Fahrer unverletzt

Niedersachsen: Tier-Transport verliert auf Autobahn die Balance – 130 Schweine sterben qualvoll

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Bei einem Schweinetransporter platzt ein Reifen. Der Lkw verliert den Halt, kippt auf die Seite. 130 Tiere verenden. Zehn Schweine flüchten auf die Autobahn A1. Vollsperrung.  

  • Auf der Autobahn 1* bei Brinkum kippt ein Schweinetransporter um.
  • 130 Tiere sterben bei dem Unfall, 30 werden im Wrack eingeschlossen.
  • Drei Feuerwehrwachen müssen mit 45 Einsatzkräften zur Rettung.

Hamburg – Ein Schweinetransporter ist auf der Autobahn A1 bei Diepholz umgekippt. Von den 170 Schweinen, die sich in dem Lkw befinden, verenden 130 bei dem Unfall. Zehn Tiere flüchten auf die Straße, der Rest ist im Wrack eingesperrt und muss von der Feuerwehr versorgt werden.

Bundesautobahn 1A1
Länge749 km
Gebaut1937
BundeslandSchleswig-Holstein; Hamburg; Niedersachsen; Bremen; Nordrhein-Westfalen; Rheinland-Pfalz; Saarland
AutobahnnetzAutobahn
Weitere BetreiberA1 mobil GmbH & Co. KG; (zwischen Buchholzer Dreieck und Bremer Kreuz)
Davon in Planung26 km

Tiertransporter auf Autobahn A1 umgekippt: 130 Tiere sterben bei Brinkum in Niedersachsen (Kreis Diepholz) – drei Feuerwehrwachen im Einsatz

Ein ganz banaler Defekt löst am Freitagmorgen, 7. August 2020, ein Drama auf der Autobahn A1 bei Brinkum (Landkreis Diepholz) rund 120 Kilometer südwestlich von Hamburg* aus. Es ist noch früh am Morgen. Die Sonne ist noch gar nicht richtig aufgegangen, als um 5:47 Uhr einem Lkw der Reifen platzt. Der Tiertransporter ist unterwegs nach Osnabrück. Doch er soll nicht ankommen. Er kippt um.

Unfälle mit Tiertransportern sind in Deutschland keine Seltenheit. Dieses Bild zeigt eine Unglücksstelle bei Köln.

Glück im Unglück: „Der Fahrer blieb unverletzt und konnte sich aus eigener Kraft aus seinem Führerhaus befreien“, zitiert der Weser-Kurier Christian Tümena, den Sprecher der Stuhrer Feuerwehr. Die ist vor Ort, sichert die Unfallstelle und kümmert sich um die Tiere. Die haben den Crash nicht so gut überstanden. An Bord des Lkws befinden sich insgesamt 170 Schweine. Ungesichert und mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sterben etwa 130 der Tiere beim Unfall.

Zehn Schweine flüchten auf Autobahn A1 in Niedersachsen: Tiertransporter platzt Reifen und wird zur Todesfalle

Zehn der Tiere ergreifen die Flucht. Rennen unter anderem auf die Autobahn. Die Feuerwehr muss aus Leitern ein Gehege improvisieren und die Tiere wieder zusammentreiben, wie die Feuerwehr Stuhr meldet. Die Autobahn A1 musste dafür komplett gesperrt werden. Nichts geht mehr. Doch für die Feuerwehr aus Stuhr ist die Arbeit damit nicht getan. Denn im Lkw befinden sich noch etwa 30 lebende Tiere, die sich aus dem Wrack nicht alleine befreien konnten.

Den Schweinen muss geholfen werden. Denn die Sonne brennt auf den Unfallort. Auf über 30 Grad Celsius wird das Thermometer im Lauf der Stunden noch klettern. Die Feuerwehr Stuhr kühlt den Lkw und die Tiere mit Wasser. Doch auch diese Einsatzkräfte brauchen Hilfe. Denn bei diesen Temperaturen 130 tote Schweine aus einem Lkw zu bergen ist harte Arbeit. Die Retter müssen Löcher in die hintere Tür und das Dach schneiden, um an die Tiere zu kommen.

Feuerwehr schleppt 130 Schweinekadaver aus Lkw-Wrack: Tiertransporter umgekippt – 45 Einsatzkräfte müssen anrücken

Die Feuerwehr Seckenhausen muss kommen und die Kollegen unterstützen. Doch auch damit ist das Problem noch nicht gelöst. Denn innerhalb des Frachtabteils gibt es Trennwände. Durch den Unfall haben sie sich verformt. Nur mit dem hydraulischen Werkzeug der ebenfalls nachalarmierten Feuerwehr aus Groß Mackenstedt können die restlichen Tiere geborgen werden. Der Einsatz dauert bis um 13 Uhr. 45 Einsatzkräften mussten dafür ausrücken. Die Bergung des Lkws, die durch ein Spezialunternehmen durchgeführt wird, ist da noch gar nicht mit einkalkuliert.

Etwa 40 der 170 Tiere überlebten den Unfall, werden in einen hinzugekommenen Tiertransporter verladen und weggeschafft. Auch um die toten Schweine muss sich ein Spezialunternehmen kümmern.

Skandale in der Fleischproduktion: Superkeime, Coronavirus-Ausbruch, grausame Arbeitsbedingungen

Lange wird das Glück nicht währen, das Tiere hatten, die den Unfall überlebt haben. Ihr weiteres Schicksal ist kaum weniger grausam. Die Schlachtindustrie ist in den vergangenen Monaten verstärkt in die Kritik geraten. So bestätigte die Bundesregierung in einem Bericht, dass der Einsatz von Antibiotika trotz einer Gesetzesänderung kaum zurückgegangen sei. So würden sich in Schlachthöfen multiresistente Keime bilden*, berichtet 24hamburg.de.

Wie schnell sich diese in Schlachthöfen verbreiten können, zeigte der Coronavirus-Ausbruch in Gütersloh*. Doch auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter* und die Zustände in den Zulieferbetrieben*, sorgen immer wieder für Kritik an der Branche. Missstände, gegen die sich auch der Hamburger Musiker Udo Lindenberg engagiert*. Dabei kritisiert er vor allem den Schlachtriesen Clemens Tönnies. Als würde es sich rächen wollen, klaute ein Wildschwein einem Badegast in Berlin den Laptop*. Der muss ohne Klamotten auf die Jagd. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa/picture alliance

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