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Giftfisch lauert im Mittelmeer: Experten warnen – „Ist eine Gefahr“

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Von: Steffen Maas

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Ein gefährlicher Kugelfisch macht sich im Mittelmeer breit – und versetzt Badegäste in Angst und macht Fischer wütend. Türkische Regierung setzte Kopfgeld aus.

Istanbul, Türkei – Der Sommer beginnt, die Deutschen schwärmen aus und die Urlaubsziele liegen oft an sonnigen Mittelmeer-Küsten. Ausgeschwärmt ans Mittelmeer ist in den letzten Jahren aber auch der hochgiftige Hasenkopf-Kugelfisch. Gefährlich wird er dem Menschen beim Verzehr – und mit seinem starken Biss, der selbst Metall durchdringen kann. Experten warnen und die türkische Regierung schickt Fischer auf die Jagd.

Name:Hasenkopf-Kugelfisch
wissenschaftlicher Name:Lagocephalus sceleratus
Größe:40 bis 110 Zentimeter
Gewicht:Bis 7 Kilogramm

So wie auch zahlreiche Tiere an Land – teils giftige Spinnen in Deutschland – ist das Wasserwesen ein Einwanderer. Ursprünglich kommt der Kugelfisch aus dem Roten Meer, über den Suezkanal wanderte er zunächst ins östliche Mittelmeer, ehe er es schon vor einem Jahrzehnt an die Küsten von Italien und Spanien schaffte.

„Der fühlt sich da ja sehr wohl. Und er ist eine Gefahr“, sagt der Toxikologe Dietrich Mebs, er ist Fachmann für Fischgifte und hat früher am Universitätsklinikum Frankfurt gelehrt. Auch andere Experten nennen den L. sceleratus – so der wissenschaftliche Name – den „schlimmsten fremdartigen Fisch“ im Mittelmeer.

Kugelfisch: Der Verzehr ist lebensgefährlich

Die große Gefahr für den Menschen besteht, wenn der Kugelfisch beim Verbraucher auf dem Teller – und dann im Magen landet. Dann breitet sich das Nervengift „Tetrodotoxin“ im Körper aus. Die Lähmung befalle das äußere Nervensystem, gehe also nicht vom Gehirn aus, erklärt Mebs. „Das heißt: Ich kriege das bei vollem Bewusstsein mit.“ Zuerst verschwindet das Gefühl unter anderem in den Fingerspitzen. Dann greift die Lähmung um sich. Sobald sie die Atemmuskulatur erreicht, besteht akute Lebensgefahr. Einzige Rettung: künstliche Beatmung.

Ein Fischer hält einen Kugelfisch in der Hand.
Sieht freundlich aus, ist aber giftig: der Hasenkopf-Kugelfisch. © Anne Pollmann/dpa

Die Population des Eisenbeißers habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sagt Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der türkischen Universität Odtü in Ankara. Der Fisch zerstöre mit seiner Überpräsenz das Ökosystem im Meer und richte zudem großen Schaden für Fischer an. Denen fresse er nicht nur häufig den Fang weg, sondern zerbeiße auch die Netze. Weil der Hasenkopf-Kugelfisch im Mittelmeer kaum Fressfeinde hat, habe er sich recht ungestört ausbreiten können.

Türkei geht gegen Giftfisch vor: Kopfgeld auf den Hasenkopf-Kugelfisch

Deshalb setzte die türkische Regierung im vergangenen Sommer ein Kopfgeld auf den Giftfisch aus. Fischer von der türkischen Mittelmeer- und der Ägäisküste können den Hasenkopf-Kugelfisch seitdem in dafür eingerichteten Stellen abgeben und erhalten im Gegenzug fünf türkische Lira (50 Eurocent), wie die Zeitung «Cumhuriyet» berichtete.

Dass der Hasenkopf-Kugelfisch mit seinen wenigen, aber starken Zähnen sogar metallene Angelhaken durchbeißen kann, weckt menschliche Ängste um die eigenen Extremitäten. Dass allerdings Urlauber etwa in Spanien beim Baden im Mittelmeer einem Kugelfisch begegnen, ist nicht zu befürchten. Die Tiere leben nach Angaben von Experten zwischen 10 und 100 Meter unter der Wasseroberfläche, zuweilen auch noch tiefer. Die Spanier beschäftigt wahrscheinlich eher, wie sie den Sauftourismus auf Mallorca in den Griff bekommen und wie lange sie noch etwas von ihren Sandstränden haben.

Hasenkopf-Kugelfisch: Wissenschaftler sieht Dramatisierung

Auch deshalb warnt Timo Moritz vor einer Dramatisierung. Der wissenschaftliche Leiter des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund hält die öffentliche Reaktion auf den L. sceleratus im Mittelmeer für aufgebauscht. Von den rund 750 Fischarten im Mittelmeer sind ihm zufolge bis zu 150 eingewandert, ein Großteil aus dem Roten Meer. „Und sehr große Exemplare könnten vielleicht auch mal einen Finger durchbeißen, aber den müsste man dem Tier wohl vorher in den Mund stecken“, sagt Moritz. (Mit Material der dpa)

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