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Irrer Fund in der Ostsee: Taucher staunen nicht schlecht – nachrichtlichen Geheimnissen auf der Spur

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Von: Vivienne Goizet

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Unglaublicher Fund am Meeresgrund: Taucher entdeckten auf der Suche nach Geisternetzen in der Ostsee eine alte Enigma-Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg.

Update vom 02. Dezember 2020 um 11:26 Uhr: Ostsee/Schleswig-Holstein ‒ Nicht schlecht staunten die Taucher bei einer WWF-Aktion als sie beim Absuchen des Meeresgrundes in der Geltinger Bucht plötzlich auf ein Schreibmaschinen-artiges Gebilde stießen. Es handelte sich dabei um eine Enigma. Das Gerät wurde im Zweiten Weltkrieg dazu verwendet, Nachrichten zu verschlüsseln und wieder zu entschlüsseln.

Enigma Chiffriermaschine auf dem Meeresgrund im Hintergrund und gut erhalten in einem Museum im Vordergrund.
Auf der Suche nach Geisternetzen in der Ostsee fanden Taucher eine Enigma-Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg. (24hamburg.de-Montage) © Florian Huber/submaris/dpa & Victoria Jones/PA Wire/dpa

Die Forschungstaucher gehören zur Firma Submaris aus Kiel und waren eigentlich auf der Suche nach Geisternetzen, die in der Ostsee gefährlich für Meereslebewesen und die Schifffahrt sind. Und überraschenderweise war die alte Enigma-Maschine von einem dieser Netze umgeben. Dieser rare Fund kommt jetzt in die Restaurationswerkstätte nach Schleswig. Dort wird sich Museum für Archäologie ihrer annehmen.

Auch Hollywood beschäftigte sich schon mit der Enigma-Chiffriermaschine und zeigt im Film „The Imitation Game“ mit Benedict Cumberbatch die regelmäßigen Versuche der Briten die kodierten deutschen Nachrichten zu entschlüsseln.

Ostsee: Geisternetze töten Wale und Delphine ‒ WWF veröffentlicht Schock-Studie

Ostsee/Schleswig-HolsteinWale sind große, elegante und mächtige Meeressäuger. Doch so kleine, fusselige Dinge wie verlorene Fischernetze gefährden das Leben der Meeresgiganten. Laut einer Studie des WWF gehen jährlich ungefähr eine Million Tonnen Netze und Taue im Meer auf Tauchstation. Die verloren gegangenen Netze nennt man Geisternetze.

Im Hintergrund Wale, die durchs mehr Schwimmen und im Vordergrund ein Fisch, der in einem Geisternetz gefangen ist.
Geisternetze in der Ostsee bedrohen Wale und Fische. (24hamburg.de-Montage) © Elliott Hazen/NOAA/dpa & Wolf Wichmann/dpa

In einer Infografik stellte die Tierschutzorganisation die schlimmen Auswirkungen der Geisternetze dar. Die dünnen und stabilen Fasern zersetzen sich nur sehr langsam. Dadurch verheddern sich Wale, Fische, Schildkröten und andere Meereslebewesen in den dünnen Strängen.

Infografik des WWF zu den Auswirkungen von Geisternetzen auf Tierwelt, Ökologie und Wirtschaft.
Infografik zu Geisternetzen in der Ostsee zeigt das Problem. © obs/WWF World Wide Fund For Nature

Auch wenn Umweltaktivisten Geisternetze unter großen Aufwänden aus der Ostsee bergen*, sind 21 Prozent aller Seevögel-Arten und sogar 100 Prozent aller Meeresschildkröten vom Meeresmüll bedroht. Bei den Meeressäugetieren wie Walen und Delphinen sind es 45 Prozent. Auch der in der Eckernförder Bucht aufgetauchte niedliche Delfin* ist von diesem Risiko gefährdet. Zudem schürfen die Netze wichtige Oberflächen wie Korallen ab.

Lösungen für tödliche Geisternetze in der Ostsee

Die Geisternetze haben aber nicht nur Auswirkungen auf Tiere und Ökologie. Es entsteht auch ein wirtschaftlicher Schaden durch den finanziellen Wert der sterbenden Tierarten und die Sicherheitsrisiken bei der Schifffahrt.

Infografik des WWF zu den Lösungsvorschlägen zu Geisternetzen wie Markierungen, Bergungsprogramm und Melde-Möglichkeiten.
Infografik zu Geisternetzen in der Ostsee zeigt das Lösungen. © obs/WWF World Wide Fund For Nature

Doch die Tierschützer kritisieren nicht nur über die Schwere der Tragik, sondern bringen auch gleich konstruktive Lösungsvorschläge mit. So fordert der Leiter des Geisternetz-Projektes beim WWF Deutschland Jochen Lamp beispielsweise „wirksame Gesetze und Kontrollen weltweit“.

Meeresschutz National und International: Gesetze gegen Geisternetze und Meeresmüll gibt es schon

Tatsächlich gibt es bereits bestehende Gesetze, die das Verschmutzen der Meere verbieten. International zählt hierzu das UN-Seerechtsübereinkommen und das MARPOL-Abkommen. Europäische Fischer * sind sogar dazu verpflichtet, verlorenen Netze selbst zu bergen oder den Verlust den Behörden zu melden.

Laut Lamp sei es kaum möglich die Einhaltung dieser Gesetze zu kontrollieren. Er klagt an, es fehle einerseits an Mitteln und andererseits an politischem Willen. Da die Staaten ihrer Verantwortung nicht nachkommen, übernehmen oft Organisationen wie die WWF die Bergung dieser Netze. Allein in den letzten 6 Jahren hätten sie 18 Tonnen Geisternetze aus der Ostsee gefischt.

Küstenregion Schleswig-Holstein schlägt guten Wegen gegen Geisternetze ein

Neben dem WWF ist auch die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und die Tauchbasis Prora auf Rügen an der Bergung von Geisternetzen beteiligt. Eine GRD-Sprecherin teilte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit, dass sich rund 1.200 Schiffswracks auf dem Meeresgrund um Rügen befänden, die teils mit Geisternetzen behangen seien.

Laut Angaben des GRD töten Geisternetze jährlich mehr als 136.000 Wale, Delphine und auch Seehunde sowie Seelöwen. Dazu kämen Millionen von Vögeln, Fischen und Schildkröten. Es seine weltweit ungefähr 800 Arten betroffen.

In Deutschlands Ostsee-Küstenregionen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern laufe es laut Lamp zwar schon gut, er sehe hier aber trotzdem noch weiteren Handlungsbedarf. Es müsse einen Dreiklang aus klaren Verantwortlichkeiten, klaren Bergungsverpflichtungen und finanzieller Absicherung geben.

So könne vermieden werden, dass kleine Fischer Pleite geben, weil sie sich nach einem Unfall die teure Bergung oder Neuanschaffung der kostenintensiven Netze nicht leisten können.

Tiere in der Ostsee sind nicht nur durch Geisternetze bedroht. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Sprengung von Nazibomben Schweinswale bedroht. Ein ganz anderes Problem hab die Fischer vor Spanien, die von krawalllustigen Killer-Orcas angegriffen werden. *24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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