Foodwatch verleiht Negativpreis

Edeka: Beliebte Käse-Marke ist dreisteste Werbelüge des Jahres – Deutsche sitzen Kuhwohl-Schwindel auf

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Foodwatch vergibt den „Goldenen Windbeutel“, ein Schmähpreis für die „dreisteste Werbelüge des Jahres“. Im Jahr 2020 haben Verbraucher den Schwindel eines beliebten Supermarkt-Käses zum Sieger gekürt. Hier lauert der riesige Marketing-Betrug.

  • Beliebter Supermarkt-Käse wird als „Werbelüge“ entlarvt.
  • Millionen Deutsche kaufen Produkt täglich, zum Beispiel bei Edeka oder Rewe.
  • Foodwatch kritisiert vorgegaukeltes Tierwohl.

Heimenkirch/Berlin/Hamburg– Dieser Käse stinkt gewaltig – und das nicht nur wegen seines intensiven Aromas. Vor allem verbirgt sich laut Foodwatch eine große Tierhaltungslüge dahinter. Das Schockierende: Das Produkt steht in fast jedem Supermarktregal, etwa bei Edeka oder Rewe.

UnternehmenEdeka
Kundenservice0800 3335211
ZentraleHamburg
Umsatz59,2 Milliarden USD (2017)
Gründung1898, Berlin
CEOMarkus Mosa (1. Mai 2008–)
TochterunternehmenScheck-In

Edeka: Käse wird von Foodwatch mit „Goldenem Windbeutel“ für „dreisteste Negativlüge des Jahres“ prämiert

Foodwatch zeichnet mit dem „Goldenen Windbeutel“ jährlich Marken aus, die nicht halten können, was sie in ihrer Werbung versprechen. „Im Moment verspricht die Industrie oft das Blaue vom Himmel: Überzuckerte Frühstücksflocken kommen als ‚Fitmacher‘ daher, unausgewogene Snacks werden als ‚kindgerecht‘ beworben und Industrie-Standardware als ‚Premium‘ vermarktet“, heißt es von dem gemeinnützigen Verein.

Ein beliebter Supermarkt-Käse wurde von Foodwatch als „dreisteste Werbelüge des Jahres“ ausgezeichnet. (24hamburg-Montage)

Kunden können jedes Jahr online für die „dreisteste Werbelüge des Jahres“ abstimmen. Im vergangenen Jahr 2019 ging der Preis an die Marke „Zwergenwiese“, welche in ihrer Kinder-Tomatensoße die doppelte Menge an Zucker verwendet als in dem Produkt für Erwachsene.

Allein im Jahr 2020 gab laut Foodwatch 65.000 Stimmen. Mit dem „Goldenen Windbeutel“-Negativpreis will Foodwatch dem Etikettenschwindel den Kampf ansagen: Erst wenn Etiketten ehrlich würden, könnten „Verbraucherinnen und Verbraucher informierte Kaufentscheidungen“ treffen. Beispielsweise, wenn in Supermärkten wie Edeka oder Rewe vor den Regalen stehen.

Das Ergebnis für den „Goldenen Windbeutel 2020“ fiel mehr als eindeutig aus: Rund 43,5 Prozent der Stimmen gingen an eine besonders beliebte Käsemarke, die Kunden tagtäglich in Supermärkten wie Edeka oder Rewe erwerben: Ausgezeichnet wurde der Hersteller Hochland für seinen Käse der Marke Grünländer.

Edeka: Hochland-Käse (Grünländer) erhält „Goldenen Windbeutel 2020“ -

Der Grund, weshalb der Hochland-Käse Grünländer beim „Goldenen Windbeutel“ so schlecht abschnitt: Der Hersteller wirbt auf seinen Verpackungen mit „Milch von Freilaufkühen“. Doch Foodwatch entlarvt diesen jedoch Werbeslogan als Lüge und kritisiert, dass die Bezeichnung „Freilaufkühe“ ein „reiner Fantasiebegriff sei“ – die Kühe, von denen die Milch für den Käse stammt, werden nämlich im Stall gehalten.

Hochland gaukelt seiner Kundschaft ein Weide-Idyll vor und täuscht ausgerechnet jene Verbraucherinnen und Verbraucher, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen.

Foodwatch

Das Unternehmen aus Helmenkirch (Bayern) streitet die Schwindel-Vorwürfe allerdings ab und wollte den Goldenen Windbeutel nicht annehmen. „Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich jederzeit frei im Stall bewegen können und nicht angebunden sind“, hieß es von Hochland. Die Verbraucherschützer von Foodwatch kritisierten die mangelnde Diskussionsbereitschaft der Firma als „schwach“.

Bereits im August 2020, kurz nach der Nominierung für den „Goldenen Windbeutel“, versuchte sich Hochland vor den Anschuldigungen einer Werbelüge zu rechtfertigen. Die Informationen auf der Verpackungsrückseite des Grünländer-Käseprodukts würden darauf hinweisen, „dass sich der Begriff ‚Freilaufkühe‘ auf im Stall gehaltene Kühe bezieht“. Auch in dem Fernseh-Spot würden die Kühe „klar erkenntlich in einem geschlossenen Stall“ gezeigt werden“.

Goldener Windbeutel 2020: Diese Supermarkt-Produkte (Edeka, Rewe, Aldi, Lidl) erhielten viele Stimmen

Doch der Grünländer-Käse von Hochland war nicht das einzige Produkt, dass bei der Wahl zum „Goldenen Windbeutel 2020“ schlecht abschnitt. Den zweiten Platz belegte der Volvic Bio Roiboos-Tee von Danone Waters, welcher laut Foodwatch nur etwa einen halben Teelöffel Tee pro 750 Milliliter enthalte.

  • 1. Platz: Grünländer Käse von Hochland  (28.443 Stimmen, entspricht rund 43,5 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen)
  • 2. Platz: Volvic Bio Rooibos-Tee von Danone Waters (11.527 Stimmen, 17,6 Prozent) 
  • 3. Platz: Arla haltbare Bio-Weidemilch (9193 Stimmen, 14 Prozent) 
  • 4. Platz: Zentis „50% weniger Zucker“ Erdbeere (8709 Stimmen, 13,3 Prozent)
  • 5. Platz: Be-Kind Protein-Riegel Erdnuss von Mars (7584 Stimmen, 11,6 Prozent)
  • (Quelle: Foodwatch.de)

Die haltbare Bio-Weidemilch der Marke Arla bei der Wahl des Goldenen Windbeutels 2020 rund 14 Prozent der Stimmen. Der Vorwurf seitens Foodwatch bei diesem Produkt: Ein CO2-Label preist 71 Prozent Einsparung von Kohlenstoffdioxid an, dabei bezieht sich diese Angabe lediglich auf die Verpackungsherstellung. Ähnlich schlecht schneidet die „50% weniger Zucker“-Marmelade der Firma Zentis ab: Hier wird der eingesparte Zucker nicht etwa durch mehr Früchte kompensiert, sondern mit mehr Wasser. Die Firma Mars preist mit einem Erdnuss-Riegel einen „pflanzlichen Protein-Kick“ an, dabei setzt sich das Produkt etwa zur Hälfte aus Fett und Zucker zusammen.

Nicht immer wissen Kunden darüber Bescheid, was wirklich hinter Produkten aus Supermärkten und Discountern wie Ekeda, Rewe, Aldi oder Lidl steckt. 24hamburg.de* berichtete beispielsweise über einen Milch-Skandal, der aus Tierquälerei-Vorwürfen gegenüber einem Flensburger Milchbetrieb* hervorging. Ein Fruchtaufstrich der Drogeriekette Rossmann* wurde ebenfalls mit einem Schmähpreis ausgezeichnet. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa/picture alliance

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