselte seine Lieferungen zuletzt um etwa ein Viertel, um Druck auf die Politik auszuüben. Das Ziel dahinter ist Russlands Wunsch nach einer Zulassung für die umstrittene Gas-Pipeline NordStream2*. „Der größte Gewinner eines kalten Winters in Europa wird Putin sein“, gibt der CSU-Europapolitiker Manfred Weber laut BILD zu Bedenken.

Verbraucher „müssen diesen Winter mit einer Welle an Gaspreiserhöhungen* rechnen“, äußert auch Check24-Geschäftsführer Steffen Suttner gegenüber der Süddeutschen Zeitung und fügt als Grund dafür hinzu: „Daran ist nicht zuletzt die steigende CO2-Abgabe schuld. Ein Musterhaushalt zahlt 2022 dafür allein 143 Euro.“

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Stromkosten pro Monat ebenfalls auf Rekordniveau – im September zum ersten Mal über 100 Euro

Die Kosten für Strom sind ebenfalls auf einem Rekordniveau: Eine Megawattstunde Grundlaststrom, den Stromanbieter für das nächste Jahr einkaufen, kostete im September zum ersten Mal über 100 Euro. Zum Vergleich: 2020 waren es lediglich etwa 40 Euro. Acht Grundversorger haben laut Check24 ihre Preise bereits angekurbelt oder Erhöhungen angekündigt, im Mittel um 3,7 Prozent.

Das wird die Stromrechnung eines Musterhaushalts um 63 Euro pro Jahr verteuern. Als Gründe für den Preisanstieg beim Strom nannte das Vergleichsportal steigende Preise für Erdgas, Steinkohle sowie die CO2-Emissionszertifikate. Außerdem stünden einer steigenden Nachfrage nach Elektrizität geringere Erzeugungskapazitäten wegen des Steinkohleausstiegs und des windstilleren Septembers gegenüber.

Werden steigende Energiekosten auch in Deutschland ernstgenommen?

Die rasant steigenden Energiekosten spielten BILD zufolge bereits beim EU-Gipfel in Slowenien am Dienstag, 5. Oktober 2021, eine zentrale Rolle. Einige Staaten haben bereits begonnen, gegen die kostspieligen Folgen der Preisanstiege für Verbraucher vorzugehen. Frankreich beispielsweise verteilt bereits „Energiechecks“ in Höhe von 100 Euro an sechs Millionen bedürftige Haushalte.

Spanien und Italien haben die Mehrwertsteuer für Gas und Strom gesenkt und verteilen Milliarden-Hilfen an betroffene Familien sowie Klein-Unternehmen. Aber Deutschland steht bei der Entscheidung zwischen Verbraucher- und Klimaschutz zwischen den Stühlen: „Die Politik sitzt in der Zwickmühle“, äußert Thilo Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gegenüber BILD, „man will Industrie und Verbraucher schützen vor steigenden Kosten, die bisher der Markt verursacht. Aber für die Klimarettung will der Staat jetzt noch eine Schippe drauflegen, um den Verbrauch zu senken.“

Hamburg kämpft indes mithilfe von Gründächern gegen den Klimawandel an.* 24hamburg.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/Fabian Sommer/dpa

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