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Eichenprozessionsspinner in Hamburg: Lebensgefahr bei Kontakt mit giftiger Raupe

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Von: Bona Hyun

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Der Eichenprozessionsspinner breitet sich in Hamburg aus. Auch bei indirektem Kontakt kommt es zu ausgeprägten Reaktionen. Wie gefährlich ist er?

Hamburg – Der Sommer in Hamburg kündigt sich zunächst vielversprechend an: Hamburger erwartet eine Extremhitze von 35 Grad. Beste Voraussetzungen für einen schönen Sommer, doch mit den hohen Temperaturen vermehren sich zunehmend unbeliebte Insekten. Einige davon sind häufiger in Hamburg zu finden und selbst für den Menschen gefährlich – dazu gehört die „fliegende Zecke“ mit ihrem schmerzhaften Biss.

Und auch der Eichenprozessionsspinner. Dessen Gifthaare können beim Menschen auch ohne direkten Kontakt die Haut und Atemwege stark reizen. Die Bezirksämter der Hansestadt Hamburg warnen vor jeglichem Kontakt mit der giftigen Raupe.

Insekt:Eichen-Prozessionsspinner
Wissenschaftlicher Name:Thaumetopoea processionea
Art:Eichen-Prozessionsspinner
Familie:Zahnspinner (Notodontidae)

Eichenprozessionsspinner breitet sich in Hamburg aus: Kontakt kann für Menschen lebensgefährlich werden

Die giftige Raupe wurde kürzlich in Eimsbüttel gesichtet. Nun gab es Warnungen, weil sie auch im Hamburger Stadtpark und im Umfeld des Ohlsdorfer Friedhofs aufzufinden war. „In den letzten Tagen kam es zu ersten Feststellungen des Eichenprozessionsspinners (EPS) an Bäumen im Stadtpark sowie in dessen Umfeld“, zitiert das Hamburger Abendblatt Larissa Robitzsch, die Sprecherin des Bezirks Nord. Daher habe das Bezirksamt entschieden, mit der Aufstellung von Warnschildern im Stadtpark zu beginnen und die giftigen Raupen zeitnah zu beseitigen.

Eichenprozessionsspinner Eichenprozessionsspinner in ihrem Nest an einer Eiche
Der Eichenprozessionsspinner wurde in Hamburg gesichtet. Erste Feststellungen gab es im Stadtpark und Umfeld. Ein Kontakt mit den Brennhaaren kann lebensgefährlich werden. (Symbolbild) © agrarmotive/imago

Außerdem sei die hautreizende Raupe auch „nördlich der Fuhlsbüttler Straße im Umfeld des Ohlsdorfer Friedhofs“ gesichtet worden. „Ob die Ausbreitung in diesem Jahr besonders stark ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen und muss in den nächsten Wochen beobachtet werden“, so die Sprecherin gegenüber dem Abendblatt. Das Kontaktrisiko mit dem Eichenprozessionsspinner sei von Mai bis Juli, also in der Fraßzeit der giftigen Raupen, am größten. Gespinste der giftigen Raupe seien bereits 2012 entdeckt worden.

Giftige Raupe breitet sich in Hamburg aus: Wie gefährlich ist der Eichenprozessionsspinner?

Die Raupe des grau-braunen Nachtfalters kann mit ihren Brennhärchen starke Reizungen der Haut und der Atemwege sowie allergieähnliche Reaktionen auslösen. Dabei ist nicht mal ein direkter Kontakt zur Raupe erforderlich, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Es reiche sogar, wenn ein Windstoß abgebrochene Brennhaare verteilt und diese in Berührung mit der Haut eines Menschen kommen.

Der menschliche Körper reagiert beim Kontakt mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners mit Symptomen wie Rötungen, Quaddeln, Bläschen, starkem Juckreiz und geschwollenen Augenlidern. In den Atemwegen entstehen beim Kontakt mit den Brennhaaren der giftigen Raupe, die sich in Hamburg ausbreitet, Entzündungen im Rachen- oder Bronchienbereich – dann nämlich, wenn die Härchen dorthin gelangen.

Kontakt mit giftiger Raupe: Zweite Berührung lebensgefährlich

Lebensgefährlich wird der zweite Kontakt, da es laut Schleswig-Holsteinischem Zeitungsverlag bis zur Atemnot und einem allergischem Schock kommen kann. Gerät man unbeabsichtigt in Kontakt mit Gift-Raupen, dann sollte die Kleidung abgelegt und bei 60 Grad gewaschen werden. Es empfiehlt sich zudem, sofort nach dem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner zu duschen, um alle Brennhaare zu entfernen. Bei ausgeprägten Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden. Nicht nur gefährlich, sondern auch tödlich sind Zecken, die zu den gefährlichsten Tieren Deutschlands gehören.

Eichenprozessionsspinner in Hamburg: Verwechslung mit Gespinstmotten?

Doch Achtung: Nicht alles, was aussieht wie ein Eichenprozessionsspinner ist auch einer. Denn: Die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners in Eimsbüttel Anfang Pfingsten 2022 stellte sich als Fehlalarm heraus – an einer der vermeldeten Standorte, am Kaifu, handelte es sich um Gespinstmotten. Diese seien für den Menschen ungefährlich.

Ob die Ausbreitung in diesem Jahr besonders stark ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen und muss in den nächsten Wochen beobachtet werden.

Larissa Robitzsch, die Sprecherin des Bezirks Nord

Eigentlich gebe es keine Verwechslungsmöglichkeit mit den Gespinstmotten, da ihre Raupen ganze Pflanzen befallen und diese einspinnen. Die Eichenprozessionsspinner befällt ausschließlich die Eiche, so Bezirksamtssprecherin Cornelia Rosenberg.

Gibt es eine gesetzliche Meldepflicht beim Fund von Eichenprozessionsspinnern?

Laut David Kappenberg, dem Sprecher der Umweltbehörde, gebe es keine Meldepflicht für Befälle mit dem Eichenprozessionsspinner. Die jeweiligen Flächeninhaber seien für den Schutz der Bevölkerung verantwortlich. Bislang liegen bei der Umweltbehörde noch keine „bestätigten Meldungen“ über mit dem Eichenprozessionsspinner befallene Gebiete vor, so Kappenberg. Trotzdem schließt er ein Vorkommen des Eichenprozessionsspinners nicht aus. 2019 und 2020 habe es im öffentlichen Grün 725 beziehungsweise 765 Befallsmeldungen gegeben. Für 2021 gab es eine leichte Abnahme mit nur knapp 600 Meldungen.

Eichenprozessionsspinner entfernen: Nester werden durch Absaugen oder Verkleben beseitigt

Zum Schutz der Bevölkerung werde ein entdeckter Befall dem Abendblatt zufolge durch Absaugen entfernt. Dies geschiehe allerdings nur, wenn kritische räumliche Konstellationen bestünden, wie die Nähe zu Spielplätzen. Im vergangenen Jahr habe es wenige Nester in Eimsbüttel gegeben, die durch Absaugen und Verkleben beseitigt wurde. Eine Beseitigungsmethode für einen gefährlichen Blutsauger ging kürzlich viral: Zecken sollten Sie nie ins Klo werfen.

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Auf der Raststätte Stillhorn Ost an der A1 lässt die Autobahnmeisterei zurzeit den Eichenprozessionsspinner bekämpfen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berchtet. Lastwagenfahrer können die Parkplätze auf dem Rasthof bis einschließlich nächsten Dienstag nicht nutzen. Die Raststätte und die Tankstelle bleiben geöffnet. „Um einer Gesundheitsgefährdung vorzubeugen, muss die Bekämpfung des Befalls möglichst zeitnah erfolgen“, erklärte die Autobahn GmbH Nord.

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