Vorbereitungen für neue Versuche laufen

Hamburg: Skandal-Labor quält weiter Tiere – Soko Tierschutz im Kampf gegen LPT in Neugraben

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Das Tierversuchslabor „Laboratory of Pharmacology and Toxicology“ (LPT) in Hamburg-Neugraben darf unter Auflagen seinen Betrieb wieder aufnehmen. Das Labor war in der Vergangenheit in einen großen Tierquälerei-Skandal verwickelt. Jetzt bereiten sie wieder neue Tierversuche vor. Die Soko Tierschutz protestiert vehement gegen die Wiedereröffnung.

  • Hamburg: LPT-Labor in Neugraben darf wieder Tierversuche durchführen.
  • Die Vorbereitungen für neue Versuche laufen bereits.
  • Mitglieder der Soko Tierschutz wollen gegen LPT vorgehen.

Hamburg/Neugraben – In den vergangenen Monaten sorgte das umstrittene Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT), ein bekanntes Auftragslabor für Tierversuche in Deutschland, für jede Menge negative Schlagzeilen. So verbreiteten sich im Jahr 2019 grausame Bilder von Tierversuchen an Affen, Hunden und Katzen aus dem LTP-Labor Mienenbüttel (Niedersachsen). Die Soko Tierschutz veröffentlichte diese Aufnahmen damals, Tierschützer gingen auf die Barrikaden und demonstrierten gegen das Skandal-Labor.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,899 Millionen (30. Dez. 2019)
Vorwahl:040
Bürgermeister:Peter Tschentscher

LPT-Labor in Hamburg-Neugraben darf wieder Tierversuche durchführen

Die Konsequenz: Das LPT-Labor in Mienenbüttel (Landkreis Harburg) musste dicht machen. Im Februar 2020 wurde dann auch das LPT-Labor am Hauptsitz in Neugraben geschlossen. Doch nun wurde die Wiederaufnahme des Betriebs im Labor verkündet. Gegenüber der Mopo bestätigte das LPT-Labor in Neugraben Anfang September, dass die Vorbereitungen für Tierversuche an Mäusen und Ratten bereits laufen.

Das LPT-Labor in Hamburg-Neugraben darf wieder öffnen, die Vorbereitungen für neue Tierversuche laufen bereits. Friedrich Mülln (Soko Tierschutz) verurteilt das Unternehmen stark. (24hamburg-Montage)

Das Oberverwaltungsgericht Hamburg erlaubte die Wiederaufnahme des Betriebs am Hauptstandort vor allem deshalb, weil es im Unternehmen einen Geschäftsführerwechsel gab. Auf Nachfrage der Mopo, inwiefern der alte LPT-Geschäftsführer seinem Nachfolger Anordnungen gebe, antwortete das Unternehmen: „Der neue Geschäftsführer unterliegt im Bereich des Tierschutzes ebenso wie der neue Tierschutzbeauftragte keinen Weisungen Dritter“. Weiterhin wurde bei LPT auch der Tierschutzbeauftragte ausgetauscht und neue Tierversuchsleiter eingestellt.

Weiterhin geschlossen bleibt allerdings das LPT-Labor in Mienenbüttel. Nach Angaben des Unternehmens sei nicht geplant, zukünftig Versuche an Hunden oder Affen in Mienenbüttel durchzuführen. Wie der NDR berichtete, hatte LPT im Februar 2020 eine Klage gegen den Landkreis eingereicht, um sich gegen die Schließung zu wehren. Mit einer Entscheidung über die Klage sei aber erst in ein bis zwei Jahren zu rechnen.

Wann genau die Versuche am Hauptsitz Hamburg-Neugraben wieder aufgenommen werden, ist noch nicht bekannt. Allerdings erklärte das LPT-Presseteam: „Die in-vitro-Versuche und andere Alternativmethoden, die vor den Versuchen an Tieren stehen, sind bereits angelaufen“. Das Tierversuchslabor darf nur unter bestimmten Auflagen wieder öffnen, das berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Demnach müsse das Labor in Zukunft konkrete Nachweise über die Verfassung der Tiere liefern. Weiterhin seien strengere Kontrollen geplant.

Tierversuche im LPT-Labor Hamburg-Neugraben: Tierschützer von Soko Tierschutz empört

Tierschützer kritisieren die Wiederöffnung des LPT-Labors in Hamburg harsch und prangern insbesondere die rot-grüne Koalition der Hansestadt für die jahrelange Duldung der Missstände in den LPT-Laboren an: „Dass sich Hamburg von billigen Personalrochaden des LPT offenbar beschwichtigen lässt und nicht einmal die Strafverfahren, insbesondere wegen über ein Jahrzehnt lang, mutmaßlich gefälschten Tierversuchsstudien abwartet, ist ein Skandal. Das zeigt, dass im rot grünen Hamburg der Profit mit überholten Tierversuchen vor dem Schutz der Menschen und Tiere steht“, bemängelt Friedrich Mülln, Vorsitzender der Soko Tierschutz, in einer Pressemitteilung.

Als „reine Kosmetik“ bezeichnen die Tierschützer die angekündigten Verbesserungen in den LPT-Tierversuchslaboren und nennen das Unternehmen eine „Schande für den Forschungs- und Entwicklungsstandort Deutschland“. Soko Tierschutz hat bereits Maßnahmen gegen alle Firmen angekündigt, die mit LPT zusammenarbeiten. „Wir bereiten eine schwarze Liste vor. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, welche Pharma- und Chemiefirmen im LPT Tiere quälen lassen“, erklärt Friedrich Mülln.

LPT in Hamburg: Bekannt für Tierversuche mit Botox

Bekannt ist LPT vor allem für seine Botox-Versuche an Tieren. Das Nervengift Botulinumtoxin ist hauptsächlich als Faltenkiller und Verjüngungsmittel bekannt, wird aber auch für medizinische Zwecke eingesetzt. Nach Informationen von Ärzte gegen Tierversuche wird für die Botox-Forschung allein in Europa jährlich mit mehr als 400.000 Mäusen experimentiert. Im Jahr 2019 fanden bei LPT 46.800 Versuche an Mäusen statt, die von der Firma Sloan Pharma in Auftrag gegeben wurden.

Doch LPT ist nicht der einzige Standort in Hamburg, an dem Tierversuche durchgeführt werden. Auch das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE)* steht schon länger wegen seiner Tierversuchslabore bei Tierschützern in der Kritik*. 24hamburg.de/tiere berichtete über verschiedene Demo-Aktionen.

Nachdem die Soko Tierschutz im Oktober 2019 die grausamen Zustände im LPT-Labor Mienenbüttel aufgedeckt hatte, machte die Organisation erst kürzlich ein weiteres Video aus einem Schlachthof bei Stuttgart* öffentlich und sorgte damit ebenfalls für jede Menge Aufsehen. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © SOKO Tierschutz e.V./Sven Hoppe/dpa/picture alliance

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