Tier bereitet Probleme

Ostsee: Lebensgefahr für deutsche Touristen – wegen Delfin

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Der Delfin aus der Eckernförder Bucht hat mittlerweile viele Fans. Seit Ostern ist das niedliche Tier in der Ostsee zu Gast und will gar nicht mehr weg. Der sprunghafte Flipper zieht viele Touristen an. Wegen des süßen Säugetiers begeben sich die deutschen Urlauber in teils gefährliche Situationen.

  • Ostsee: Delfin hat sich in die Eckernförder Bucht verirrt.
  • Tier hat mittlerweile unzählige Fans.
  • Doch sein Besuch sorgt auch für einige Probleme.

Eckernförde/Barkelsby – An den außergewöhnlichen Anblick eines Delfins in der Ostsee gewöhnt sich niemand so schnell. Obwohl das Tier mittlerweile seit Ostern in der Eckernförder Bucht zu Gast ist* – 24hamburg.de/tiere* berichtete damals – ist er immer noch ein Star vor Ort. Zahlreiche Touristen und Anwohner wollen dem Tier so nahe wie möglich kommen. Das sorgt für Ärger.

MeerOstsee
Mittlere Tiefe55 m
Fläche377.000 km²
Einzugsgebiet1.642.000 km²
Maximale Tiefe459 m
Angeschlossene Meerevia Kattegat an den Atlantik
InselnRügen, Usedom, Gotland, Öland, Hiiumaa, Saaremaa, Wolin

Ostsee: Delfin in Eckernförder Bucht zieht Urlauber an und sorgt für Tourismus-Boom

Wie die Kieler Nachrichten (hinter einer Bezahlschranke) berichten, sorgt der Delfin in der Eckernförder Bucht sogar für einen richtigen Tourismus-Boom. Bei schönem Wetter tummeln sich unzählige Delfin-Fans am Strand von Barkelsby, um einen Blick auf das süße Tier zu erhaschen. Immer wieder springt der kleine Meeressäuger aus den Wellen nahe einer rot-gelben Sperrgebietstonne. Sogar aus Hamburg kommen Touristen, um das Tier zu bestaunen.

Touristen begeben sich in brenzlige Situationen, um dem Delfin in der Eckernförder Bucht nahezukommen. (24hamburg.de-Montage)

Er scheint sich dort wohlzufühlen, seit knapp sechs Monaten lebt der Delfin nun schon in der Bucht und zeigt keine Anzeichen, sein neues Zuhause wieder zu verlassen. „Das Tier hat offensichtlich keine Motivation weiterzuschwimmen und findet ausreichend Nahrung. Es gibt zahlreiche Fälle, bei denen Einzelgänger über lange Zeiträume in einem Bereich blieben“, erklärt sich Ursula Siebert das Verhalten des Delfins. Sie arbeitet am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum.

Ostsee: Delfin-Tourismus in der Eckernförder Bucht bereitet Probleme – Delfin-Fans begeben sich in Gefahr

Viele Anwohner und Touristen wollen dem Delfin so nahe wie möglich kommen und ihn nicht nur vom Strand aus beobachten. Viele versuchen, zu dem Tier zu schwimmen oder mithilfe eines Stand-Up-Paddle Boards oder Schlauchboots zu ihm zu gelangen. Doch diese Vorhaben sorgen ständig für „brenzlige Situationen“, wie Ernst Schliemann (70) beobachtet, der ganz in der Nähe eine Yachtschule mit Wassersportstation betreibt und ehemaliger Marineoffizier ist.

Hintergrund ist eine gefährliche Strömung in dem betroffenen Ostsee-Abschnitt. Meist würde der Wind in der Bucht ab etwa 14 Uhr stark zunehmen. Das sorge dafür, dass Stand-Up-Paddler unbemerkt abtreiben. Ost- und Westwind hätten laut Schliemann schon dazu geführt, dass Paddler nicht mehr zum Strand zurückkehrten und in Richtung Mole des Marinehafens abgetrieben sind. „Dort kommt man dann auf einer Länge von 800 Metern nicht mehr an Land“, meint Schliemann. Schon des Öfteren hätte er die abgetriebenen Delfin-Beobachter retten müssen. Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG)musste er schon einmal alarmieren, weil sie ihn beim Einsammeln der Paddler unterstützen mussten.

Delfin in der Ostsee: Anwoher und Experten in Sorge um Touristen

Doch noch ganz andere Dinge bereiten dem 70-Jährigen Sorgen. Auch die Anzahl der Taucher, die ohne Markierungsboje unterwegs seien, nehme zu. Das könnte zu gefährlichen Kollisionen mit Motorbooten kommen. Die Fahrer könnten ja nicht ahnen, „dass da unter der Wasseroberfläche ein Taucher ist".

Auch Ursula Siebert sieht dem Delfin-Tourismus in der Eckernförder Bucht eher kritisch entgegen. „Auch wenn das Tier, weil es alleine ist, den Kontakt zu Menschen toleriert, bleibt es ein Wildtier und die Reaktionen sind unvorhersehbar“. Außerdem bestehe ein Risiko, dass der Delfin Krankheiten übertragen könne.

Für ähnlich viel Aufsehen wie der Delfin in der Eckernförder Bucht sorgten Haie vor einer beliebten Nordseeinsel.* 24hamburg.de/tiere berichtete im Detail über die außergewöhnliche Tier-Sichtung. Schwertwale ändern ihr Verhalten und werden immer aggressiver*. Auch ein schwimmender Elch in der Ostsee* ließ Polizisten große Augen machen. Doch Tierschützer können aufatmen. Der Marine ist es in Zukunft untersagt, Sprengungen in der Ostsee durchzuführen*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Benjamin Nolte/Matthias Balk/dpa/picture alliance

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