Vorsicht: drastische Bilder

Horror-Detektiv zerstört Tier-Hölle

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
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Im LPT-Labor bei Hamburg wurden Tiere brutal ermordet – bis „Lukas“ kam und das Grauen beendete. Erstmals spricht er offen über seine Zeit in der Hölle.

Mienenbüttel – Menschen, die hilflose Tiere zersägen und verätzen. Kleine Hunde, die innerlich verbluten, qualvoll sterben. Affen, die in Maschinen gespannt und dann abgeschlachtet werden. Es sind Szenen aus der Hölle, die der Mann, der „Lukas“ genannt wird, gemeinsam mit Aktivisten der Soko Tierschutz auf Video aus dem LPT-Horro-Labor in Mienenbüttel bei Hamburg bannte.

Verein für Tierrechte: Soko Tierschutz
Gründer: Friedrich Mülln, unter anderem
Gründung:2013
Sitz:Augsburg

Dort, in dem Tierversuchs-Labor der Firma LPT, herrschte das Grauen – und „Lukas“ beendete es. Es war seine Undercover-Recherche, die das Tier-Folter-Labor enttarnte – und schließlich stürzte. Bettina Jung, Sprecherin der Menschen- und Tierrechtsinitiative ETHIA, ist es gelungen, mit Lukas zu sprechen – über seine Zeit in der Hölle und das Traumata.

LPT-Horror-Labor bei Hamburg: „Bilder übersteigen das Vorstellbare“

Bettina Jung beschreibt „Lukas“ als herzensguten, hilfsbereiten Brummbär, der lange braucht, bis er aus sich herauskommt. Ein Mann, bei dessen Anblick man nie auf die Idee käme, man hätte Lukas, „unseren Helden“ vor sich. Er hatte schwer zu tragen, sagt Bettina Jung – an dem Elend, das er sah und in das er sich begeben hatte.

Denn um das Quälen zu beenden, musste „Lukas“ selbst Teil des Systems werden. Der Horror-Detektiv zeigt Bettina Jung unveröffentlichtes Film- und Foto-Material, das sie noch „viele Nächte verfolgen“ würde. „Diese Bilder von ihm aus dem Todeslabor übersteigen bei Weitem alles Vorstellbare“, sagt Jung.

LPT-Labor Mienenbüttel: „Die Mittwoche waren am schlimmsten“

Tötungsboxen, Seziertische – und die Bandsäge: „Ich höre sie [...] förmlich durch Knochen knirschen und kleine Körper zerstückeln, in denen eben vielleicht noch ein Hauch von Hoffnung auf ein Ende aller Schmerzen wohnte“, so Jung. „Wie im Schlachthof zerteilte sie im LPT die geschundenen, leblosen Tierleichen.“

Der Nachmittag war für das Schlachten der Affen reserviert.

Tierschützer „Lukas“

Mit brüchiger Stimme erzählt „Lukas“ von seiner Zeit als falscher Mitarbeiter: „Die Mittwoche waren am schlimmsten. Die Weißkittel aus den anderen Leuschner-Laboren brachten am Fließband die Tiere um, deren Leid, deren Verätzungen, deren inneres Verbluten protokolliert worden waren.“

Manchmal sei das Schlachten bis donnerstags vormittags verlängert worden, weil es zu viele Tiere waren für einen Tag. „Der Nachmittag war für das Schlachten der Affen reserviert“, so Lukas.

Tierschutz-Hölle bei Hamburg: Erst Betrug, dann der Fall

Doch es war nicht der schiere Horror, die unbeschreiblichen Tier-Qualen, die das LPT-Labor bei Hamburg letztendlich zu Fall brachten – sondern Betrug. Der Mann an der Spitze der Höllen-Firma laut „Lukas“: Jost Leuschner, der damalige Betreiber des LPT-Labors. Unter seiner Führung sollen tote Tiere gegen lebende ausgetauscht worden sein – um die Studien-Ergebnisse für die Pharma-Konzerne zu schönen.

Szenen wie diese gibt es häufig in Deutschland. Die Tierschutzpartei spricht von 700 Tierversuchslabore in 95 Orten. (Symbolbild/24hamburg.de)

„Selbst die Auftraggeber seiner mörderischen Versuche hat der nach Strich und Faden verarscht“, so „Lukas“ gegenüber Jung. Der Undercover-Ermittler dokumentierte den Betrug. Später wurde das ein zentral wichtiger Punkt für den Entzug der Betriebserlaubnis des Standortes Mienenbüttel.

LPT-Horror-Labor bei Hamburg: „Das Foltern geht weiter“

Ein wichtiger Erfolg, aber nicht das Ende, so Bettina Jung: „Das Foltern der anderen Tierversuchsanstalten des Jost Leuschner geht jedoch andernorts unvermittelt weiter.“ So auch in der Stadt Hamburg, bei LPT in Neugraben. Und auch Mienenbüttel kommt nicht zur Ruhe: Nun will sogar LPT, mit einem neuen Geschäftsführer und unter neuem Namen („Provivo Biosciences“), aus dem geschlossenen Horror-Labor ein „Tierzentrum“ machen. Tierschützer leisteten schon damals Hilfe für Hunde aus dem Versuchslabor*.

Das Vorhaben schwankt nach Angaben des Betreibers irgendwo zwischen „Resozialisierungs-Center für Problem-Hunde“ bis zum „VIP-Hotel für Tiere“. Reine PR-Masche, so Jung. Sie und andere Tier-Schützer wollen gegen das Projekt ankämpfen. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Förster/dpa

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