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Dänemark lockert Corona-Maßnahmen – darum kann Deutschland noch nicht

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Von: Christian Einfeldt

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Ab dem 1. Februar 2022 befreit sich Dänemark von nahezu allen Corona-Maßnahmen. Warum Deutschland im Gegensatz zu Dänemark noch nicht lockern kann.

Hamburg/Kopenhagen – Die Sehnsucht nach Normalität nach der Corona-Pandemie könnte derzeit kaum größer sein. Während hierzulande die Einhaltung der Corona-Maßnahmen weiterhin zum Alltag gehört, verabschiedet sich Nachbarland Dänemark vom Großteil der auferlegten Pflichten. „Wir sagen Auf Wiedersehen zu Einschränkungen und Hallo zu dem Leben, das wir vor Corona kannten“, verkündete Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am vergangenen Mittwoch in Kopenhagen.

Laut Focus Online würden sich in Dänemark täglich Zehntausende Menschen infizieren. Dennoch entfällt in Dänemark ab dem 1. Februar 2022 weitestgehend die Maskenpflicht – und selbst die Impfnachweise können zu Hause bleiben. Trotz hoher Inzidenz kehrt Normalität ein. Warum nicht auch in Deutschland?

Land in Europa:Dänemark
Hauptstadt:Kopenhagen
Bevölkerung:5,831 Millionen (2020)
Fläche:42.933 km²

Corona-Pandemie: Dänemark setzt Maßnahmen außer Kraft – auch Maskenpflicht entfällt ab 1. Februar 2022

In Deutschland mag die Meldung verwundern, vielleicht macht sie sogar neidisch: Ende Januar zählt Dänemark eine Inzidenz von über 5.000 – und kann dennoch wenige Tage später auf viele Corona-Maßnahmen verzichten. Dänemarks Ministerpräsidentin bereitete das Land auf eine Zeit vor, in der die Maskenpflicht größtenteils entfällt und auch das Vorzeigen der Impfnachweise nur noch bedingt verpflichtend ist. Diskotheken öffnen wieder, Großveranstaltungen laufen wieder im Normalbetrieb.

Eine Corona-Maske. In der Mitte ist die dänische Flagge zu sehen.
Ab dem 1. Februar 2022 streicht Dänemark den Großteil der zuvor bestehenden Corona-Maßnahmen. (Symbolbild) © imago

Für ein rücksichtsvolles Miteinander in einer Zeit nach Corona bleiben die Empfehlungen, sich im Verdachts- bzw. Krankheitsfall testen zu lassen, bestehen. Generell spricht sich die dänische Regierung dafür aus, einen Schutz für Risikogruppen weiterhin gewährleisten zu wollen. Wenngleich Corona-Regeln nicht mehr verpflichtend sind, so solle sich jede Person auch in einem „offenen Dänemark sicher fühlen“, sagte Frederiksen. De facto ist es allerdings nur noch eine Testpflicht für Einreisende, die laut Focus zumindest teilweise weiter Gültigkeit besitzt. Das Leben in Deutschlands nördlichstem Nachbarland könnte schon bald dem Alltag vor der Pandemie ähneln.

Dänemark: Dank „Superwaffe“ zurück zur Normalität – darum ist Deutschland noch nicht soweit

Bereits ein Blick auf die Impfquote verrät, warum Dänemark den Empfehlungen der zuständigen Corona-Kommission folgt: Ab dem 1. Februar brauch es keine Maske mehr und überhaupt kehren so einige verloren geglaubte Freiheiten zurück. Möglich macht es die von Frederiksen bezeichnete „Superwaffe“ – und meint damit die Impfung und ihre hohe Akzeptanz in der dänischen Bevölkerung. Wie Focus berichtet, sind in Dänemark zum derzeitigen Stand 81 Prozent der Menschen bereits zweimal geimpft. In Deutschland seien hingegen knapp zehn Prozent weniger doppelt geimpft.

Corona-Impfung
Ein medizinischer Mitarbeiter impft eine Frau gegen Corona. © Ronny Hartmann/dpa/Symbolbild

Dänemarks Fortschritt in Sachen Corona-Impfung, die im Gegensatz zu einer Infektion nicht unfruchtbar macht, ist sicherlich als Hauptursache für ab dem 1. Februar einsetzende Freiheiten zu verstehen. Entscheidend sei laut Focus Online vor allem die hohe Impfbereitschaft der über 60-jährigen Bevölkerung. Medienberichten zufolge hätten sich also rund 95 Prozent der Altersgruppe geimpft – während in Deutschland etwa drei Millionen über 60 Jahre noch immer ungeimpft sind. Freiheiten, wie sie Anfang Februar in Dänemark gelten, könnten auch in Deutschland greifen. Epidemiologe Timo Ulrichs nennt dafür die Voraussetzung, dass der Anteil der geimpften Risikogruppen weiterhin steigt.

Darüber hinaus greifen jedoch noch weitere relevante Ursachen, die auf die aktuelle Entwicklung einzahlen. Zu nennen sei hier etwa auch der Verbreitungsgrad der Omikron-Variante. Nach Focus-Informationen hätte Dänemark das Maximum an Omikron-Erkrankten längst durchgemacht. Auch, wenn die knapp werdenden Kapazitäten für PCR-Tests in Hamburg etwas anderes vermuten lassen könnten – Deutschland würde der absolute Peak jedoch noch bevorstehen, heißt es in dem Bericht.

Ende der Corona-Maßnahmen? Deutschland muss noch „sehr vorsichtig“ sein

Dass die Omikron-Variante einen verhältnismäßig milden Krankheitsverlauf auszeichnet, spielt Dänemark vollends in die Karten. Während im Hamburger UKE nach wie vor viele Menschen coronabedingt im Krankenhaus sind, verzeichneten dänische Krankenhäuser weitaus weniger Corona-Infizierte als zuvor. Die Diskussionen Dänemarks über die neu-gewonnenen Freiheiten wurden jedoch keineswegs ohne Zweifel geführt. Viggo Andreasen, Epidemiologe der Universität Roskilde, fürchtet etwa große Herausforderungen für Krankenhäuser oder Schulen.

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Da ab kommenden Dienstag, dem 1. Februar 2022, nahezu sämtliche Corona-Maßnahmen entfallen, sei die Sorge vor einem wieder steigendem Infektionsgeschehen durchaus real. In Deutschland haben Top-Virologen sich bereits geäußert, was wohl nach Omikron zu erwarten sei*. Geht es nach der Ansicht von Prof. Dr. Ralf Reintjes, seines Zeichens Epidemiologe an der HAW Hamburg, müsse man sich in Deutschland noch weiterhin in Geduld üben, bis auch hier Maskenpflicht und Co. fallen.

Gegenüber Focus Online sagte der Experte: „Ich empfehle in den nächsten Wochen, bis die große Omikron-Welle vorbei ist, noch sehr vorsichtig zu sein. Danach, im Frühling und Sommer, wird sich die Situation wahrscheinlich deutlich entspannen“. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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