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„Bespuckt und bepöbelt“: Tafel Helmstedt schließt wegen Kunden-Anfeindung

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Von: Bona Hyun

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Helfer vieler Tafeln sind überlastet – bei steigender Nachfrage werden die Lebensmittel knapper. Kunden werden handgreiflich. Droht eine Schließung?

Helmstedt – Die Helfer der Hamburger und Helmstedter Tafeln sind überlastet. Die Kundennachfrage steigt, zugleich werden die Lebensmittel knapper. Bedürftige erhalten nur noch kleine Portionen an Ausgabestellen – das führt zu Reibungen. Kunden feinden die Helfer an, werden handgreiflich und bespucken die Ehrenamtlichen. Die Tafeln fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Die Situation ist angespannt, wie noch nie zuvor.

Gemeinnützige OrganisationHelmstedter Tafel e.V.
Adresse:Magdeburger Tor 17, 38350 Helmstedt
Telefon:01523 2057506

Tafel Helmstedt schließt vorübergehend „Werden bespuckt und bepöbelt“

Auch die ehrenamtlichen Helfer der Tafel Helmstedt arbeiten am Limit. Supermärkte verkaufen ihre übrig gebliebenen Produkte vermehrt selber und geben weniger an die Tafeln ab. Früher sei dies anders gewesen, denn die Portionen hätten für einen Wocheneinkauf entsprochen. „Die Menschen stehen vor uns, und wir haben nichts, was wir ihnen geben können. Einen Apfel kann man nun einmal nicht durch zehn Kunden teilen“, sagten Nadine Kummert und Anja Sievers von Vorstand der Tafel Helmstedt der Braunschweiger Zeitung. Die Folge: Verärgerte Kunden werden handgreiflich – trotz der Bitte, ruhig zu bleiben.

Eine Helferin der Tafel trägt eine Kiste mit Obst und Gemüse
Mitarbeiter der Tafeln sind überlastet: Die Nachfrage steigt bei knapper werdenden Lebensmitteln. Kunden werden handgreiflich anfeindend. (Symbolbild) © Felix Kästle/dpa

Es würden auch „Sachen herumfliegen“ und man würde „angepackt“ werden, berichtete Dominik Gruber von der Tafel Helmstedt gegenüber dem NDR. Ähnliches erleben Verkäufer im Einzelhandel – auch sie werden angespuckt, weshalb die Verkäufer am Ende ihrer Kräfte sind. Die ehrenamtlichen Helfer der Tafel Helmstedt finden das Kundenverhalten bedauerlich. Schließlich würden sie den Menschen helfen – und wollen dies auch weiterhin tun. Doch mittlerweile haben sie ihre Grenzen erreicht. Die Stimmung sei immer ungehaltener und aggressiver geworden, deshalb schließen sie die Tafel laut NDR für eine Woche. 

Viele Tafeln werden schließen – trotz steigender Nachfrage

Zeitgleich steigt die Nachfrage, da immer mehr Kunden auf die Hilfe der Tafel angewiesen sind. Die Kundenanzahl der Tafel Helmstedt hat sich dem NDR zufolge in wenigen Wochen verdoppelt. Die Folge: Mehrere anderer Tafeln schließen ihre Ausgabestellen. Mit dem Aufnahmestopp wollen die Tafeln vor allem der Öffentlichkeit und Politik auf das Problem aufmerksam machen, so Frank Löffler vom Landesverband Tafeln gegenüber dem NDR.

Auch Tafel Hamburg stoppt Ausgaben wegen Lebensmittelknappheit

Von steigenden Kundenanfragen berichtete auch die Hamburger Tafel. Der Ukraine-Krieg und die gestiegenen Spritpreise erschweren zudem das Hilfsangebot der Hamburger Tafel. Die Mitarbeiter sind aktuell überlastet. Die Situation sei so angespannt wie noch nie. Bei den Kunden handele es sich häufig um Familien mit geringem Einkommen und um ältere Menschen mit kleiner Rente. Für die Schutzsuchenden aus der Ukraine hat die Hamburger Tafel eine Extra-Ausgabestelle, wo sie Lebensmittel für Ukrainer entgegennimmt. Nun gelten für viele der 31 Lebensmittel-Ausgabestellen ein Aufnahmestopp und Wartelisten, wie Geschäftsführer Jan Henrik Hellwege gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärte.

Zwar hätten viele Privatpersonen die Hamburger Tafel mit Lebensmittelspenden unterstützt, doch langfristig hoffen die Helfer auf Beihilfe aus der Industrie und dem Handel. Den Tafelstandort in Bergedorf erreichen derzeit doppelt so hohe Anfragen. „Wir sind jetzt an der Grenze dessen, was wir leisten können“, wird Ulrike Eckert-Riecke, stellvertretende Vorsitzende und Leiterin der Ausgabe bei der Tafel Bergedorf vom Abendblatt zitiert. Die Schichten seien körperlich fordernd. Eckert-Riecke und ihre Mitarbeiter fühlen sich von der Politik alleine gelassen und überfordert. Um die Bürger zu entlasten, hatte die Politik bereits Maßnahmen wie das HVV 9 Euro Ticket eingeführt.

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