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Keine Gehaltserhöhung trotz Inflation: Mit welchen Argumenten man trotzdem mehr Geld bekommt

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Wenn alles teurer wird, soll auch das Gehalt steigen. Die Inflation ist für Firmen aber kein Grund für Erhöhungen. So bekommen Sie trotzdem mehr Geld.

Hamburg – Die Inflation betrifft mittlerweile so ziemlich alle Menschen und alle Lebensbereiche. Die Produkte im Supermarkt werden teurer und durch die Energiekrise sind auch die Preise für Strom und Gas ins Unermessliche gestiegen. Da liegt es nahe, dass viele Teile der arbeitenden Bevölkerung finanziell an ihre Grenzen kommen und von ihrem Chef nun mehr Geld haben wollen – denn auch die Inflationsausgleichsprämie für Arbeitnehmer reicht nicht lange aus.

Argumente bei Gehaltsverhandlungen:eigenen Wert fürs Unternehmen darlegen
Keine Argumente:Inflation, Miete, Lebenskosten etc.
realistische Vorstellung:bis zu 10 Prozent Erhöhung
Zeitpunkt:in guter Lage für Unternehmen oder nach besonderer eigener Leistung
No-Gos:Drohen oder Kollegen schlecht machen

Die Begründung erscheint zwar logisch, doch aufgepasst: Rein theoretisch ist Ihr Chef Ihnen gar nichts schuldig. Immerhin führt er ein Unternehmen und keine Wohltätigkeitsorganisation. Wie Sie in der Gehaltsverhandlung trotzdem mehr Geld verlangen können, ohne die Inflation als Grund nennen zu müssen, erfahren Sie hier.

Vorbereitung und Zeitpunkt bei der Gehaltserhöhung: Die richtigen Argumente machen den Unterschied

Das A und O bei einer Gehaltsverhandlung ist die Vorbereitung. Wer ohne Argumente oder eine klare Vorstellung für sein Wunschgehalt in ein Gespräch mit dem Chef geht, der wird vermutlich erfolglos wieder herauskommen.

Überlegen Sie sich deshalb vorher, was genau Ihr Wert für das Unternehmen ist. Wie profitiert Ihr Arbeitgeber davon, dass Sie da sind, und wieso rechtfertigt das eine Gehaltserhöhung? Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Unternehmens. Der Zeitpunkt ist dabei ebenfalls entscheidend. Haben Sie zum Beispiel kürzlich einen großen Kunden an Land gezogen, neue Aufgabenbereiche übernommen, ein Problem gelöst oder anderweitig besonderes Lob für etwas erhalten? Dann sind Sie jetzt positiv in den Gedanken des Chefs anwesend und sollten den Moment nutzen, um sich erfolgreich zu vermarkten.

Was Sie nicht tun sollten: Argumente wie teure Lebenskosten oder eine gestiegene Miete sind für Sie persönlich gute Gründe, mehr Geld haben zu wollen. Ihrem Chef wird das allerdings ziemlich egal sein, denn die Firma ist von der Inflation vermutlich ebenso betroffen, weshalb sie kein gutes Argument ist, also nennen Sie diese Punkte am besten gar nicht. Genauso wenig sollten Sie einen schlechten Zeitpunkt wählen. Steckt die Firma gerade in einem finanziellen Engpass oder sind Sie selbst zuletzt negativ aufgefallen? Dann sollten Sie mit neuen Gehaltswünschen noch eine Weile warten.

Genaue Gehaltsvorstellung: Konkrete Zahlen nennen, aber nicht zu hoch pokern

Es ist unangenehm und in Deutschland verfolgt man eher den falschen Glaubenssatz „Über Geld spricht man nicht“, aber nennen Sie Ihrem Chef einen konkreten Gehaltswunsch. Auf diesen wird er vermutlich mit einem Gegenangebot reagieren und Sie können sich dann in der Mitte treffen.

Mann in Anzug am Schreibtisch mit Angestellter davor und das Wort Lohn mit Geld im Kreis
In der Gehaltsverhandlung sollten Sie trotz Inflation lieber andere Argumente nennen. © Monique Wüstenhagen/dpa/imago/Montage

Es ist also ratsam, ein Gehalt ein wenig über der Summe zu verlangen, die Sie tatsächlich haben wollen, aber pokern Sie trotzdem nicht zu hoch. Laut der Bildungsakademie für Weiterbildungen, dem Comcave.College, sind je nach derzeitigem Lohn, Arbeitsposition und Vergleich am Markt bis zu zehn Prozent Gehaltssteigerung bei einer Verhandlung möglich. Wenn Sie von einer anderen Firma abgeworben werden, können Sie sogar bis zu 20 Prozent mehr verlangen, als Sie bei Ihrem alten Arbeitgeber verdienen.

Was Sie nicht tun sollten: sich unter Wert verkaufen. Vor allem Frauen müssen für das Gehalt, das ihnen zusteht, häufig etwas härter kämpfen. Gehaltsverhandlungen sind unangenehm, man möchte niemandem auf die Füße treten und schon gar nicht den Chef verärgern. Trotzdem sollten Sie Ihren eigenen Wert kennen und sich nicht zu klein machen. Solange die Gehaltsvorstellung in einem realistischen 10-Prozent-Rahmen liegt und Sie sie begründet und höflich vorbringen, wird Ihnen niemand den Kopf abreißen.

Eher Kündigung als mehr Geld: No-Gos bei der Gehaltsverhandlung

Wer seine Gehaltswünsche in einem vernünftigen Rahmen mit einer guten Begründung vorbringt, der wird meist ein erfolgreiches Gespräch mit dem Chef führen können. Entweder Sie bekommen Ihr gewünschtes Gehalt, einigen sich auf einen Mittelwert oder bekommen vom Chef eine Absage, die mit Sicherheit aber ebenso höflich und vernünftig begründet sein wird. In all diesen Fällen ist kein Schaden für Sie entstanden.

Wenn Sie im Gespräch aber zu Maßnahmen unter der Gürtellinie greifen, dann kann sich das Blatt auch wenden. Dazu gehört, sich eine Gehaltserhöhung erschleichen zu wollen, indem Sie das Thema zum Beispiel auf einer Weihnachts- oder Firmenfeier anbringen, wo in der Regel gute Stimmung herrscht. Das ist nicht nur unangenehm für alle Anwesenden, sondern wird auch Ihren Chef ziemlich nerven.

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Unfein ist es auch, im Gehaltsgespräch andere Kollegen schlecht zu machen. Wer mit Argumenten wie „Ich mache doch so viel bessere Arbeit als Kollege XY“ mehr Geld heraushandeln will, macht sich nicht nur beim Chef unbeliebt, sondern vergiftet auch noch das Betriebsklima.

Und das größte Tabu: Erpressung. Auf Aussagen wie „Wenn ich nicht diese Summe bekomme, suche ich mir einen neuen Job“ hat schon so mancher Chef „Na dann, viel Glück“ geantwortet. Dem Chef, von dem man etwas haben will, zu drohen, ist keine gute Idee und wird Ihnen im Zweifel eher eine Kündigung als eine Gehaltserhöhung einbringen.

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