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„Nocebo-Effekt“ wohl für viele Impfreaktionen verantwortlich

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Von: Natalie-Margaux Rahimi

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Kaum einer hatte sie nicht. Kleine Impfreaktionen wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit nach der Corona-Impfung. Forscher meinen: Das liege am „Nocebo-Effekt“.

Hamburg – Während der Placebo-Effekt, bei denen sich Menschen positive Auswirkungen eines Schein-Präparats einbilden, vielen bekannt sein dürfte, ist der Nocebo-Effekt deutlich weniger Menschen bekannt. Dabei handelt es sich bei den beiden medizinischen Phänomen gewissermaßen um Brüder. Der Nocebo-Effekt sorgt dafür, dass wir allein aufgrund von negativen Erwartungen Symptome spüren, die gar nicht durch die Impfung ausgelöst wurden. Forscher haben herausgefunden, dass dieser Effekt für viele Impfreaktionen nach der Corona-Impfung verantwortlich sein könnte.

Land:Deutschland
Corona-Impfungen gesamt (20. Januar):60,9 Millionen
Booster-Impfungen (20. Januar):41,2 Millionen

„Nocebo-Effekt“ löst Symptome aufgrund von Erwartungen aus – Phänomen nicht neu

Doch der Nocebo-Effekt ist keineswegs neu und wird auch nicht erst seit der Coronavirus-Pandemie erforscht. Einer der bekanntesten Fälle stammt aus den USA. Dort nahm ein 26-jähriger Mann an einer Studie zu Antidepressiva teil. Wie das Fachmagazin „General Hospital Psychiatry“ bereits 2007 berichtete, versuchte der Studienteilnehmer sich mit den ihm überlassenen Arzneimitteln das Leben zu nehmen. In der Folge sackte sein Blutdruck tatsächlich so weit ab, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Später stellte sich jedoch heraus, dass er zu der Studiengruppe gehörte, die lediglich ein Scheinpräparat bekommen hatten. Als der 26-Jährige das erfuhr, verschwanden auch seine Symptome.

Nach einer Corona-Impfung folgen häufig Impfreaktionen oder Nebenwirkungen.
Sorgt der „Nocebo-Effekt“ für die meisten Impfreaktionen nach der Corona-Impfung? © Imago

Wie planet-wissen.de berichtet, gibt es bereits einige Studien über den Nocebo-Effekt. Das Ergebnis: Menschen, die ausführlich den Beipackzettel eines Medikaments lesen oder im Detail von Ärzten oder Apothekern über Nebenwirkungen aufgeklärt werden, leiden häufiger unter den zu erwartenden Symptomen als Personen, die nicht die gleiche Aufklärung bekommen hatten.

Was ist der „Nocebo-Effekt“?

Der Nocebo-Effekt beschreibt ein Phänomen, bei dem sich Menschen allein aufgrund negativer Erwartungen gesundheitlich beeinträchtigt fühlen. Allein die Kenntnis von negativen Auswirkungen, kann dazu führen, dass sich Menschen auch tatsächlich schlechter fühlen. Der Nocebo-Effekt ist der Gegensatz vom Placebo-Effekt, bei dem sich aufgrund von Erwartungen positive Veränderungen einstellen.

Studie zur Corona-Impfung: „Nocebo-Effekt“ könnte großen Teil der Impfreaktionen auslösen

Das Fachmagazin „Jama Network Open“ hat nun eine Studie veröffentlicht, die unter anderem von Julia Haas, Sarah Ballou und Friederike Bender unter anderem von der Harvard Medical School und der Philipps-Universität in Marburg durchgeführt wurde. Die Auswertung der Daten ergibt, dass sich rund drei Viertel (76 Prozent) der Meldungen über Impfreaktionen nach der ersten Corona-Impfung und rund die Hälfte aller Meldungen nach der zweiten Impfdosis auf den Nocebo-Effekt zurückführen lassen.

Für die Forschung wurden zwölf klinische Studien zu Impfungen mit Coronavirus-Impfstoffen mit insgesamt 45.380 Probanden mit Impfreaktionen ausgewertet. 22.802 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten tatsächlich Impfstoff gegen das Coronavirus bekommen, die restlichen 22.578 Probanden jedoch lediglich ein Schein-Präparat. Nach der ersten Dosis mit dem Schein-Präparat hatten rund 35 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Kopfschmerzen und Müdigkeit geklagt. Nach der zweiten Dosis waren es ebenfalls 32 Prozent. Zum Vergleich: Unter denjenigen, die tatsächlich den Impfstoff erhalten haben, meldeten nach der ersten Dosis etwa 46 Prozent, nach der zweiten Dosis 61 Prozent, die an diesen Beschwerden litten.

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Extreme Aufklärung über Nebenwirkungen der Corona-Impfung könnte Auslöser für „Nocebo-Effekt“ sein

Im Falle der Impfung gegen das Coronavirus könnte die extreme Aufklärung über die Nebenwirkungen der Impfstoffe den Nocebo-Effekt ausgelöst haben. „Es gibt Hinweise darauf, dass diese Art von Information dazu führen kann, dass Menschen übliche tägliche Hintergrundempfindungen dann fälschlicherweise auf die Impfung zurückführen, oder Sorgen und Nervosität auslösen, die die Menschen hypersensibel im Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen machen“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) Ted Kaptchuk von der Harvard Medical School. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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