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Gelten Geboosterte bald als ungeimpft? Ärger über neue Coronaregeln ab Herbst

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Von: Steffen Maas

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Ab dem 1. Oktober sollen neue Coronaregeln gelten. Die vorgesehene Test- und Maskenpflicht sorgt schon jetzt für Ärger. Reicht die dritte Impfung nicht mehr?

Berlin/Hamburg – Der vollständige Schutz: „Durchgeimpft“ galt für junge Erwachsene bisher noch mit drei erfolgten Corona-Impfungen. Das befreite einen vielerorts von den meisten lästigen Corona-Maßnahmen wie einer Testpflicht oder dem Tragen einer Maske. Das könnte ab dem 1. Oktober nicht mehr so sein: Bundesländer wie Hamburg haben dann die Möglichkeit, Besuchern von öffentlich zugänglichen Innenräumen wie Kneipen, Clubs oder Kinos vor die Wahl zu stellen: Entweder man ist frisch negativ getestet, oder man muss eine FFP2-Maske tragen. Eine Ausnahme gilt nur für Menschen mit einer Corona-Impfung, die nicht länger als drei Monate zurückliegt. Das Problem: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt dies vierte Impfung bisher nur Menschen ab 70 Jahren!

Name:Coronavirus, Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Variante:Omikron
Dominierender Subtyp:BA.5

Corona-Schutzkonzept: Corona Regeln für Oktober bis April 2023

Aufgrund einer zwischenzeitlichen Sommerwelle und Inzidenzen, die in der Hansestadt Hamburg an der 1000er-Marke gekratzt haben, stand Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) unter Druck, ein Schutzkonzept für den kommenden Herbst und Winter vorzulegen – wenn das Coronavirus eigentlich Hochkonjunktur hat.

Auf einem Schild vor einer Gaststätte stehen die Worte Testpflicht.
Ärger über Corona-Regeln: Dritte Impfung reicht nicht – aber vierte nicht empfohlen. © Bihlmayerfotografie/imago

Dieses Konzept, das vom 1. Oktober bis zum 7. April 2023 gelten soll, legte Lauterbach jetzt gemeinsam mit Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) vor. Die Eckpunkte sind eine bundesweite FFP2-Maskenpflicht im Flug- und Zug-Fernverkehr sowie in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen geben. Bei den medizinischen Einrichtungen kommt zudem noch eine Testnachweispflicht hinzu.

Corona-Herbst: FFP2-Masken oder negativer Test in öffentlichen Innenräumen

Unter der Vielzahl an Instrumenten, die der Gesundheitsminister den Bundesländern zur geografisch individuellen Bekämpfung der Pandemie an die Hand gibt, sorgt eine für besonders viel Kritik: Der Zugang zu öffentlich zugänglichen Innenräumen, wie Kneipen oder Kinos, soll Besuchern nur gestattet werden, wenn sie entweder eine FFP2-Maske tragen, oder einen negativen Test vorlegen können.

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Ausgenommen davon sind, wie bei vielen Regeln zuvor, Geimpfte oder Genesene. Aber: Die Impfung darf nicht länger als drei Monate zurückliegen. Das würde die überwältigende Mehrheit der dreifach Geimpften ausschließen, die bisher weitreichend von ihrem Impfstatus profitiert haben.

Vierte Impfung: Gefordert aber nicht empfohlen

Die Vorteile für Empfänger der Booster-Impfung fallen also weg – ohne, dass etwa eine 30-jährige Frau etwas dagegen tun kann. Denn die vierte Impfung ist für sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen, die Stiko empfiehlt sie nur besonders schützenswerten Personengruppen wie Schwangeren, Menschen mit Immundefizienz oder Senioren über 70 Jahren.

Aktuell berät sich die Stiko über eine Ausweitung der Impfempfehlung für den „zweiten Booster“ – allerdings nur, ob die Personengruppe von Ü70 auf Ü60 erweitert wird. Dazu sei eine Entscheidung „relativ bald“ zu erwarten, wie Stiko-Chef Thomas Mertens zuletzt bekannt gab. Die Stiko würde damit Empfehlungen von EU-Fachbehörden folgen, die bereits auch allen Menschen ab 60 Jahren zur zweiten Auffrischungsimpfung geraten hatten.

Stiko-Chef Mertens: Keine Daten, die Impfempfehlung rechtfertigen würden

Mertens hatte Lauterbach bereits in der Diskussion um die vierte Impfung im Juli widersprochen: Er kenne keine Daten, die eine Impfempfehlung an die allgemeine Bevölkerung rechtfertigen würden, sagte der Virologe der Welt am Sonntag. „Ich halte es für schlecht, medizinische Empfehlungen unter dem Motto ‚Viel hilft viel‘ auszusprechen.“

Der Gesundheitsminister hatte zuletzt unterstrichen, dass generelle Impfempfehlungen eben nur allgemeine Richtlinien seien. Konkrete Impfentscheidungen seien dann eine Entscheidung, die jeder individuell in Absprache mit seinem Arzt oder seiner Ärztin treffe, zitiert die Tagesschau.

Neuer Impfstoff ab Oktober: Angepasstes Formular schützt sogar gegen Ansteckung

Große Hoffnungen setzt Gesundheitsminister Lauterbach dabei in die neue Welle von Impfstoffen, die auf die Mutationen des Coronavirus angepasst wurden. Diese sollten wohl sogar auch effektiv gegen eine Ansteckung schützen. Er rechne mit dem Eintreffen der angepassten Impfstoffe pünktlich zum Start der neuen Corona-Regeln im Oktober, so der Politiker gegenüber Welt.

Die Regelungen zur 3-Monate-Gültigkeit des Impfausweises basieren laut Lauterbach nämlich darauf, dass das die ungefähre Zeitspanne sei, in der Menschen mit dem Original-Impfstoff auch noch „wahrscheinlich gut geschützt“ gegen Omikron und Subtyp BA.5, die mittlerweile dominierende der Corona-Varianten, seien.

Hamburg und Bremen: Zurückhaltung und Forderung nach Bürgertests

Da bedeutet das, dass auch die Verwaltung der Hansestadt Hamburg individuell steuern muss. In der Sozialbehörde hält man sich jedoch noch bedeckt, meldet der Norddeutsche Rundfunk, auch, weil das Konzept erst noch das Votum im Bundestag überstehen muss – und dort noch Änderungen erarbeitet werden können.

Die Nachbarn aus Niedersachsen üben derweil Kritik: Wenn die dritte Impfung nicht mehr reiche und dadurch Corona-Tests wieder unerlässlich gemacht würden, müssten die von der Bundesregierung bezahlten Bürgertests zurückkehren, so Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

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