1. 24hamburg
  2. Verbraucher

Deutsche Post stellt historischen Service ein: Zustellung nur noch bis zum Jahresende 2022 möglich

Erstellt:

Von: Jannis Gogolin

Kommentare

Alter Telegraphie-Tisch der Reichspost
Ein historisches Artefakt: An Tischen wie diesen sendeten Angestellte der Reichspost Telegramme. Bis zum 31. Dezember 2022 hat auch die Deutsche Post diesen Service im Angebot. © teutopress/imago

Die Deutsche Post überrascht die Kunden regelmäßig mit neuen Features. Nun nimmt sie einen zugegeben historischen Service aus dem Programm.

Bonn – Präzise Lieferzeiten, digitale Briefmarken oder Live-Tracking des Zustellers, die Deutsche Post bringt immer wieder neue Features auf den Markt. Zwischenzeitlich experimentierte das Unternehmen sogar mit Drohnen. Neben den technischen Neuerungen hat ein Nachrichten-Service jedoch überlebt, der ohne Umschweife als historisch bezeichnet werden kann.

Telegrafie: Deutsche Post stellt historischen Service zum Jahresende 2022 ein

Eigentlich gibt es die Deutsche Post, genauer die Deutsche Post DHL Group, erst seit dem Jahr 1995. Denn zum 1. Januar dieses Jahres privatisierte die Bundesrepublik deren vormalige Behörde, die Deutsche Bundespost, und wandelte sie in ein konventionelles Logistik- und Postunternehmen um. Ein Blick auf die Geschichte des deutschen Postwesens offenbart allerdings, dass die Vorgänger des heutigen Unternehmens weit in die Vergangenheit reichen.

Ein Feature für Fans der Postgeschichte: Telegramm-Sendungen

Noch vor der Gründung der staatlichen Bundespost im Jahr 1950 gab es die Reichspost. Seit 1872 beförderte letztere diversen Schriftverkehr durch das damalige Deutsche Reich. Von der heutigen Größe mit weltweit 590.000 Mitarbeitern und vollelektrischen Zustellfahrzeugen war die damalige Behörde noch weit entfernt. Man musste für den Briefversand auf die Postkutsche oder Reiter zurückgreifen – das dauerte aber meist seine Zeit. Für dringende und kurze Nachrichten sendete man ein Telegramm.

Briefsendungen gehören immer noch zum Standardrepertoire. Doch dass auch papierlose Telegramm-Sendungen, also die Übertragung von rein elektrischen Signalen, den Post-Kunden zur Verfügung stehen, wussten die wenigsten. Die Nachfrage nach dieser historischen Art der Nachrichtenübermittlung ist dementsprechend schwach, auch dank SMS oder WhatsApp, Signal und Co. Und so kündigte das Unternehmen kürzlich an, den Dienst zum Jahresende gänzlich einzustellen, wie das Post-Verbraucherportal paketda.de mitteilt. Das berichtet merkur.de.

Bis zum 31. Dezember: Deutsche Post bietet geschichtsträchtigen aber teuren Service an

Das Telegramm besticht mit einer schnellen und zuverlässigen Zustellung, so die Deutsche Post auf deren Website. Gibt man die Nachricht zwischen 0 und 3 Uhr auf, kommt es am nächsten Tag beim Empfänger an. Doch der Service ist verhältnismäßig teuer. Angefangen bei 12,57 Euro steigen die Kosten je nach Länge bis zu 17,89 Euro. Jeweils vier Euro mehr für ein schmuckes Kuvert.

All das soll laut eines Post-Pressesprechers gegenüber paketda.de nur noch bis zum 31. Dezember möglich sein. Dann folgt das Unternehmen den internationalen Kollegen und stellt den Telegramm-Dienst ein. Bis dahin können Interessierte noch den geschichtsträchtigen Service nutzen. Ein Gang in die Postfiliale ist allerdings nicht nötig. Das Aufgeben des Telegramms läuft komplett online. Beschwerden über das Ende des Telegramms sind unwahrscheinlich. An allen anderen Ecken und Enden sieht die Deutsche Post sich jedoch mit Kritik konfrontiert, zuletzt wegen einer möglichen Zwei-Klassen-Gesellschaft beim Briefversand.

Auch interessant

Kommentare