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9 Euro Ticket: Ist der HVV auf den Ansturm vorbereitet?

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Von: Kevin Goonewardena

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Wegen des 9 Euro Tickets warnen Fahrgastverbände vor einem Ansturm an Reisenden im Sommer. 24hamburg.de wollte vom HVV wissen, inwieweit der Verband vorbereitet ist.

Hamburg – Für gerade einmal 9 Euro können alle Bundesbürger ab dem 1. Juni 2022 quer durch das ganze Land fahren. Wie zu guten, alten Zeiten des Wochenendtickets, ist es damit möglich den ganzen Tag mit Regionalverkehrszügen unterwegs zu sein. Denn das Ticket gilt nicht nur in einzelnen, teilnehmenden Verbänden wie dem Hamburger Verkehrsverband (HVV), sondern in ganz Deutschland. Mehr noch: Sofern eine Verbindung besteht, lässt sich nicht nur unabhängig vom Tarifgebiet, sondern auch zeitlich unbegrenzt reisen: Anders als viele Monatstickets oder Tageskarten besitzt das 9 Euro Ticket nämlich eine Rund-um-die-Uhr-Gültigkeit. Nicht nur das stellt die Verkehrsbetriebe wie den HVV vor Probleme.

Name:Hamburger Verkehrsverband (HVV)
Gründung:29. November 1965 in Hamburg
Anzahl Haltestellen:rund 10.000 (inklusive Bus)
Anzahl Linien (Auswahl):rund 600 Bus-, 8 Fähr-, 6 S-Bahn und 4 U-Bahn-Linien

9 Euro Ticket: Low-Budget-Reisen während der Sommermonate in ganz Deutschland möglich

Durch den Start des 9 Euro Tickets – hier alle Fakten zum günstigen Monatsfahrschein – am 1. Juni 2022 und die Dauer des Zeitraumes von drei Monaten, in dem der 9-Euro-Fahrschein erhältlich sein wird, fällt die Gültigkeit des Tickets in die Sommermonate und damit in die Ferien- und Urlaubszeit.

Schön für die Nutzer und Nutzerinnen, die auf Low-Budget-Basis im ganzen Land unterwegs sein können. Aber auch für die Verkehrsbetriebe? 24hamburg.de wollte wissen, ob der HVV auf einen zu erwarteten Ansturm von Reisenden eingestellt ist. Dieser wird allgemein erwartet. Denn zu den bestehenden ÖPNV-Kunden, deren Abonnements umgewandelt werden, werden dank des Angebots auch noch Neukunden erwartet.

9 Euro Ticket: Fahrgastverbände warnen vor Ansturm

Fahrgastverbände schlagen wegen des zu erwartenden Ansturms auf das 9-Euro-Ticket und damit auch auf die Busse und Bahnen der Verbände, Alarm. Stefan Hofmeir, Sprecher der Fahrgastvereinigung „Aktion Münchner Fahrgäste“, sagt gegenüber t-online: „Dieses Ticket wird bei den Verkehrsunternehmen einen großen Kraftakt erfordern und Vollauslastung in den Bussen und Bahnen bedeuten.“ Um dem Mehraufkommen an Reisenden Herr zu werden, seien dichtere Takte und mehr Personal nötig, beides sei so schnell aber nicht zu realisieren.

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Hofmeir ist dabei nur einer von vielen Vertretern und Vertreterinnen von Fahrgast-Initiativen im ganzen Land, der sich kritisch zu den Voraussetzungen bei den Verbünden äußert. Ein anderer ist Achim Bonnichsen, Sprecher der Pendlerinitiative Husum-Westerland, der gegenüber den SHZ-Medien seine Sorge äußerte, das 9-Euro-Ticket könnte zu einem Ansturm auf die Nordseeinsel Sylt führen. Eine Insel, die bekanntlich nur mit dem (Auto)zug auf dem Landweg erreicht werden kann.

HVV 9-Euro-Ticket: Angebotsoffensiven der Vergangenheit lassen Verband optimistisch sein

24hamburg.de wollte wissen, wie sich der HVV auf den Ansturm vorbereitet und erreichte HVV-Pressesprecher Rainer Vohl am Telefon. Vohl verwies auf die drei Angebotsoffensiven der jüngeren Vergangenheit, die dafür gesorgt hätten, dass das HVV-Angebot gegenwärtig so gut wie nie aufgestellt sei. Neben Preis-Angeboten hätten die Aktionen des Verbands auch unter anderem zeitliche Erweiterungen des Betriebs, neue Linien – etwa von Schnellbussen – oder Taktverdichtungen beinhaltet.

Überfüllter Bahnsteig am Hauptbahnhof Hamburg und Hand, die ein 9 Euro Ticket hält
Ein völlig überfüllter Bahnsteig am Hamburger Hauptbahnhof im Tarifgebiet des HVV. Ist der Verband dem Ansturm von Neukunden und zusätzlichen Reisenden im Zuge der Einführung des 9-Euro-Tickets zum 01. Juni 2022 gewachsen? Es gibt Gründe, das zu bezweifeln. (24hamburgh.de Montage) © Wolfgang Maria Weber / Hanno Bode / Imago Images

Doch reicht das aus? Es mag ja sein, dass die im Verbund fahrenden U-Bahnen, Züge der S-Bahn Hamburg und Busse, in denen man zumindest in ländlichen Regionen auch das Ticket erwerben kann, nun effizienter arbeiten können. Doch wer täglich im ÖPNV unterwegs ist, hat auch oft mit Zugausfällen, Verspätungen, überfüllten Bahnen und ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie sieht die Situation dann wohl aus, wenn wegen des 9-Euro-Tickets noch viel mehr Menschen auf Bus und Bahn als Fortbewegungsmittel zurückgreifen?

HVV: Fahrgastzahlen schon bei 78 Prozent des Vor-Corona-Niveaus – auch ohne 9-Euro-Ticket

Zuversichtlich stimme Rainer Vohl auch der Umstand, dass die Züge und Bahnen im HVV wegen der gerade erst abflauenden Coronavirus-Pandemie noch nicht gänzlich ausgelastet seien. Wie Vohl gegenüber 24hamburg.de berichtete, würden die neusten Zahlen von März 2022 lediglich eine Auslastung von 78 Prozent aller Verkehrsmittel belegen. Doch reicht dieser Spielraum an Kapazitäten?

Schon vor Wochen hatte der HVV mitgeteilt, dass im Zuge des 9-Euro-Tickets mit einem Plus von 20 Prozent der Fahrgäste gerechnet werde. Bleibt es bei der derzeitigen Auslastung und bei der Prognose eines Anstiegs der Reisenden um 20 Prozent, ist die Kalkulation zumindest knapp. Doch was ist, wenn das Vor-Corona-Niveau wieder zu 100 Prozent erreicht wird und durch das 9-Euro-Ticket 20 Prozent oder mehr Fahrgäste im HVV auf den Straßen und Schienen unterwegs sind?

HVV 9-Euro-Ticket: Einsatz weiterer Busse und Bahnen nicht möglich

Gegenüber 24hamburg.de teilt Rainer Vohl mit, dass schon jetzt alles fahren würde, was fahren kann. Klingt also nicht danach, als könne bei dem Erreichen oder Überschreiten der prognostizierten Zahlen mit der Bereitstellung von zusätzlichen Bussen, Bahnen und Zügen für weitere Kapazitäten gerechnet werden. Mit der Einführung des 9-Euro-Ticket zum 1. Juni, könnte es im HVV also wirklich voll werden.

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