Demonstration in Kellinghusen

Tierschützer auf Schlachthof-Dach – Demonstranten immer dreister

  • Vivienne Goizet
    vonVivienne Goizet
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Was Aktivisten alles tun, um auf ihre Sache aufmerksam zu machen ist oft verwunderlich. Auf einem Schlachthof in Schleswig-Holstein kletterten die Demonstranten jetzt aufs Dach und machten sich dort an Rohren mit Ketten fest.

  • Über 50 Demonstranten blockierne Zufahrt zum Schlachthof.
  • Mehrere Aktivisten ketten sich auf dem Dach fest.
  • Schlachthof-Lockdown gefordert.

Kellinghusen/Schleswig-Holstein ‒ Am Montagmorgen, 02. November 2020, blockierten über 50 Menschen die Einfahrt zu einem Tönnies-Schlachthof in Kellinghusen. Sie ketteten sich am Tor fest und setzten sich in die Einfahrt. Doch die Demonstranten versperrten nicht nur für mehrere Stunden die Zufahrt zum Betrieb. Sie gingen noch einen Schritt weiter ‒ und zwar aufs Dach des Schlachthauses.

Stadt in Schleswig-Holstein: Kellinghusen
Bevölkerung: 8.142 (31. Dez. 2018)
Vorwahl: 04822
Bürgermeister: Axel Pietsch
Postleitzahl: 25548

Seit 4:30 Uhr morgens konnte kein Fahrzeug auf das Gelände des Betriebs fahren. Diese führte unter anderem dazu, dass ein Lastwagen, der Tiere geladen hatte, vor den Toren stand und nicht weiterfahren konnte. Das Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ hatte zu der Aktion aufgerufen.

Aktivisten ketten sich auf dem Dach des Tönnies-Schlachtbetriebs in Kellinghusen fest.

Die Aktionisten waren sich nach eigenen Angaben darüber im Klaren, dass die Tiere leiden würden, wenn sie länger im Transporter ausharren müssten. Dies waren sie gewillt in Kauf zu nehmen. Sie forderten aber die ordnungsgemäße Versorgung mit Wasser und Futter während der Wartezeit.

Dreiste Demonstranten klettern auf Schlachthof-Dach

Sechs Personen, meldete die örtliche Polizei, seien auf das Dach des Schlachthofes geklettert. Sie brachten dort ein Banner an mit der Aufschrift „Ausbeutung von Mensch & Tier: Solang hier Leid herrscht, kämpfen wir“. Das Ziel der Blockade sei „den Schlachtbetrieb in diesem Schlachthof aufzuhalten, und die hier verübte systematische Gewalt an Tieren zu stoppen.“.

Bilder der Demonstration auf dem Dach des Tönnis-Schlachthofs in Kellinghusen.

Gegen 09.20 Uhr melden die Besetzer im Live-Ticker auf der eigenen Website, dass man den Dachbesetzern das Megaphon weggenommen hätte und immer mehr Polizei vor Ort anrücke. Außerdem solle Pressearbeit verhindert werden.

Plakat einer Demonstration gegen Tierleid. (24hamburg.de Montage)

Der Zweck der Demo war, Angaben des Tierschutz-Bündnisses zufolge, die Fleischproduktion mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie einzustellen. In der Vergangenheit waren bereits einige Schlachthöfe als Brutstellen der Virus-Verbreitung in Verdacht *, wie 24hamburg.de berichtete.

Die konkreten Forderungen laut Blogbeitrag auf der Aktivisten-Website lauten:

  • Die Tönnis-Betriebe vergesellschaften.
  • Die Schlachtbetriebe zu solidarisch organisierten Produktionsstätten umzuorganisieren.
  • Pflanzliche Nahrungsmittel statt Tiere als Nahrungsmittel in den Betrieben herzustellen.

Auflösung der Demonstration durch Polizei ‒ Tierschützer weggetragen

Da die Demonstrierenden laut Meldung der Eutiner Einsatzkräfte die Wege selbst nach mehrmaliger Aufforderung nicht freiwillig räumen wollten, wurden Sie am späten Montagvormittag von den Beamten weggetragen. In der Nachricht der Polizeidirektion Itzehoe ist sogar von einfacher körperlicher Gewalt die Rede.

Gegen 13:30 Uhr holte die Polizei die letzten Demonstranten mittels Hebebühne vom Dach, nachdem man sie aus ihrer Ankettung freigeflext hatte.

Auf die tierschützenden Störenfriede wartet nun eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Nötigung. Schon gegen Mittag konnte der Schlachthof nach eigenen Angaben den Schlachtbetrieb wieder aufnehmen. Die blockierten Tiere waren zeitweise über die Feuerwehrzufahrt auf das Gelände geschleust worden.

Skandal-Schlachthöfe in den Nachrichten

Neben der unschönen Tierhaltung klagt das Bündnis gegen die Fleischindustrie auch die Arbeitsbedingungen an. Der Grund für vorherige Ausbrüche des Coronavirus in einigen Schlachtbetrieben war unter anderem darauf zurückgeführt worden, dass die Mitarbeiter zusammengepfercht auf einem Haufen wohnte. Die Pressemeldung des Tierschutzbündnisses ließ verlauten, Arbeiter und Arbeiterinnen auf Schlachthöfen würden „brutal ausgebeutet“ werden.

Spätestens seit dem Tönnies-Skandal stehen Schlachthöfe in sehr großer Kritik. In mehreren Betrieben, unter anderem im Emsland, war das Coronavirus ausgebrochen *. Außer Greenpeace, dem Deutschen Tierschutzbüro und PETA mischen sich auch YouTuber und YouTuberinnen in die Fleisch-Debatte * ein. * 24hamburg.de istTeil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa/picture alliance

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