1. 24hamburg
  2. Verbraucher

Mysteriöse Invasion: Weiße Quallen verstopfen das Mittelmeer

Erstellt:

Von: Steffen Maas

Kommentare

Vor der Küste Israels tauchen Massen fremdartiger Quallen auf und punkten das Meer weiß. Sie sind gefährlich für Menschen, Umwelt – und die Wirtschaft.

Haifa, Israel – Wie in einem Horrorfilm verwandelt sich das paradiesische hellblaue Wasser vor der Küste der israelischen Hafenstadt Haifa in eine weiß gepunktete Leinwand. Der Übeltäter ist eine tropische Quallenart, die über den Suezkanal ins Mittelmeer strömt und dort Menschen verletzt, das Ökosystem durcheinanderwirbelt und sogar für Probleme bei der Energieversorgung sorgt. Die israelische Naturbehörde warnt jetzt – und rätselt über die Beweggründe der mysteriösen Quallenschwärme.

Hafenstadt:Haifa
Land:Israel
Fläche:63,33 Quadratkilometer
Bevölkerung:279.247

Quallen im Mittelmeer: Giftig für Menschen

Für Touristen sind solche Beweggründe aber erst einmal egal. Denn die Nomadenqualle ist giftig und sorgt bei Menschen für schmerzhafte Hautverletzungen. Da die kleinen Meerestiere nicht nur zu zehntausenden die Boote auf dem Meer umzingeln, sondern es auch bis an Land schaffen, ist für Badegäste oberste Vorsicht geboten, wie die Times of Israel berichtet.

Das ist natürlich ein Dorn im Auge, beziehungsweise Stachel unter der Haut, der israelischen Tourismusbranche, die viele abgeschreckte Gäste verliert. Geschätzter Schaden bisher: 10 Millionen Euro. Auch die örtlichen Fischer sind sauer, da die Quallen den heimischen Fischen das Futter wegschnappen. Den Frust über nautische Einwanderer teilen sie mit ihren türkischen Kollegen, wo zuletzt ein giftiger Kugelfisch für Unmut und Angst bei den Mittelmeer-Badegästen gesorgt hat.

Nomadenqualle: Aus dem Roten Meer nach Israel

Doch auch kritische Infrastruktur in Israel wird durch die glitschigen Einwanderer schon beeinträchtigt. Weil die Quallen Rohre und Leitungen verstopfen, bringen sie den Betrieb von Entsalzungsanlagen und sogar von Kraftwerken zum Stocken. Doch warum die riesigen Schwärme der tropischen Quallenart die lange Reise aus dem Indischen Ozean und Roten Meer antreten, ist nicht wirklich klar.

Eine Nomadenqualle im Wasser.
Die Nomadenqualle ist eine invasive Spezies, die sich immer mehr im Mittelmeer ausbreitet. Sie gelangt aus dem Indischen Ozean über den Suezkanal dorthin. © Ibrahim Chalhoub/AFP

Sicher scheint, dass viele Handlungen der Menschen begünstigt haben, dass die Nesseltiere den Weg ins Mittelmeer suchen: Verschmutzung des Wassers, Ausrottung der Fressfeinde und vor allem der Klimawandel tragen dazu bei, dass die Rhopilema nomadica, so der wissenschaftliche Name der Nomadenqualle, auch im Mittelmeer optimale Bedingungen zur Ausbreitung vorfindet. Sicher ist: Dass die Wassertemperatur aufgrund der Klimakrise Jahr für Jahr steigt, lässt auch die Population der Quallen wachsen. Hohe Temperaturen sorgen auch in Badeseen dafür, dass die Blaualgenkonzentration dramatisch ansteigt.

Beweggründe unklar: Hat der Mond einen Einfluss?

Doch was es exakt ist, das die Tiere antreibt und wann genau man mit der Invasion der Schwärme rechnen kann, ist Forschern aber nach wie vor nicht bekannt. Vor lauter Verzweiflung schaute man dabei schon in den Himmel. Im Jahr 2016 untersuchten Wissenschaftler der University of Haifa, wann die Quallen für besonders viele Probleme bei den Kraftwerken sorgten.

24hamburg.de-Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Ein überraschendes Ergebnis: Es gab einen Zusammenhang zwischen den Mondphasen und dem Auftreten der Quallenschwärme. Hoffentlich haben die Forscher zuletzt während des Supermonds nochmal ganz genau hingeguckt

Auch interessant

Kommentare