Wasserschutzpolizei im Fisch-Einsatz

Ekel-Fund an Ostsee: Stinkende tote Fische entdeckt – Experten erklären traurige Ursache

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Strandbesucher an der Ostsee machen einen Horror-Fund: Mitte September entdecken sie unzählige tote und verweste Fische, die an der Meeresoberfläche in einer stinkenden Flüssigkeit treiben. Experten kennen den traurigen Grund für das Ekel-Phänomen.

  • Ostsee: Unzählige tote Fische gefunden.
  • Wasserschutzpolizei* untersucht den schaurigen Fund.
  • Experten kennen traurige Ursache für Rückgang der Fische in der Ostsee.

Flensburg – Nachdem im Sommer 2020 bereits ein massives Fischsterben in der Nordsee und in der Elbe* festgestellt wurde, scheint sich das Phänomen nun auch in der Ostsee auszubreiten. Spaziergänger entdeckten am zweiten Septemberwochenende viele tote Fische im Wasser. Besonders seltsam: Die Fische trieben in einer stinkenden, trüben Flüssigkeit.

MeerOstsee
Mittlere Tiefe55 m
Fläche377.000 km²
Einzugsgebiet1.642.000 km²
Maximale Tiefe459 m
Angeschlossene Meerevia Kattegat an den Atlantik
InselnRügen, Usedom, Gotland, Öland, Hiiumaa, Saaremaa, Wolin

Ostsee: Tote fische treiben im Meer nahe Flensburg – Wasserschutzpolizei untersucht Ekel-Fund

Strandbesucher entdeckten die toten Fische am frühen Samstagmorgen in der Flensburger Innenförde am Industriehafen. Die örtliche Wasserschutzpolizei nahm den Fund daraufhin genauer unter die Augen. Untersuchungen ergaben, dass sich auf der Meeresoberfläche ein Film aus toten Algen entwickelt hatte. Auch für die toten Fische liefert die Flensburger Innenbehörde nach Behördenangaben eine Antwort: Das Fischsterben in der Ostsee sei auf eine natürliche Ursache zurückzuführen.

Spaziergänger entdeckten an der Flenburger Förde massenhaft tote Fische. (24hamburg-Montage/Symboldbild)

Der Hintergrund: Langfristig höhere Temperaturen und kaum Wasseraustausch würden zu einem Sauerstoffverlust im Meer führen. Dadurch verenden die Fische massenweise. Doch nicht nur für Ostsee-Touristen, die sich in diesem Jahr noch mit einem anderen unangenehmen Tier-Phänomen herumschlagen mussten*, ist das Fischsterben in der Ostsee unschön mit anzusehen. Der Rückgang des Fischbestandes trifft vor allem eine Berufsgruppe an der deutschen Küste ganz besonders stark: die Fischer. Ihre Fangquoten sind so niedrig wie nie zuvor.

Ostsee: Fische sterben, Restaurants und Fischer leiden unter rückgängigem Fischbestand

Das macht sich auch in den lokalen Restaurants in Ostsee-Orten bemerkbar: Häufig stammt der Fisch, der bei den Gästen auf dem Teller landet, gar nicht mehr aus der Ostsee. Restaurants könnten kaum noch mit lokalem Fisch versorgt werden, insbesondere Heringe und Dorsche landen immer seltener in den Netzen. Am häufigsten haben die Fischer noch bei Plattfischen wie Flunder, Steinbutt und Scholle Erfolg.

Über die rückgängigen Fangquoten klagen vor allem Fischer wie Norbert Kahlfuß, der seit über 70 Jahren mit dem Kutter auf die hohe See hinausfährt. Gegenüber web.de bedauert er die gekürzten Fangquoten in der westlichen Ostsee: Hier dürfen, verglichen mit dem Jahr 2019, beispielsweise nur 65 Prozent weniger Heringe und 60 Prozent weniger Dorsche gefangen werden. Viele Fischer hätten ihren Beruf bereits aufgegeben. Auch den Landesfischereiverband Mecklenburg-Vorpommern auf, den Kahlfuß über lange Zeit leitete, gibt es aus genau diesem Grund nicht mehr.

Ostsee: Immer weniger Fische im Meer – Klimawandel oder Fischerei die Ursache?

Tatsächlich ist Überfischung weltweit betrachtet die Hauptursache für den rückgängigen Fischbestand in den Meeren. Doch in der Ostsee kommt erschwerend ein weiteres Phänomen hinzu. Hier nimmt der Salzgehalt im Wasser Richtung Osten immer weiter ab. „Meeresfische leben an der Grenze ihres Verbreitungsgebietes, und die Umweltbedingungen haben einen viel größeren Einfluss auf die Meeresfische als anderswo“, erklärt Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, im Gespräch mit web.de.

Doch auch der Klimawandel ist ein wesentlicher Faktor, der zum Fischsterben in der Ostsee beiträgt – der Ekel-Fund der Strandbesucher in der Flensburger Innenförde ist ein gutes Beispiel. Christopher Zimmermann vom Thünen-Institut sieht wenige Möglichkeiten, den durch den Klimawandel bedingten Fischrückgang zu verhindern: „Wir Menschen können darauf nur reagieren, indem wir die Fischerei einschränken, auch wenn die Fischerei hier nicht Verursacher des schlechten Zustands ist“.

Es gibt allerdings noch andere Maßnahmen, die ergriffen werden, um den den Rückgang der Fische in der Ostsee weiter zu verhindern. Claus Tantzen, Pressesprecher des Landwirtschaftsministeriums, erklärt, dass es von der Politik festgelegte Schonzeiten, technische Anordnungen für Fanggeräte und Meldeverpflichtungen für Fischer gibt. Auch die Laichzeit der Dorsche wird durch festgelegte Zeitfenster vor der Fischerei geschont.

Ostsee: Fischen wie Dorsch und Hering geht es besonders schlecht

Nicht nur Dorsche und Heringe seien in der Ostsee Mangelware, Aale seien sogar „vom Aussterben bedroht“. Doch Zimmermann schätzt die Gesamtlage um die Fische in der Ostsee als weniger schlimm ein, als allgemein befürchtet – nicht allen Fischarten ginge es so schlecht. Der Bestand von Sprotte, einiger Heringsarten, Scholle, Flunder, Kliesche und Steinbutt sei unproblematisch.

Das Fischsterben ist ein Problem, das nicht nur in der Ostsee auftritt: 24hamburg.de/tiere * berichtete auch über einen Rückgang des Fischbestandes in den Gewässern der Hansestadt Hamburg*. Schockierende Bilder gibt es auch vor der Küste Australiens: Dort verendeten hunderte Wale*. Eine Katastrophe, die es auch an der Ostsee gab*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Frank Molter/Carmen Jaspersen/dpa/picture alliance

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