1. 24hamburg
  2. Verbraucher

Burkini, Bikini oder ganz ohne? Änderungen in Hamburg möglich

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

In Grenoble dürfen Frauen in Zukunft baden, wie sie wollen. Auch in Göttingen gibt es jetzt Oben-Ohne-Tage. Vorbilder für Hamburg?

Hamburg – Wie viel oder wie wenig Haut darf Frau im Schwimmbad zeigen? Europaweit wird diese Diskussion seit Jahren hitzig geführt. Nun erlaubt die französische Stadt Grenoble Frauen den Oben-Ohne Besuch im Schwimmbad. Doch auch ganz bedeckt dürfen sich in der 160.000 Einwohner-Stadt am Fuß der französischen Alpen nun in öffentlichen Bädern und Schwimmhallen zeigen. Denn die Stadt gestattet auch das Tragen des muslimischen Ganzkörperanzugs Burkini (einem Kofferwort aus Burka und Bikini). Die Verwaltung wolle den Frauen nicht mehr vorschreiben, was diese zu tragen haben, wie es der Tagesspiegel formuliert.

Ab dem 01. Juni 2022 tritt die neue Bäderverodnung nun in Kraft. Den Kritikern gefällt das nicht. Könnte es zu einer derartigen Regelung auch in Hamburg kommen?

Name:Bäderland GmbH
Gründung:Januar 1995
Bäder:27 Hallen- und Freibäder
Umsatz:etwa 31 Millionen Euro (2018)

Bikini im Schwimmbad: Änderungen in Frankreich beschlossen

In Frankreich hat die vor kurzem erlassene Verordnung um Bikini und Co. im Schwimmbad für heftigen Wirbel gesorgt - und zwar bis ganz oben. Wie mehrere Medien, darunter das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, übereinstimmend berichteten, kündigte Frankreichs Innenminister  Gérald Darmanin an, gegen die Bestimmung juristisch vorzugehen. Er warf dem grünen Bürgermeister Grenobles, Eric Piolle, eine im Widerspruch zu den Werten Frankreichs stehenden Provokation vor. Diese sei inakzeptabel. Das Ergebnis der Abstimmung im Stadtrat Grenobles am 16. Mai 2022 fiel denkbar knapp aus: 29 Stimmen sprachen sich für eine Änerung aus, 27 dagegen. 2 Abgeordnete enthielten sich.

Eigentlich ist es uns egal, ob es ein körperbedeckender Badeanzug ist zum Schutz vor der Sonne oder aus religiösen Gründen, das geht uns nichts an.

Eric Piolle, Bürgermeister von Grenoble

Bikini im Schwimmbad: Ohne Oberteil in Göttingen – „ungewöhnlich viele Badegäste“

Auch in der niedersächsischen Stadt Göttingen dürfen Frauen oben-ohne ein öffentliches Bad besuchen. Seit dem 01. Mai 2022 läuft eine Testphase, in denen Frauen an zwei Tagen in der Woche oben-ohne Schwimmen erlaubt ist. „Und das soll eine positive Neuigkeit sein? Frauen sollten im Schwimmbad immer ihre Brüste zeigen dürfen“, kommentiert Kreiszeitungs-Redkateurin Jennifer Köllen.

Das können Frauen - und jene Mitbürger und Mitbürgerinnen die sich als Frauen identifizieren - jetzt zumindest jeweils am Sonnabend und Sonntag noch bis mindestens 31. August 2022 eine durch die Göttinger Sport- und Freizeitgesellschaft betriebene Schwimmstätte oberkörperfrei aufsuchen. „Ungewöhnlich viele Badegäste“ beim ersten oben-ohne Schwimmen habe er beobachtet, so der Geschäftsführer des Betreibers, Andreas Gruber. Von der neuen Möglichkeit sei auch Gebrauch gemacht worden, allerdings - und verständlicherweise so Gruber - noch zögerlich.

24hamburg.de Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Bäderland Hamburg: „Übliche Badekleidung“ vorgeschrieben

Auch in Hamburg wird die Diskussion, ob auch Frauen oben-ohne schwimmen dürfen, schon seit Jahren geführt und flammt verlässlich zu jeder Badesaison neu auf. So versicherte etwa im November des vergangenen Jahres ein Sprecher der Bäderland GmbH, die in Hamburg 27 Frei- und Hallenbäder betreibt - darunter die Alster-Schwimmhalle die zurzeit noch saniert wird - gegenüber der Hamburger Morgenpost, dass Frauen mit dem Start der neuen Saison in Hamburg auch weiterhin nicht oben-ohne Schwimmen dürften. Dass sich Frauen in Hamburger Schwimmbädern bedeckt halten müssen, steht zwar nirgendwo geschrieben.

Doch, dass Bikinis oder Badeanzüge zu tragen sind, lässt sich aus der Haus- und Badeordnung des Betreibers Bäderland herauslesen. Dort heißt es, dass „der Aufenthalt im Nassbereich der Bäder nur in üblicher Badekleidung ohne Taschen gestattet“ ist. Zwar ist die „übliche Badekleidung“, die in Hamburger Schwimmbädern zu tragen ist, nicht genauer definiert. Dass zu viel Haut oder das Tragen eines Burkinis im Schwimmbad jedoch unüblich sind, dürfte niemand abstreiten.

Frauen im Burkini und Bikini vor dem Hallenbad Hamburg St. Pauli.
Diskussion um Burkini, Bikini und Co.: In Hamburg ist meist „übliche Badekleidung“ vorgeschrieben. © Christian Charisius/Subel Bhandari/dpa/imago/Montage

Burkini, Bikini oder ganz ohne? „Wir schauen uns im Bad an, wie die Leute angezogen sind“

Angesprochen auf mögliche Änderungen bei der Kleiderordnung wird Bäderland-Pressesprecher Michael Dietel im Hamburger Abendblatt mit folgenden Worten zitiert: „Wir gucken, was mehrheitlich gesellschaftlicher Konsens ist. Wir schauen uns im Bad an, wie die Leute angezogen sind.“ Änderungen stehe man nicht im Weg, führt Dietel aus, fügt aber an dass es dafür einen gesellschaftlichen Diskurs bedarf. Heißt: Von sich aus wird Bäderland die Kleiderregelungen in Hamburg nicht ändern. „Wenn das Oben-ohne-Baden in Göttingen losgeht, ist das ja vielleicht ein Anfang – vielleicht aber auch nur eine Eintagsfliege. Das muss man dann mal sehen“, so Dietel.

Burkinis in Deutschland: Das sagt der Gesetzgeber

Schon seit Jahren wird ebenso die Burkini-Diskussion hitzig in Deutschland geführt. Dabei gibt es auch hierzulande Burkini-Befürworter und -Gegner, Letztere werfen den Trägerinnen und Verfechtern unter anderem eine schleichende Islamisierung vor. Das Tragen von Burkinis bei Frauen ist keinesfalls pauschal verboten. Immer wieder haben einzelne Gemeinden Burkini-Verbote für ihre Frei- und Hallenbäder entlassen; so etwa 2016 das bayrische Neutraubling. Ebenso wurden entsprechende Bestimmungen auf juristischem Weg wieder gekippt. So berichtet etwa Die Welt von einem diesbezüglichen Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz, der eine entsprechende Regelung der Koblenzer Stadtverwaltung 2019 wieder einkassierte. Angeführt wurde hier eine Verletzung der Glaubensfreiheit.

Hamburg: Diese Badegelegenheiten gibt es

Trotz der derzeitigen Temperaturen von weit über 20 Grad haben derzeit in Hamburg lediglich zwei Freibäder geöffnet. Wo man in Hamburg und Umgebung trotzdem schon schwimmen kann, steht hier.

Auch interessant

Kommentare