Falsche Geschenke

Weihnachten: Hunde als Geschenk? Hamburgs Senat prangert Tierhandel an

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Der illegale Tierhandel boomt – insbesondere zu Weihnachten. Doch die Hamburger Senatorin Anna Gallina (Grünen) und Tierschützer wollen dem nun ein Ende setzen.  

  • Hunde, Katzen und Co. sind beliebte Weihnachtsgeschenke.
  • Verbraucher- und Tierschützer warnen vor illegalem Handel.
  • Hamburger Initiative soll Kriminellen das Handwerk legen.

Hamburg – Ob Meerschweinchen, Katze oder Hund: Besonders zu Weihnachten wünschen sich viele Kinder ein Haustier. Doch die Hamburger Verbraucherschutzbehörde und der Tierschutzverein der Hansestadt Hamburg appellieren an die Bevölkerung, zu Weihnachten keine Tiere zu verschenken. Zwar verstärke die Corona-Pandemie den verständlichen Wunsch vieler Menschen nach einem Haustier, teilte Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina (Grüne) mit. Doch wer sich ein Tier anschaffe, übernehme damit Verantwortung für ein Lebewesen für viele Jahre. „Der Kauf eines Tieres muss daher gründlich vorbereitet und überlegt sein“, sagte sie.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Vorwahl:040

Der Vorstoß hat einen ernsten Hintergrund: So blüht der illegale Tierhandel rund um die Metropole. Täglich werden hunderte Hundewelpen auf anonymen Internetportalen zu Tiefstpreisen verkauft. Aber auch unter den Ebay-Kleinanzeigen, die auch viele seriöse Anbieter nutzen, finden sich betrügerische Angebote. Oftmals werden die Tiere ohne eine Chance auf Rückverfolgung aus osteuropäischen Aufzuchtstationen verschickt und an seltsamen Orten wie Autobahn-Raststätten oder Bahnhöfen übergeben.

Illegaler Tierhandel: Verbraucher sollten sich nicht von niedlichen Bildern verführen lassen

Das Problem: Die Tiere werden unter erbärmlichen Bedingungen gehalten, sind oft krank und sterben nach kurzer Zeit bei ihren neuen Besitzern – die häufig auf teuren Tierarztrechnungen hängenbleiben.

Erst kürzlich hatte ein illegaler Tierhandel-Fall aus Bremen* für Aufmerksamkeit gesorgt. Dort hatte ein Mann am Hauptbahnhof einen im Internet gekauften Rotweiler in Empfang genommen. Nachdem das Tier ihn aber gebissen hatte, band er den Hund am Bahnsteig an und ließ ihn dort zurück.

Hundewelpen sind süß aber kein Geschenk: Tierschützer raten vom schnellen Internetkauf vor Weihnachten ab. (24hamburg.de-Montage)

Hamburger Tierschützer schlagen deshalb nun Alarm.  „Solange immer noch Hundewelpen im Internet gekauft werden, blüht der illegale Tierhandel. Die Anzeigen mögen einen seriösen Eindruck machen – doch nur, weil die Händler immer skrupelloser betrügen“, warnte Janet Bernhardt, Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins, in einer gemeinsamen Presseerklärung mit Senatorin Gallina. Interessenten sollten sich nicht von niedlichen Bildern verführen lassen und auf keinen Fall Tiere mit unbekannter Herkunft übernehmen. „Wer ein ernsthaftes Interesse an einem Hund hat, sollte sich stattdessen in aller Ruhe – zum Beispiel im Tierheim – nach einem passenden Familienmitglied erkundigen und sich vorab beraten lassen“, riet Bernhardt.

Internethandel: Initiative fordert Verbot von anonymen Plattformen

Tierschützer fordern schon lange, dass den Betrügern das illegale Handwerk gelegt wird. Aus Hamburg bekommen sie nun Unterstützung. So haben die rot-grünen Regierungsfraktionen in der Hamburger Bürgerschaft Anfang November eine Initiative gestartet. In einem Antrag fordern sie den Senat auf, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass der illegale Handel auf anonymen Internetplattformen verboten wird. Die Einrichtung eines zentralen Registers für Online-Tierhändler und eine Identitätsprüfung aller Verkäufer soll nach den Vorstellungen der Abgeordneten Licht in die dunkle Schattenwelt bringen, um Tiere besser vor nicht artgerechter Haltung zu schützen.

„Wir brauchen eine verpflichtende Identitätsprüfung beim Online-Tierhandel. Nur so kann verhindert werden, dass durch unbedachte Spontankäufe per Mausklick das skrupellose Geschäft mit Hundewelpen und anderen beliebten Heimtieren aufrechterhalten wird“, sagte die Grünen-Abgeordnete Christiane Blömeke der „Mopo“.

Senatorin warnt: Schnellkäufe landen oftmals im Tierheim

Bis zur einer Entscheidung auf Bundesebene kann es aber noch dauern. Solange setzen die Tier- und Verbraucherschützer auf die Vernunft eines jeden einzelnen Tierliebhabers. Vor einem Kauf sollte unbedingt die Herkunft geklärt werden. Ihr Appell: Tiere sollten nicht ungeprüft im Internet gekauft und auf der Straße in Empfang genommen werden. Es sei empfehlenswert, sich auch das Muttertier und eventuelle Wurfgeschwister vor dem Kauf direkt bei der Züchterin oder dem Züchter persönlich anzusehen, heißt es in der Mitteilung. Hinweise auf unseriöse Angebote kann demnach auch ein auffällig niedriger Kaufpreis, ein offensichtlich schlechter Gesundheitszustand und ein gültiger Impfpass mit nicht schlüssigen Angaben sein.

Ein schneller Internetkauf kurz vor Weihnachten verbietet sich deshalb nach Ansicht von Verbraucherschutzsenatorin Gallina. Vor einer Anschaffung sollten Familien lieber ausführlich klären, ob sie sich wirklich um ein Tier kümmern könnten. Die tiergerechte Haltung eines Vierbeiners koste Zeit, Mühe und auch Geld. „Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke“, sagte sie.

Nur wer alle Fragen ausreichend abgewogen habe, solle sich für einen Kauf entscheiden. Denn sonst passiere leider das, was immer nach den Feiertagen zu beobachten ist: Viele der tierischen Geschenke landen dann im Tierheim. Das Problem der Hunde als Weihnachtsgeschenk ist auch in Spanien nicht unbekannt*, wie costanachrichten.com berichtet. *24.hamburg.de, costanachrichten.com und kreiszeitung.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa/picture alliance

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