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Flughafen Hamburg: So kommen Sie bei Flugausfall an Ihr Ziel – oder Geld

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Von: Kevin Goonewardena

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In den Sommerferien streicht die Lufthansa-Gruppe alleine im Juli 1000 Verbindungen. Auch Hamburg ist betroffen. Wie Reisende an ihr Geld oder Alternativflüge kommen.

Hamburg – Am 7. Juli beginnen in Hamburg die diesjährigen Sommerferien. Für die meisten Menschen geht es dann in den ersten längeren Urlaub seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie vor mehr als zwei Jahren oder den ersten Trip, ohne Corona-Einschränkungen. Doch für so manchen Urlauber, der vom Flughafen Hamburg in die Ferien starten wollte, wird der Ärger schon vor dem Abflug beginnen. Denn Deutschlands größte Fluglinie Lufthanse hat bereits angekündigt, im Juli rund 1000 europaweite Flüge zu streichen. Hunderte kommen bei der Billigflugtochter Eurowings dazu, der größten in Fuhlsbüttel stationierten Fluglinie. Welche Rechte Verbraucher jetzt haben und was Sie tun können, wenn Ihr Flug gestrichen wird, verrät die Verbraucherzentrale Hamburg.

Name:Flughafen Hamburg (Hamburg Airport Helmut Schmidt)
Adresse:Flughafenstr. 1-3, 22335 Hamburg
Anzahl Fluggäste vor Corona:17,3 Millionen (2019)
Anzahl Fluggäste während Corona:5,3 Millionen (2021)

Flugausfall: Verbraucherzentrale Hamburg gibt Reisenden Rat und Hilfestellung

Anwältin Julia Rehberg leitet die Bereiche Telekommunikation, Handel und Kollektiver Rechtsschutz bei der Hamburger Verbraucherzentrale (vzhh), einem ehrenamtlich organisierten Verein. Gegenüber dem NDR erklärte Rehberg nun, was Reisenden generell zusteht, wenn Flüge gestrichen werden. Und wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Liegen zwischen Annullierung und Abflug 14 Tage oder weniger, habe ich in der Regel auch einen Anspruch auf Ausgleichszahlung. 

Julia Rehberg, Verbraucherzentrale Hamburg, im Gespräch mit dem NDR

Die Regeln gibt der Gesetzgeber mit der sogenannten Fluggastrechteverordnung vor, so Rehberg. Zusammengefasst findet sich die Verordnung beispielsweise auf der offiziellen Website der Bundesregierung.

Flug gestrichen – welche Rechte habe ich dann?

Angesprochen auf die derzeitigen Streichungen der Flugverbindung durch die Lufthansa-Gruppe, die mehr als 14 Tage in der Zukunft liegen, rät Rehberg im Gespräch mit dem NDR dazu, zuerst einmal die Fluglinie selbst zu kontaktieren. „Es kann unserer Auffassung als Verbraucherzentrale nicht sein, dass eine Fluggesellschaft einen Vertrag mit einem Kunden schließt und im Nachhinein sagt: Nein, das mache ich doch nicht“, so die Verbraucherschützerin.

Eine Abflugtafel in der S-Bahnstation des Hamburger Flughafens zeigt ausgefallene Flüge an
Mit „Cancelled“ verkündet diese Tafel am Hamburger Flughafen die gestrichenen Verbindungen. Was Passagieren bei Flugausfall zusteht, verrät die Verbraucherzentrale Hamburg. © Hanno Bode/Imago

Flug fällt aus – welche Alternativen gibt es?

Fällt ein Flug aus, bietet die Airline den betreffenden Flugreisenden für gewöhnlich eine Alternative an. Diese müsse laut Rehberg jedoch in den Reisebedingungen vergleichbar mit dem ausgefallenen Flug sein. Der Alternativ-Flug müsse zudem zum frühestmöglichen Zeitpunkt stattfinden.

Alternative Flugverbindung: Ich bin mit der Alternative nicht einverstanden, was kann ich tun?

Der Flug fällt aus, die Fluglinie bietet eine Alternative an, aber der Fluggast ist mit dem Vorschlag nicht einverstanden, allerdings auf den Flug angewiesen und hat deswegen selbstständig nach einer Alternativverbindung gesucht. Was nun? Nach der Auffassung der Verbraucherzentrale muss die Fluggesellschaft für eventuelle Mehrkosten der Alternative bei der anderen Fluggesellschaft aufkommen.

Einen Anspruch auf Geld zurück habe ich immer, wenn der Flug annulliert wird. Ich habe also die Möglichkeit zu sagen, ich möchte gar nicht mehr, ich möchte mein Geld zurück – dann komme ich aber auch nicht zum Ziel.

Julia Rehburg, Verbraucherzentrale Hamburg, im Gespräch mit dem NDR

Flug gecancelt – Fluglinie fliegt nicht täglich: Was heißt das für mich?

Während europäische Metropolen und in der Saison klassische Ferienziele zumeist täglich angeflogen werden, werden andere Zielorte nur ein paar mal die Woche oder gar wöchentlich angeflogen. Was bedeutet eine solche Situation für betreffende Passagiere? Kann unter diesen Umständen die geplante Reise erst mit einigen Tagen oder sogar einer noch größeren Verspätung angetreten werden? Das könnte durchaus ein strittiger Punkt zwischen Airline und Fluggast sein, so Rehberg. Die Verbraucherzentrale vertretet die Auffassung, dass eine Fluggesellschaft dem Fluggast auch einen Flug bei einer anderen Fluggesellschaft zahlen muss, sollte dieser „deutlich früher“ stattfinden.

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Flug annulliert – wer zahlt meine Folgekosten?

Auch die Folgekosten, wie etwa Hotelkosten, müssen nach Auffassung der Verbraucherzentrale Hamburg von der Fluglinie übernommen werden. Es sei denn, die Fluggesellschaft kann nachweisen, dass sie kein Verschulden an der Annullierung des Fluges trifft.

Es gilt aber auch eine Schadensminderungspflicht für den Fluggast, das heißt, dieser muss den Schaden so gering wie möglich halten. Geht noch ein Alternativflug am selben Tag und kostet weniger als die Folgekosten, die entstehen würden, muss dieser genommen werden. Die Fluglinie kann die Folgeschäden außerdem in ihren AGBs auf „grob fahrlässiges Verhalten“ begrenzen – was erst einmal nachgewiesen werden müsste.

Ich habe eine Pauschalreise gebucht, was steht mir bei Flugausfall zu?

Kommt es im Rahmen einer Pauschalreise zu Flugstreichungen, ist der Reiseveranstalter und nicht die Fluglinie der richtige Ansprechpartner. Der Reiseveranstalter muss sich um den Alternativflug kümmern. Geht der erst später und damit ein oder mehrere Urlaubstage verloren, besteht Anspruch gegen den Reiseveranstalter auf die entfallenen Urlaubstage vor Ort, erklärt Julia Rehberg im NDR Info-Interview.

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