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Drosten legt sich zur Drittimpfung fest: „Für die meisten unnötig!“

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Von: Anika Zuschke

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Die Auffrischimpfung sorgt für polarisierende Meinungen. Sie zeigt Wirkung, aber laut Drosten ist sie für die meisten unnötig. Wer braucht eine dritte Impfung?

Berlin – Der Herbst naht, die Inzidenzen steigen – in Hamburg sogar über 90 – und die Unsicherheit ist groß: Wer muss wann das dritte Mal geimpft werden? Ist eine Auffrisch-Impfung überhaupt nötig? Der Virologe Christian Drosten legt sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) fest: Seiner Meinung nach ist eine dritte Impfung gegen das Coronavirus im Herbst nicht notwendig. Es gibt jedoch Ausnahmen, die sich zum eigenen Schutz um eine Auffrischungsimpfung bemühen sollten.

Virologe:Christian Drosten
Geboren:12. Juni 1972 (Alter: 49 Jahre) in Lingen (Ems)
Ausbildung:Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994–2000)
Auszeichnungen:Deutscher Radiopreis - Sonderpreis des Beirats

In den Vereinigten Staaten, anderen Ländern und vereinzelt auch Deutschland werden bereits Drittimpfungen an bestimmten Gruppen durchgeführt. Am Mittwoch, 18. August hat die US-Regierung der dpa zufolge bekannt gegeben, dass sie ab September 2021 dann die gesamte amerikanische Bevölkerung noch einmal auffrischend impfen möchte.

Biontech und Pfizer veröffentlichen Daten, die für Drittimpfung sprechen

Das hat auch einen Grund: Erst am Montag haben das deutsche Unternehmen Biontech sowie sein US-Partner Pfizer erste Daten einer Studie eingereicht, die deutlich für eine Auffrischungsimpfung spricht. Teilnehmer der Studie hätten acht bis neun Monate nach ihrer zweiten Impfung eine dritte Dosis gespritzt bekommen, so die dpa. Durch diese hätten sich „signifikant höhere neutralisierende Antikörpertiter“ gebildet als bei Personen mit zweifacher Impfung.

Trotzdem sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Drittimpfung bei gesunden Menschen extrem kritisch. Dpa zufolge äußerte die Chef-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan am Mittwoch, dass noch nicht einmal sicher sei, ob die Pläne für eine Auffrisch-Impfung nötig seien.

Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin auf der linken Seite; rechts eine Frau, die eine Spritze mit einem Covid-19-Impfstoff aufzieht.
Virologe Drosten hält eine Drittimpfung im Herbst in den meisten Fällen für unnötig. (24hamburg.de-Montage) © Michael Kappeler/Bodo Schackow/dpa

WHO sieht Auffrischimpfung kritisch – wegen weltweit ungerechter Verteilung von Impfstoff

Das hat auch mit der weltweiten Verteilung von Corona-Impfstoffen zu tun. Denn während in Deutschland sogar Impfdosen weggeworfen werden, warten in ärmeren Ländern unzählige Menschen noch auf die Chance einer ersten Impfung. Ende Juli waren beispielsweise in Afrika lediglich 1,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Der WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan zeichnet zu dieser Situation ein anschauliches Bild: In seinen Augen sei eine Auffrischimpfung für gesunde Menschen so, als würde Personen mit Rettungsweste eine weitere Weste gegeben, während Millionen andere Menschen ganz ohne Schutz dastehen.

Virologe Christian Drosten ist der Meinung: Drittimpfung bei den meisten vorerst unnötig

Virologe Christian Drosten ist ebenfalls der Meinung, dass eine dritte Impfung bei gesunden Personen vorerst nicht notwendig ist, da „die Schutzwirkung der Corona-Vakzinen [...] besser [ist] als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen“, äußert er gegenüber der dpa. Außerdem geht er nicht davon aus, dass in naher Zukunft eine neue Virusvariante auftauchen wird, die gegen die verfügbaren Impfstoffe resistent ist.

Trotzdem gilt hier die Ausnahme: Bei alten Menschen sowie bestimmten Risikopatienten sei eine Auffrischimpfung im Herbst* durchaus sinnvoll, so Drosten. „Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter“, begründet der Virologe die Aussage.

Deswegen sei eine Auffrischimpfung in Umfeldern wie Seniorenheimen denkbar. Für die übrige Bevölkerung werde irgendwann vielleicht ein Altersniveau definiert, ab dem eine dritte Corona-Impfung sinnvoll ist.

Zahlen deutscher Krankenhäuser zeigen Wirkung von Corona-Impfung

Dass eine Corona-Impfung generell Wirkung zeigt, untermalen Zahlen deutscher Krankenhäusern. In dem Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) werden momentan zehn Patienten auf der Intensivstation betreut. Das scheint nicht viel, aber „alle von ihnen sind ungeimpft“, berichtet UKE-Chefarzt Stefan Kluge dem Hamburger Abendblatt. Abgesehen davon verschärft Tschentscher noch einmal die Corona-Regeln für Umgeimpfte in Hamburg.

Auch der Kölner Intensivmediziner Christian Karagiannidis erwähnte gegenüber der Funke Mediengruppe: „Aktuell haben wir in Nordrhein-Westfalen 12 bis 13 Prozent der Covid-Patienten in den Kliniken mit Impfschutz. Diese Quote dürfte auch der bundesweiten Quote entsprechen.“

Personen mit eingeschränktem Immunsystem sollten Drittimpfung bekommen

Bei den geimpften Corona-Patienten in stationärer Behandlung handele es sich Karagiannidis‘ Erfahrung nach beispielsweise um Menschen mit eingeschränkter Immunantwort. Diese tritt unter anderem als Folge einer medikamentösen Dämpfung des Immunsystems auf. Deswegen sei es jetzt besonders wichtig, eben jene Personen mit einer Drittimpfung zu versorgen, die unter einem solchen Immunsystem leiden.

In Bayern können bereits seit Montag Auffrischimpfungen vorgenommen werden, in Oberfranken finden die ersten Corona-Drittimpfungen nächste Woche statt. Dabei folgt die Reihenfolge einem ähnlichen Schema wie bei den Erstimpfungen. Bremen und Bremerhaven führen die Auffrischungs-Impfungen ab September durch. Für Hamburg wurde noch kein finales Datum festgelegt. Wie Genesene in Bezug auf eine Corona-Impfung vorgehen sollten, lesen Sie hier. * 24hamburg.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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