Fahrverbot an Küste

Orca-Attacken vor Spanien: Experten klären Killerwal-Spektakel auf

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Orcas sind nicht so lieb und zutraulich, wie uns Hollywood erzählt. Aktuell attackiert eine Gruppe Killerwale gerne mal kleine Boote vor Spaniens Küsten. Das könnte auch für Nordsee-Segler zum Problem werden. Für das Benehmen der Schwertwale, norddeutsch: Butskopf, liefern Experten nun eine mögliche Erklärung.

  • Schwertwale greifen Boote in der Biskaya an.
  • Boote könnten als Fressfeinde angesehen werden.
  • Experten erklären Verhalten der Orcas.

Update vom 7. Oktober 2020, 21:45 Uhr: Biskaya/Hamburg – Nachdem die Orca-Angriffe auf Seegelboote vor der spanischen und portugiesischen Küste bisher ein rätselhaftes Phänomen waren, liefern Experten nun eine mögliche Erklärung für das aggressive Verhalten der Schwertwale. Teilweise haben die Attacken sogar zu Schäden an den Segelbooten geführt, berichtet orf.

TiereSchwertwal
Wissenschaftlicher NameOrcinus orca
OrdnungWale (Cetacea)
Tragzeit15 - 18 Monate
LebenserwartungWeiblich: 29 Jahre (in Gefangenschaft), Männlich: 17 Jahre (in Gefangenschaft)
GewichtMännlich: 3.600 - 5.400 kg (Erwachsener), Weiblich: 1.400 - 2.700 kg (Erwachsener)
LängeMännlich 6 - 8 m, Weiblich: 5 - 7 m

Zuvor schätzten Wissenschaftler das Phänomen als „höchst ungewöhnlich“ und „beunruhigend ein“. Insgesamt 22 Vorfälle mit Orcas sollen sich seit dem 10. August 2020 vor Spanien und Portugal ereignet haben. Solche Attacken habe es laut Experten zuvor nie gegeben. Eine Arbeitsgruppe erklärt sich das Verhalten der Tiere nun so:

„Der Auslöser für dieses seltsame und neuartige Verhalten könnte ein aversiver Zwischenfall gewesen sein, den die Orcas mit einem Boot hatten und bei dem die Geschwindigkeit des Bootes ein kritischer Faktor gewesen sein könnte“. Unklar ist aber, wann und wie dieser mögliche Zwischenfall stattgefunden haben könnte. Dieser könnte die Orcas zumindest dazu veranlasst haben, die Boote verlangsamen zu wollen. Ihre Erklärung begründen die Forscher mit Foto- und Videoaufnahmen, die Verletzungen der Orcas zeigen. Diese könnten beim Kontakt mit den Segelbooten entstanden sein, heißt es.

Im Sommer und Herbst 2020 ist es vermehrt zu Angriffen von Schwertwalen auf kleinere Boote gekommen. (24hamburg.de-Montage)

Orcas: So süß und doch so tödlich – Killerwale attackieren Boote – Segler aufgepasst!

Erstmeldung vom 25. September 2020, 10:32 Uhr: Immer öfter attackieren Schwertwale kleine Boote vor den Küsten Europas. Sogar ein erstes Fahrverbot für Boote unter 15 Metern Länge musste am Mittwoch, 23. September 2020, ausgesprochen werden. Die Attacken der Killerwale finden im Jahr 2020 häufiger und weiter im Norden statt als vergleichbare Vorfälle in der Vergangenheit. Auch die Nordsee könnte bald von Killerwal-Attacken betroffen sein. Experten erklären das Verhalten der Orcas und geben lebensrettende Tipps für Segler, die von den Schwertwalen angegriffen werden.

Die meisten Vorfälle ereignen sich in der Biskaya. Also im Norden von Spanien und im Westen von Frankreich. In Spanien gilt deswegen seit Mittwoch, 23. September 2020, in der Region um die Küstenstadt A Coruña ein küstennahes Fahrverbot. Zunächst für eine Woche. Das Fahrverbot erstreckt sich über insgesamt vierzig Seemeilen zwischen dem Kap Prioriño Grande und Punta de Estaca de Bares, wie das Fachportal Yacht berichtet.

Die Angriffe der Schwertwale auf kleinere Boote würden immer gleich ablaufen. Orcas schwimmen gezielt auf Yachten zu, tauchen drunter, rempeln sie an und beschädigen dabei das Ruderblatt teilweise so schwer, dass die Boote manövrierunfähig sind und abgeschleppt werden müssen. Ein deutsche Crew, die in der Biskaya unterwegs war, konnte einen Angriff sogar filmen (ab Minute: 8:37). Wie Costa Nachrichten berichtet, wurde für Teile der galicischen Küste bereits ein Segelverbot verhängt.*

Video zeigt Killerwal-Attacke auf Boot in der Biskaya zwischen Spanien und Frankreich

Für Experten ist das aggressive Verhalten der Schwertwale eine kleine Überraschung. „Wenn Wale aggressiv werden, hat das etwas mit ihrer Beute oder dem Schutz ihrer Jungtiere zu tun. Spielen wollen die sicherlich nicht“, sagt Walforscherin Andrea Steffen gegenüber Yacht. Die Expertin vermutet, dass die meisten Angriffe von einer einzigen Walfamilie ausgingen, die derzeit in der Biskaya auf Thunfisch-Jagd sei.

Und Thunfisch sei knapp. „Seit Jahren herrscht ein regelrechter Kampf in der Region zwischen Thunfisch-Fischern und Walen.“ Da Schwertwale sehr lernfähig seien, könnten sie verstanden haben, dass Fischerboote Fressfeinde seien. Zwischen Segelyachten und Fischerbooten könnten Orcas aber nicht unterscheiden. Aber: „Das ist aber nur eine Theorie“, gibt Walforscherin Andrea Steffen gegenüber Yacht zu bedenken.

Schwertwale bei Nahrung nicht wählerisch: Überfischung und Klimawandel zwingen Orcas neues Verhalten auf

Auch in der Nordsee sind Schwerwale keine Seltenheit. Im Oktober 2016 wurde sogar ein toter Orca in Sylt angespült, wie der Spiegel damals berichtete. Meistens leben Orcas allerdings in menschenleeren Gewässern. Der Atlantik und die Arktis sind ihr Revier. Doch die Vorfälle in der Biskaya zeigen, dass sich das ändern könnte. Vor der Küste Schottlands sind die Killerwale längst regelmäßige Gäste. Auch sind sie bei der Wahl ihrer Beute nicht kleinlich. Sardinen, Delfine, andere Wale, Robben und Pinguinen finden sich auf ihrem Speiseplan und für jedes Tier haben sie eine eigene Jagdstrategie entwickelt.

Ein toter Schwertwal am Strand von Sylt. Klimawandel und Überfischung zwingen Orcas neue Verhaltensmuster und Lebensräume auf.

Walforscherin Andrea Steffen hat auch Tipps für Segler, von aggressiven Orcas angegriffen werden. Der Kapitän sollte beidrehen, die Maschinen gestoppt und das Boot zum Stillstand gebracht werden. Zusätzlich empfehle es sich, die Küstenwache zu informieren.

Wie 24hamburg.de/tiere berichtet, häufen sich ungewöhnliche Tiersichtungen. So gibt es vor der Nordsee-Insel Helgoland mittlerweile Haie*. In der Eckenförder Bucht in der Ostsee begeben sich Touristen wegen eines ganz seltenen Gastes sogar in Lebensgefahr*. Auch entstehen ganz neue Arte. Wie der Grusel-Hai ohne Haut*. * 24hamburg.de und costanachrichten.com sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © David Ellifrit/Whale Research/dpa & Daniel Reinhardt/dpa

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