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5xD bei Lidl: Nur noch Fleisch aus Deutschland – was Kunden jetzt wissen müssen

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Von: Kevin Goonewardena

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Als erster Lebensmittelhändler führt Lidl die neue 5D-Regelung auf Fleisch- und Wurstprodukte bundesweit ein. Was das für die Kunden bedeutet.

Hamburg – Als erstes Unternehmen wird Lidl zukünftig bundesweit auf die in der Vergangenheit auch von anderen Lebensmittelhändlern diskutierte „5 x D“-Regel, übersetzt etwa „5 x Deutschland“, setzen. Kurz auch „5D“ genannt. Das kündigte der weltweit größte Discounter in einer Pressemitteilung an. Die „5D“-Regelung betrifft alle Fleisch- und Wurstwaren und soll in allen bundesweit 3200 Filialen Lidls eingeführt werden. Statt Billigfleisch aus dem Ausland zu importieren, setzt der Handelsriese (Umsatz 2021: rund 100 Milliarden Euro) zukünftig ausschließlich auf heimische Produktion.

Name:Lidl Stiftung & Co. KG
Gegründet:1932
Anzahl Filialen:mehr als 11.000 (in mehr als 30 Ländern)
Anzahl Beschäftigte:mehr als 340.000 (weltweit)
Umsatz:100,8 Milliarden

5xD bei Lidl: Dafür steht die 5D-Regelung

Alle Schritte der Fleisch- und Wurstwarenproduktion werden zukünftig in Deutschland stattfinden. 5D steht dabei für die fünf Stadien Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Verarbeitung der Tiere. Bisher galt für die Produkte unter anderem der Lidl-Eigenmarke „Metzgerfrisch“ die 4D-Regelung.

Jene hatte häufig dafür gesorgt, dass die Tiere aus dem Ausland nach Deutschland gebracht und dort weiter verarbeitet wurden. Die langen Transportwege der Tiere, die überwiegend aus Osteuropa stammen, führen dabei nicht nur zur Belastung der Umwelt, sondern auch zu Belastung der Tiere selbst.

5xD Regel bei Lidl: Deswegen wird die 5D-Regel eingeführt

Wie Lidl bekannt gab, wolle man mit der Regelung insbesondere Kundenwünschen entgegenkommen. Das berichtet das Verbraucherportal Chip 365. Der Wunsch nach lokaler Produktion sei in der Vergangenheit immer wieder an das Unternehmen herangetragen worden. Lidl gab außerdem an, dass die deutsche Produktion auch dem allgemeinen Tierwohl und der deutschen Landwirtschaft zugutekommen würde. Denn die deutschen Schweinebauer haben seit geraumer Zeit mit anhaltend tiefen Preisen und extrem hohen Kosten zu kämpfen, die dafür sorgen, dass sie als Erzeuger kaum mehr etwas verdienen.

Fleisch in der SB-Fleischtheke einer Lidl-Filiale
Lidl wird als erster deutscher Lebensmittelhändler bundesweit auf die neue 5D-Regelung bei Schweinefleisch umstellen. Auch Aldi, Rewe, Penny & Co werden bei ihren Produkten auf 5D umstellen © Agrar Press / dpa

Die MDR-Dokumentation „Die Schnitzel-Krise – Warum immer mehr Schweinezüchter aufgeben“ beleuchtet die vielfältigen Gründe für die tiefe Krise, in der die Schweinefleischproduzenten hierzulande stecken, nennt Gründe und Auswege aus der Situation. Die Einführung einer verpflichtenden 5D-Regelung, ist dabei keinesfalls ausschließlich dem Wunsch der Verbraucher nach mehr Regionalität der Produkte geschuldet. Vielmehr einigten sich laut „Agrar Heute“ der Handel, verarbeitende Betriebe und Großverbraucher auf die 5D-Regelung, als Schritt aus der Krise.

Achten Sie beim Einkaufen darauf, dass das Schweinefleisch in Deutschland erzeugt, gemästet und am Ende bei Euch im Laden landet.

Landwirt Gerhard Langreiter wird in dem Fachportal Agrar Heute zitiert

5xD Regel nicht nur bei Lidl: Das planen Aldi, Rewe, Penny & Co

Zwar hat Lidl als erster Händler die bundesweite Umstellung des Fleisch- und Wurstsortiments seiner Filialen auf Produkte, die die 5D-Regel erfüllen, angekündigt. Die Regelung und Pläne für deren Umsetzung sind allerdings keineswegs neu. Bis Ende des Jahres will auch Lidl-Mitbewerber Aldi die „komplette Wertschöpfungskette bei Schweinefleisch“ der angebotenen Produkte auf 5D umstellen.

Die komplette Wertschöpfungskette bei Schweinefrischfleisch – von der Geburt bis zur Verarbeitung – wird in Deutschland stattfinden

Der Discounter Aldi über Twitter zur Einführung der 5D-Regelung

Bis Ende Juli 2022 wollen auch Rewe und Penny ihr Angebot auf 5D umstellen. Laut „top agrar“ solle das Schweinefleisch bei Rewe allerdings nicht zu 100, sondern nur 95 Prozent komplett aus deutscher Produktion stammen.

Nicht nur 5D: Weitere Maßnahmen zum Schutz des Tierwohls geplant

Auch andere Neuerungen für mehr Tierwohl sind geplant, die betreffen, dem Wunsch der Händler nach, den Verzicht von Produkten aus den Haltungsformen 1 und 2. Die Haltungsform 1 (Stallhaltung, „Rot“) schreibt lediglich Mindestanforderungen an die Haltungsbedingungen vor.

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Gegenüber diesen Mindestanforderungen, haben sich die Bedingungen bei Haltungsform 2 (Stallhaltung Plus, „Blau“) nicht wesentlich verbessert. So sind Rinder im Stall nicht mehr angebunden und statt 26 teilen sich 23 Hühner einen Quadratmeter Platz. Bis 2030 will Aldi Nord auf die Haltungsformen 3 und 4 bei Produkten seines Frischfleischsortiments umstellen, berichtet Der Westen.

5xD bei Lidl: Werden Produkte jetzt teurer?

Die flächendeckende Umstellung der Fleisch- und Wurstprodukte bei Lidl in Deutschland auf die Kriterien der 5D-Regelung ist bereits in vollem Gange. Mit der neuen Regelung soll unter anderem der Import von Billigfleisch verhindert und die deutsche Landwirtschaft gestärkt werden. Dass die Preise für Schweinefleisch auch aus diesem Grund in Zukunft weiter ansteigen werden, ist nicht auszuschließen. Doch auch ohne 5D-Regelung bleibt Fleisch teuer.

Die Branche, so formuliert es das Magazin Focus, müsse sich gleich mit mehreren Trends auseinandersetzen, die wohl nicht mehr umzukehren seien. Dazu gehören der Krieg in der Ukraine und die teilweise mit dieser zusammenhängenden Teuerung von Energie, Preisanstiege bei Benzin, Diesel, die sich seit Monaten auf Rekordhöhe befinden und Futtermitteln. Aber auch die Bedrohung der Weideflächen durch den Klimawandel, die Anfälligkeit von Massentierhaltung für Seuchen und der sich gegen den Fleischkonsum richtende Zeitgeist, seien Trends, für deren Auswirkungen die Branche Lösungen finden müsse.

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