Experten klären Horror auf

Ostsee: Nazi-Bomben sprengen niedliche Schweinswale – 41 Tiere tot

  • Christian Domke Seidel
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In der Ostsee sterben delphin-ähnliche Schweinswale an Explosionen von Minen. Gefährdete Tierart wird bei Sprengungen in großer Zahl getötet. Militär wegen Sprengverbot in Rage.

  • Tote Schweinswale an der Ostseeküste.
  • Sprengungen sollen schuld sein.
  • Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erlässt Sprengverbot.

Ostsee/Fehrmanbelt – Seit langem spielt sich in der Ostsee ein blutiges Drama ab. Hunderte Schweinswale sind dort in den letzten Jahren tot angespült worden. Experten haben einen besonders gravierenden Fall aus dem Sommer im Jahr 2019 untersucht. 41 tote Schweinswale wurden an die schleswig-holsteinischen Ostseeküste gespült. Der Grund: Die Sprengung alter Seeminen aus dem zweiten Weltkrieg im Naturschutzgebiet Fehrmanbelt.

TiereAchweinswal
Wissenschaftlicher NamePhocoenidae
Lebenserwartung8-10 Jahre
FamilieSchweinswale
LängeGewöhnlicher Schweinswal: 1,5 m, Kalifornischer Schweinswal: 1,2-1,5 m, Weißflankenschweinswal: 2 m
GewichtGewöhnlicher Schweinswal: 53 kg
TragzeitGewöhnlicher Schweinswal: 11 Monate

Tote Schweinswale in der Ostsee: Sprengungen der Marine sind schuld

Von August 2019 bis November 2019 herrschte Alarmstimmung im Bundesamt für Naturschutz. In diesem Zeitraum wurden 41 tote Schweinswale an die Küsten von Schleswig-Holstein gespült. Die Sorge war, dass Sprengungen in der Ostsee den Tod verursacht haben könnten. Zum einen werden dort alte Seeminen absichtlich hochgejagt, damit von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht. Zum anderen führt die deutsche Marine dort Übungen aus.

Sprengungen alter Seeminen in der Nord- und Ostsee töten Schweinswale. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erließ ein Sprengverbot. (24hamburg.-Montage)

Ein Gutachten vom Bundesumwelt- und Verteidigungsministerium kommt laut Spiegel zu einem eindeutigen Ergebnis. Nämlich, „dass der Schalldruck der Sprengungen fast im ganzen Schutzgebiet so hoch war, dass Schweinswale verletzt oder getötet werden konnten.“ 24 Tier haben die Experten untersuchen können, ein Drittel davon wies Verletzungen der Hörorgane auf, die der Grund für den Tod waren. Nicht alle Schweinswale sollen sich bei der Sprengung der Nazi-Bomben verletzt haben. Auch andere Explosionen könnten die Wunden verursacht haben.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erlässt Sprengverbot

Weil der Schweinswal stark gefährdet ist, sollen Umwelt- und Verteidigungsministerium eine gemeinsame Lösung erarbeiten. Und genau hier beginnt der Streit zwischen der Bundesministerin der Verteidigung Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Top-Militärs der deutschen Bundeswehr. Denn die Politikerin habe bereits am 22. September 2020 ein Verbot von Sprengversuchen in der Nord- und Ostsee beschlossen. Eine Anweisung, an die sich alle Soldaten zu halten haben.

Das soll der Marine nicht schmecken. Laut Spiegel habe sich ein Vizeadmiral äußerst frustriert geäußert. Seiner Meinung nach gefährde dieses Verbot die Sicherheit der Soldaten und die Einsatzbereitschaft der Marine. Hintergrund ist, dass es Pläne gab, Sprengtests an einer ausgemusterten Marine-Fregatte durchzuführen. Es sei darum gegangen "über die zu erwartenden Wirkungen von Minentreffern auf die Besatzungen unserer Marineeinheiten" Daten zu sammeln, wie der Spiegel ein internes Papier der Marine zitiert.

Sprengverbot wegen toter Schweinswale: Vizeadmiral reagiert ungehalten

Tatsächlich sei bei der Übung auch der Schutz der Schweinswale eingeplant gewesen. So hätte die Marine rund um die Fregatte, die gesprengt hätte werden sollen, einen „großen Blasenschleier“ eingerichtet. Kostenpunkt: zwei Millionen Euro. Die Luftblasen hätten die Ausbreitung der Schallwellen verhindern sollen. Doch es blieb beim Verbot. Sehr zur Freude der Umweltschützer. Und zum Frust der Militärs.

24hamburg.de berichtet auch über eine andere gute Nachricht aus der Nord- und Ostsee. Der Bestand an Kegelrobben hat sich erholt. Das größte Raubsäugetier Deutschlands gehört damit nicht länger zu den gefährdeten Arten*. Doch an der Ostsee freuen sich die Anwohner längst nicht über jeden tierischen Gast. Ein Delfin in der Eckernförder Bucht sorgt sogar für Lebensgefahr*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa & epa/EFE/Loro Parque/dpa & Carsten Rehder/dpa

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