Bahnbrechende Erkenntnisse

Coronavirus: Hilft diese Lutsch-Pastille gegen Covid-19?

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Es klingt beinahe zu schön: Können einfache Lutsch-Bonbons aus der Apotheke Coronaviren bekämpfen? Ein Hersteller will das testen lassen.

  • Ein Lutschbonbon-Hersteller beauftragt das Fraunhofer Institut mit einem Versuch.
  • Ein Heilpflanzen-Extrakt wird auf seine Wirksamkeit gegen Sars-Cov-2 getestet.
  • Die Forscher konnten feststellen, dass der Extrakt das Virus stoppen konnte.

Leipzig – Man kann sie handelsüblich in fast jeder Apotheke finden: Lutschbonbons des Herstellers Dr. Pandalis. Normalerweise sollen die Zistrose-Dragees gegen Halsschmerzen helfen. Doch könnten sie auch Corona-Viren den Gar aus machen? Die Antwort ist wie immer: Man weiß es nicht. Aber es gibt Grund zur Annahme, dass ein Extrakt aus dem Wirkstoff Zistrose die Viren beeinflusst.

UnternehmenFraunhofer-Gesellschaft
Rechtsformeingetragener Verein
Mitarbeiter28.000
Gründung26. März 1949
Budget2,8 Milliarden EUR (2019)
TochtergesellschaftenFraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Coronavirus: Fraunhofer Institut testet Wirksamkeit von Zistrose-Extrakt gegen Sars-Cov-2-Viren

Einmal ist es ihnen bereits in einem Reagenzglas-Versuch gelungen, das Coronavirus einzudämmen. Dabei wurden nicht direkt die Lutschtabletten von Dr. Pandalis verwendet. Lediglich ein Extrakt aus dem Wirkstoff Zistrose kam zur Anwendung. Bisher blieb es bei diesem einmaligen Erfolg. Wie unter anderem RTL berichtet, hatte der Hersteller aus Niedersachsen das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig damit beauftragt, einen Extrakt der alten Heilpflanze Zistrose (Cistus) auf Zellkulturen des Corona-Erregers zu testen. Schon in der Antike wurde Cistus sehr geschätzt. Es wird vor allem bei Hautproblemen oder Entzündungen im Mundraum eingesetzt.

Können Lutschtabletten gegen das Coronavirus helfen? (24hamburg.de-Montage, Symbolbild)

„In unserem Hochsicherheitslabor haben wir überprüft, ob das Extrakt die Vermehrung der Viren in der Zellkultur beeinflusst. Dabei konnten wir beobachten, dass die Vermehrung deutlich vermindert wurde“, bestätigte Dr. Sebastian Ulbert (49), Virologe und Leiter der Abteilung Immunologie und des Bereichs Impfstofftechnologien des Fraunhofer Instituts den Erfolg des Versuchs gegenüber Bild.

Was bedeutet dies nun mit Hinblick auf die Bekämpfung vom Coronavirus? „Ein Beleg für eine medizinische Wirksamkeit im Menschen ist das noch nicht, dies müsste weiter untersucht werden“, erklärt der Fraunhofer-Experte. Eine ausstehende klinische Studie könnte weitere Erkenntnisse bringen. In vorherigen wissenschaftlichen Studien konnte bereits eine hemmende Wirkung des Extrakts gegen andere Viren nachgewiesen werden, darunter zum Beispiel die Schweine- oder Vogelgrippe. Doch auch diese Erfolge wurden lediglich bei Reagenzglas-Versuchen verzeichnet.

Coronavirus: Helfen Zistrose-Tabletten aus der Apotheke gegen Sars-Cov-2?

Der Hersteller weist auf seiner Website außerdem darauf hin, dass nicht alle Zistrosen und alle Zistrose-Produkte gegen Sars-CoV-2 wirken. „Die beim Fraunhofer Institut ermittelten Ergebnisse gelten ausschließlich für den getesteten Cystus-Pandalis®-Extrakt und lassen sich nicht pauschal auf andere Zistrosenextrakte übertragen“, heißt es seitens des Unternehmens.

Zistrose-Dragees gäbe es von mehreren Herstellern in der Apotheke zu kaufen. Dr. Pandalis betont aber ausdrücklich, dass keins davon den „getesteten Spezialextrakt“ enthalte. „Abhängig von der eingesetzten Zistrosenart, Varietät, Extraktionsmittel und Extraktionsmethode gibt es erhebliche biochemische Unterschiede“.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass Forscher in einer klinischen Studie die Wirksamkeit der Lutschpastillen auf Covid-19 testen wollen. Das Fraunhofer-Institut führte allerdings lediglich einen einzelnen Versuch mit einem Extrakt durch und dessen Wirkung auf das Virus Sars-CoV-2. Dieser Versuch lässt keinen Rückschluss auf die Wirksamkeit der Pastillen auf die Erkrankung Covid-19 zu. Auch weitere Studien seien nicht in Planung. Diese Angaben wurden nun korrigiert.

Bahnbrechende Erkenntnisse in der Sars-CoV-2-Forschung konnten deutsche Experten auch bei Versuchen mit Mundspülungen erlangen, wie 24hamburg.de berichtete: Offenbar können diese nämlich Coronaviren abtöten. Fortschritte im Kampf gegen das Coronavirus gibt es auch dank zugelassener Impfstoffe. Auch in Hamburg wird bereits gegen Covid-10 geeimpft. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: ©  Alissa Eckert;Dan Higgins/dpa & Julian Stratenschulte /dpa

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