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9-Euro-Ticket: Das müssen Pendler jetzt wissen

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Von: Kevin Goonewardena

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Das 9-Euro-Ticket soll die ÖPNV-Nutzer deutschlandweit entlasten. Eine besondere Gruppe der Reisenden bilden dabei die Pendler. Was Pendler nun wissen müssen.

Berlin – Das sogenannte „9 für 90“-Ticket wird als Teil des Energie-Entlastungspakets des Bundes* in wenigen Wochen bei den Nutzern und Nutzerinnen des ÖPNV für ein wenig finanzielle Entlastung sorgen. Ob bei den Berliner Verkehrsvertrieben (BVG), dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV)*, in München (MVV), Leipzig (LVV) oder dem Rhein-Main-Gebiet inklusive Frankfurt (RMV) – in insgesamt 60 Verkehrsverbänden in ganz Deutschland ist der auch unter dem Namen 9-Euro-Ticket bekannte Fahrschein käuflich zu erwerben und gültig. Doch was bedeutet das für Pendler, die beispielsweise aus beruflichen Gründen gegebenenfalls täglich die Grenzen verschiedener Verkehrsverbände passieren?

Name:Bundesrepublik Deutschland
Fläche:357.588 km²
Anzahl Menschen mit Wohn- und Arbeitsort in unterschiedlichen Kommunen:19,6 Millionen im Jahr 2019

HVV 9-Euro-Ticket: Jeder dritte Hamburger Arbeitnehmer pendelt in die Stadt

Diese Zahl ist nicht unerheblich. So gibt eine aktuelle Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse die Zahl der Pendler, die täglich aus den angrenzenden Bundesländern in die 1,9 Millionen Einwohner Metropole pendeln, mit 321.000 an. Das entspricht in etwa einem Drittel aller in Hamburg beschäftigten Menschen und damit mehr als die westfälische Stadt Münster an Einwohnern hat (316.000). Viele dieser Pendler nutzen die Verkehrsmittel im Hamburger Verkehrsverbund (HVV), dessen Tarifgebiet sich auch auf Teile von Niedersachsen*, Schleswig-Holstein* und bis an die Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern erstreckt.

Fotomontage: 9-Euro-Ticket fuer Bus und Bahn
Das 9-Euro-Ticket soll ÖPNV-Nutzer entlasten. Doch wie ist es um die spezielle Gruppe der Pendler bestellt? Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst. © Frank Hoermann/Sven Simon/imago

Und auch die Hansestadt Bremen* ist lediglich knapp eine Zugstunde entfernt. Insgesamt zählt der HVV sogar 2,4 Millionen Fahrgäste täglich. Die Frage, die sich nicht nur für Pendler im HVV und den angrenzenden Verbänden stellt, ist die, wo sie ihr Ticket kaufen müssen und ob es bei dem Kauf eines einzigen Tickets bleibt. Oder ist je Verkehrsverbund ein 9-Euro-Ticket nötig? Dann bräuchten Pendler nicht nur mehr als einen 9-Euro-Fahrschein, sie würden auch ein Vielfaches des Preises von 9,00 Euro pro Fahrkarte bezahlen.

9-Euro-Ticket: HVV, VNB und NAH.SH – wo kann ich das 9-Euro-Ticket kaufen?

Käuflich erworben werden kann das 9-Euro-Ticket in jedem Fall auf dem Onlineweg. Dazu gehört neben dem Kauf über die Website des HVV in Hamburg oder eines anderen Verbandes auch die Möglichkeit, dass Kunden und Kundinnen sich das Ticket über eine App des jeweiligen Verkehrsverbandes zulegen können. Die meisten Verbände haben mindestens eine App in ihrem Angebot, über die etwa Tickets verkauft werden, Fahrplanauskünfte erteilt oder Strecken geplant werden können.

Über die Ticketoption wird im HVV und anderswo künftig neben den anderen Fahrkarten auch das 9-Euro-Ticket angeboten werden. Und zwar über den Zeitraum von 90 Tagen, gegliedert in dreimal 30-Tage-Perioden. Ein Verkauf an Automaten sei in Vorbereitung, hieß es zudem aus der HVV-Pressestelle. Ob der Verkauf des 9-Euro-Tickets flächendeckend an Automaten angeboten wird, ist fraglich. Genauso ungeklärt ist die Frage, ob es das 9-Euro-Ticket auch in ausgewählten Servicestellen zu kaufen geben wird. Der Online-Erwerb des Tickets über die Website des Verbandes ist so mit in jedem Fall die sicherste Wahl.

9-Euro-Ticket über App kaufen: Das müssen Nutzer beachten

Neben der regulären HVV App, betreibt der Hamburger Verkehrsverbund auch die HVV Switch App, die verschiedene Mobilitätsangebote – darunter auch Car-Sharing-Dienste, Fahrrad-Mietservice oder E-Scooter-Anbieter -, die im Verbund operieren, bündelt. Auch andere Verkehrsverbände werden wie der HVV mehrere Apps unterhalten. Welche weiteren Apps das sind und ob über diese zusätzlichen Apps der Verbände ebenfalls das 9-Euro-Ticket angeboten wird, bringen Nutzer und Nutzerinnen des örtlichen ÖPNV am besten über die offizielle Website ihres Nahverkehrsverbundes in Erfahrung oder wenden sich an eine Servicestelle in ihrem Tarifgebiet.

Der Verkauf des Tickets über die Website und die reguläre Hauptapp des Verbandes, sollte ein Verband mehr als eine App unterhalten, ist gesichert. Bei Zweit-Apps und Automaten ist nicht klar, ob und wenn ja, in welchem Umfang ein Verkauf angeboten wird. Gleiches gilt für den Verkauf an Servicestellen.

9-Euro-Ticket: Wann startet der Verkauf? HVV, VNB und NAH.SH planen Vorverkauf

Wann der Verkauf startet, ist noch nicht ganz klar. Fakt ist: Spätestens ab dem 1. Juni 2022 wird das 9-Euro-Ticket erhältlich sein, denn ab diesem Datum beginnt der 90-Tage-Zeitraum, in denen das als Monatsfahrschein ausgelegte Ticket nutzbar sein wird. Für 9,00 Euro pro Monat ist die Fahrkarte dann erhältlich. Insgesamt kosten die 90-Tage dann also 27,00 Euro, sollte sich der ÖPNV-Nutzer dafür entscheiden, den insgesamt möglichen Zeitraum voll auszuschöpfen.

Doch mehrere Verbände wie etwa der HVV, der VBN (Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen) oder der NAH.SH (Nahverkehr Schleswig-Holstein) haben bereits einen Vorverkaufsstart angekündigt*. Das heißt: Das Ticket wird bereist vor dem 1. Juni 2022 erhältlich sein. Wann genau werde noch bekannt gegeben, schreiben die Verbände auf ihren Websites.

9-Euro-Ticket: Gibt es zeitliche Einschränkungen bei der Gültigkeit?

Viele Verbände arbeiten bei ihren Monats- und Tagestickets mit zeitlichen Einschränkungen. Im Hamburger Verkehrsverbund gibt es die sogenannte 9-Uhr-Tageskarte, die erst ab 09:00 Uhr gültig ist. Beschäftigte, die um 09:00 Uhr oder früher auf ihrer Arbeitsstelle sein müssen und für die Fahrt Bus und Bahn nutzen, können also von dem 9-Uhr-Tagesticket keinen Gebrauch machen. Auch in anderen Verbänden gibt es zeitliche Einschränkungen. Bei dem ab dem 1. Juni 2022 geltenden 9-Euro-Monatsticket soll es keine Einschränkungen geben. Das Ticket wird demnach Rund-um-die-Uhr gültig sein.

9-Euro-Ticket: Diese Verkehrsmittel sind mit der Monatskarte nutzbar – sind Fernreisen möglich?

Mit dem 9-Euro-Ticket können alle Nahverkehrsmittel genutzt werden, die die jeweiligen Unternehmen in den Tarifgebieten betreiben. Dazu gehören S-Bahnen, Regionalzüge, U-Bahnen, Busse und spezifische Verkehrsmittel wie in Hamburg die Linienfähren im Hafengebiet. Dabei spielt es keine Rolle, welches Unternehmen Anbieter der Verkehrsmittel ist.

So können Reisende in NRW die Züge des britischen Unternehmens National Express, in Baden-Württemberg* des niederländischen Verkehrsunternehmens Abellio, am Niederrhein, Weserbergland oder der Nordsee die Züge der NordWestBahn und Fahrgäste in Schleswig-Holstein die AKN nutzen. Wichtig ist, dass es sich bei den Verkehrsmitteln um Nahverkehrsmittel handelt. ICE, IC- und EC-Züge, Fernzüge privater Anbieter (Flixtrain), Züge ausländischer Unternehmen (zum Beispiel Thalys) oder Nachtzüge (zum Beispiel die Linie Berlin-Malmö über Hamburg) sind vom 9-Euro-Ticket ausgenommen.

9-Euro-Ticket: Sind mehrere Tickets notwendig, wenn ich den Verkehrsverbund wechsel?

Nein, es ist nur ein Ticket notwendig. Grund hierfür ist, dass das 9-Euro-Ticket flächendeckend und zu den gleichen Konditionen in allen 60 Verkehrsverbänden in Deutschland gültig sein wird*.

9-Euro-Ticket: Was muss ich als Inhaber eines Jobtickets oder Abonnements beachten?

Einige Firmen kommen entweder in Gänze oder anteilig für das Jobticket – das je nach Verband einen anderen Namen trägt – auf. Nutzer und Nutzerinnen eines Jobtickets, im HVV ProfiTicket genannt, profitieren wie alle anderen ÖPNV-Nutzer ebenso von dem vergünstigten 9-Euro-Ticket. Denn dieses gilt nicht nur für Neukunden, sondern auch für Bestandskunden und dazu zählen neben den Abonnenten regulärer Monatsfahrkarten auch Nutzer von Jobtickets, Monatsfahrscheinen für Azubis und Inhaber von Semestertickets.

Bestehende Abonnenten müssen in Hamburg nicht einmal selbst aktiv werden, wie ein HVV-Sprecher mitteilte*. Für die Dauer von drei Monaten wird den Monatskartenbesitzern jeweils nur je 9,00 Euro pro Monat abgebucht. Dabei spielt die Art des Abonnements und die Höhe des regulären Preises keine Rolle. *24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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