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Hamburg spart Gas: So kämpft die Stadt gegen die Energiekrise

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Von: Steffen Maas

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Die EU beschließt einen Notfallplan für Gas, Hamburg prüft Maßnahmen in den städtischen Gebäuden und Verbraucher können ebenfalls etwas tun.

Hamburg – Aufgrund drohender Engpässe bei den Gas-Lieferungen werden Staaten, Städte, Unternehmen und Privatpersonen angehalten, ihren Verbrauch zu reduzieren. So beschlossen die Energieminister der Europäischen Union, den Gasverbrauch ab August um 15 Prozent zu senken, um das eingesparte Gas in die Winter-Reserven einzuspeisen. Auch in Hamburg arbeitet die Verwaltung mit Hochdruck daran, den Verbrauch zu reduzieren und so einen Notfall zu verhindern.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 Quadratkilometer
Einwohner:1.852.478
Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Gaskrise in Hamburg: Maßnahmen vor der nächsten Heizperiode

„Die Lage ist ernst“, unterstreicht Renate Pinzke, Pressesprecherin der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), im Gespräch mit dem Norddeutschen Rundfunk. „Das heißt: Politik, Verwaltung, Industrie und die Bürgerinnen und Bürger müssen da an einem Strang ziehen.“ Ihr Chef, Umweltsenator Jens Kerstan (Die Grünen), warnte unlängst vor einer Gas-Knappheit.

Die BUKEA arbeitet daher intensiv an einem umfänglichen Maßnahmenpaket, das noch vor der nächsten Heizperiode, die am 1. Oktober 2022 beginnt, fertig sein soll. Neben konkreten Aktionen soll es dabei auch um die weitreichende Information der Bürger der Hansestadt Hamburg gehen, damit diese so eng wie möglich in den Prozess eingebunden sind.

Energiekrise: Behörde prüft Heizungsanlagen in den Schulen

Konkrete Maßnahmen hat die Schulbehörde im Kampf gegen eine mögliche Gas-Knappheit dagegen schon angestoßen. Dabei geht es zum einen um die technische Komponente: „Wir sind dabei, alle Heizungsanlagen in allen Schulen zu überprüfen – daraufhin, dass sie überhaupt richtig funktionieren, dass sie optimal eingestellt sind und möglichst wenig Energie verbrauchen“, erklärt Rainer Schulz, Staatsrat der Schulbehörde gegenüber dem NDR.

Eine Hand dreht an einer Heizung vor rotem Hintergrund.
Alarmstufe Rot an der Heizung? Wenn Verwaltung, Institutionen und Bürger zusammenarbeiten, können Rationierungen wohl verhindert werden. (Symbolbild) © Patrick Pleul/dpa

Zum anderen wird auch bei der Nutzung der Technik darauf geachtet, dass alle Möglichkeiten der Optimierung wahrgenommen werden. Man investiere in die Schulung der Hausmeister, so Schulz, „sodass die wissen, was zu tun ist, um Strom einzusparen, die Heizungsanlagen und Lüftungsanlagen so zu betreiben, dass sie möglichst wenig Strom verbrauchen.“

Bezirksamt Eimsbüttel: Drei-Stufen-Plan für weniger Gas-Verbrauch

Auch in den Bezirksämtern war man aufgrund der angespannten Lage auf dem Energiemarkt nicht tatenlos und hat bestimmte Schritte zur Reduzierung des eigenen Verbrauches im Kopf. In Eimsbüttel etwa arbeitet man an einem Drei-Stufen-Plan, der auf der ersten Stufe Grundlagen wie das Herunterregeln der Heizung, das Schließen der Fenster und das Abschalten aller nicht genutzten Geräte vorsieht.

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Auf der zweiten Stufe denkt man über Einsparungspotenziale abseits der Arbeitsflächen nach: die Beheizung der Flure, der Toiletten und die Verwendung von ausschließlich kaltem Wasser beim Händewaschen. Zuletzt geht es auf der dritten Stufe um die Strukturierung der Arbeitsflächen und die Frage, ob bestimmte Abteilung zusammenrücken und sich ein Büro teilen können. Die nicht genutzten Flächen müssten dann nicht mehr energetisch versorgt werden.

Verbraucher in Hamburg: So kann man Gas sparen

Viele dieser Überlegungen und Maßnahmen lassen sich auch auf die Bürgerinnen und Bürger und ihre privaten Haushalte übertragen. Das meiste Gas wird für die Erzeugung von Wärme verbraucht: Hier gibt es Möglichkeiten zur Reduzierung des Verbrauches und zur Optimierung der Geräte, für die auch die bekannte Kampagne „80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel“ des Bundeswirtschaftsministeriums wirbt.

Geläufig ist die Kampagne, die auch über die digitalen Werbetafeln der Stadt flimmert, den Meisten vor allem durch den Tipp, auf einen Energiespar-Duschkopf zu setzen. Das ist auch keine schlechte Idee: Bis zu 30 Prozent Warmwasserverbrauch lassen sich durch einen neuen Strahlregler in der Dusche einsparen. Mit einigen Tipps und Tricks können Verbraucher so helfen, jetzt wertvolle Energie einzusparen, damit die Gas-Speicher des Landes im Winter voll sind und flächendeckenden Ausfälle somit keine Realität werden:

EU beschließt Notfallplan zum Gas

Mit einem verringerten Gas-Verbrauch können Bürger nicht nur ordentlich sparen, sondern auch mithelfen, einen Notstand in der nächsten Heizperiode und im Winter zu vermeiden und Rationierungen nicht zur Realität werden zu lassen. Ebenfalls schwindet mit einem geringeren Verbrauch der Einfluss des großen Gas-Lieferanten Russland. Die russische Regierung rund um Präsidenten Wladimir Putin nutzt die Lieferungen des Gases an die europäischen Nachbarn unlängst als Druckmittel, um sich eine bessere Position in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine zu verschaffen.

Auch deshalb hatten sich die Energieminister der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union am 26. Juli 2022 auf einen Gasnotfallplan geeinigt, der unter anderem vorsieht, dass alle Länder ihren Verbrauch um mindestens 15 Prozent senken. „Insgesamt ist es ein vernünftiger, guter, weiterer Schritt“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck in Brüssel. Er zeige, dass Europa geschlossen ist.

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