Pleite im Alter

Rentner in Privatinsolvenz – wie viel Geld ihnen zum Leben bleibt

Wer im Alter in Insolvenz gehen muss, hat oft Angst um die Rente. So viel darf bei Rentnern während des Insolvenzverfahrens gepfändet werden.

Update vom 24. Januar 2023: Übrigens: Wenn die Zwangsrente droht: Bin ich wirklich verpflichtet, in Rente zu gehen?

Erstmeldung vom 21. Januar 2023: Hamburg – Altersarmut ist in Deutschland kein neues Problem und durch die Inflation auf dem Höchststand und die Energiekrise geraten immer mehr Rentner in finanzielle Notlagen. Zum Beispiel verringert sich die Bruttorente ab 2023, was nur notdürftig durch Zuschüsse vom Staat für Rentner ausgeglichen wird. Viele Menschen im Ruhestand müssen deshalb in der Rente noch minijobben, damit das Geld zum Leben reicht.

Wer im Alter verschuldet ist und einfach nicht mehr zahlen kann, kann jedoch eine Privatinsolvenz anmelden, bei denen norddeutsche Bundesländer wie Hamburg Spitzenreiter sind. Trotzdem gehen auch bei einer Insolvenz von der Rente noch Abzüge ab – so viel bleibt Rentnern zum Leben.

FallPrivatinsolvenz
ZweckSchuldenbefreiung
Pfändungsfreigrenze1339,99 Euro vom Einkommen
Besonderheit bei RentnernBefreiung von Erwerbsobliegenheit

Privatinsolvenz bei Rentnern: Das sollten Sie über den Schuldenschnitt wissen

Bei der Privatinsolvenz werden gerichtlich die Schulden einer natürlichen Person reduziert, sofern diese zahlungsunfähig ist und die eigenen Schulden schlichtweg nicht begleichen kann. Es wird ein Verbraucherinsolvenzverfahren eingeleitet und nach einer sogenannten Wohlverhaltensphase, in der Antragsteller bestimmte Bedingungen zu erfüllen haben, ist eine Befreiung von den Restschulden möglich. Damit wäre die Person nach dem Verfahren offiziell schuldenfrei.

Wenn Rentner insolvent werden: So viel bleibt Ruheständlern noch zum Leben. (Symbolfoto)

Während des Insolvenzverfahrens können Vermögen, Einkommen und andere Besitztümer gepfändet werden. Dazu gehören zum Beispiel der Lohn oder gewisse Anteile des Kontoguthabens. Es gibt allerdings unpfändbare Teile, die dem Pfändungsschutz unterliegen und somit sicher sind. Dazu gehören persönliche Dinge für den Gebrauch im Haushalt, ein Geldbetrag auf dem Konto für den Selbsterhalt und ein Teil des Lohns, um weiterhin lebensnotwendige Ausgaben tätigen zu können.

Das Konzept ist für Arbeitnehmer wie auch für Rentner ähnlich. Auch Menschen im Ruhestand können diese Privatinsolvenz beantragen, ohne Angst haben zu müssen, dass während des Verfahrens ihre gesamte Rente, die dann als Einkommen gilt, gepfändet wird. Bis zu einer bestimmten Summe ist die Rente vor der Pfändung geschützt. Auch andere Zuschüsse wie die Abfindungen für Witwen und Witwer oder die Energiepauschale für Rentner sind laut der Zivilprozessordnung unpfändbar.

Im Insolvenzverfahren: Wie viel von der Rente darf gepfändet werden?

Die nicht pfändbare Summe der Rente nennt sich auch Pfändungsfreigrenze und beträgt für das Jahr 2022/2023 genau 1339,99 Euro. Wer weniger Rente bekommt, muss mit gar keiner Pfändung rechnen und kann sein Einkommen behalten.

In einer Pfändungstabelle, die das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) regelmäßig herausgibt, können Betroffene, deren Einkommen über 1339,99 Euro liegt, einsehen, wie viel ihres Einkommens in einem Insolvenzverfahren gepfändet werden kann. Den Unterschied macht hier bereits 1 Cent. Wer 1340 Euro Rente bekommt, muss den Mindestbetrag von 6,89 Euro abgeben. Danach geht es in 10er-Schritten aufwärts. Von einem Einkommen ab 1350 Euro werden 13,89 Euro gepfändet, ab 1360 Euro Rente gehen 20,89 Euro ab, bei 1370 Euro 27,89 Euro und so weiter.

Am meisten Verlust machen demnach Rentner, die genau 1340 Euro Rente bekommen. Ihnen bleiben nach Abzug des pfändbaren Betrags noch genau 1333,11 Euro zum Leben, wohingegen Rentner mit einem Einkommen von 1339,99 Euro ihre ganze Rente behalten dürfen.

Ausnahmen: Wichtig für Rentner bei Insolvenzverfahren

Die Pfändungsfreigrenze liegt bis zum Juli 2023 noch bei 1339,99 Euro, kann im Einzelfall allerdings erhöht werden, wenn der Betroffene zum Beispiel Unterhalt zahlen muss. Wenn der Schuldner für eine Person unterhaltspflichtig ist, liegt der Freibetrag bei 1839,99 Euro, bei zwei Personen bei 2109,99 Euro. Bei drei Personen, für die Unterhalt fällig ist, liegt die Freigrenze bei 2389,99 Euro, bei vier Personen bei 2669,99 Euro und bei fünf Personen bei 2949,99 Euro.

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Eine weitere Regelung, von der Rentner profitieren, ist, dass sie während des Insolvenzverfahrens nicht arbeiten müssen. Im Gegensatz zu Schuldnern im Arbeitsalter, die während des Verfahrens einer Beschäftigung nachgegen müssen, um am Schuldenabbau zu arbeiten, sind Rentner von dieser Erwerbsobliegenheit befreit. Wer im gesetzlichen Rentenalter ist, oder aus gesundheitlichen Gründen Rente bekommt, muss weder arbeiten noch eine Arbeit suchen.

Wichtig: Auch ein Insolvenzverfahren ist mit Kosten verbunden. Die Gerichtskosten und die Kosten für den Insolvenzverwalter werden aus der Insolvenzmasse, dem gesamten pfändbaren Vermögen des Antragstellers, bezahlt. Sollte das Insolvenzverfahren aber scheitern und die Schuldbefreiung versagt werden, kann das Gericht die Stunden auch in Rechnung stellen. Darüber hinaus kosten auch Schuldnerberater und Anwälte Geld. Allerdings gibt es auch gemeinnützige Träger und Organisationen, die kostenlose Beratungen anbieten.

Rubriklistenbild: © Jonas Walzberg/dpa/Illustration

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