10.000 neue Heimbewohner

Hamburger Tierheim brechend voll – Corona ist schuld

  • Fabian Raddatz
    VonFabian Raddatz
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Während der Corona-Krise hat das Hamburger Tierheim unzählige Tiere aufnehmen müssen. Unter den Waisen sind auch Exoten. Der große Überblick.

  • Im Hamburger Tierheim Süderstraße wurden Hunderte Tiere mehr abgegeben, als noch im Vorjahr.
  • Vor allem die Anzahl an Wildtieren habe stark zugenommen.
  • Neben Corona sorgten auch Internet-Tierkäufe und falsche Fürsorge für die hohen Zahlen.

Hamburg – Rund 10.000 neue Tiere hat das Tierheim Hamburg an der Süderstraße 399 in Hamburger Stadtteil Hamm im Jahr 2020 aufgenommen. Das sind rund 300 mehr als im Vorjahr, sagte Tierheimsprecher Sven Fraaß. Dabei habe vor allem die ohnehin hohe Zahl der aufgenommenen Wildtiere noch weiter zugenommen. 6080 wilde Tiere wie Füchse, Krähen, Eulen, Igel, Schwäne und Steinmarder wurden 2020 in Deutschlands zweitgrößtes Tierheim gebracht. Das waren 522 mehr als noch im Jahr 2019.

Verein:Hamburger Tierschutzverein
Gründung: 1841
Mitglieder: 5000
Mitarbeiter: 90
Adresse des Tierheims: Süderstraße 399, 20537 Hamburg
Telefon: 040 211106 0
E-Mail: kontakt@hamburger-tierschutzverein.de
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do, Fr: 10 bis 16 Uhr / Sa, So, Feiertage: 9 bis 12 Uhr

Die Folgen der Corona-Pandemie bekam auch das Hamburger Tierheim zu spüren. So durften beispielsweise Tier-Interessenten zeitweise nicht gucken kommen. Doch auch falsche Wildtier-Fürsorge sowie der vermehrte Kauf von Tieren übers Internet sorgten für zahlreichen Tierheim-Zuwachs. So verkaufte etwa ein Hamburger todkranke Hundewelpen übers Internet. Die Tiere starben kurz darauf bei ihren neuen Besitzern. Das miese Geschäft mit süßen Tieren boomt in der Hansestadt. Hamburger Tier- und Verbraucherschützer laufen dagegen Sturm – und warnen insbesondere vor Weihnachten, Tiere nicht als Geschenke zu kaufen.

Tierheim Hamburg: Viele Wildtiere verunglücken

Dass so viele Wildtiere abgegeben wurden, „ist einerseits darauf zurückzuführen, dass auch durch die Lockdowns und die damit verbundene Ruhe vor allem im Frühjahr mehr Wildtiere die Stadt Hamburg eroberten – und dann auch teilweise verunglücken.“ So kam es in etwa Hamburg zu einem Tauben-Massaker: Viele tote Tauben lagen in der Hamburger City herum. Gleichzeitig sei es aber auch ein Großstadtphänomen, dass gerade junge – vermeintlich verwaiste – Wildtiere voreilig eingesammelt und ins Tierheim gebracht werden. „Da hilft auch die Aufklärung unsererseits offenbar nicht.“

Hamburger Tierheim: Unter den abgegebenen Tieren waren auch viele Exoten. Wie etwa dieser Madagaskar-Taggecko. (24hamburg.de-Montage)

Zu den „Klassikern“ bei den abgegebenen Tieren gehören zudem Hunde (867 Tiere in 2020) und Katzen (1402). Diese Zahlen sind im Vorjahresvergleich erneut leicht gesunken. Ein Grund dafür könnte Fraaß zufolge die Chippflicht für Hunde sein, ein weiterer die zunehmende Vermittlung von Tieren über das Internet. Das sei Fluch und Segen zugleich: Zum einen würden seitdem verstärkt Tiere über das Internet gekauft. Gleichzeitig aber bekommen Menschen ihre „überschüssigen“ Tiere so auch schneller wieder vermittelt. „Weil der Internethandel häufiger und schneller erfolgreich war, war der Gang zu uns also nicht nötig“, sagte Fraaß dazu.

Tierheim Hamburg: exotische und außergewöhnliche Arten

Dass sich mehr Menschen aufgrund von Corona in Hamburg in diesem Jahr ein Haustier angeschafft haben, davon zeugten die verstärkten Aussetzungen. So waren in diesem Jahr 1530 mutmaßlich ausgesetzte Fundtiere nicht wieder abgeholt worden. Im Jahr zuvor waren es gut 270 weniger. „Da liegt die Vermutung schon nahe, dass es Tiere sind, die aus Corona-Langeweile und -Einsamkeit übers Internet gekauft – und dann ausgesetzt wurden, weil die Zeit plötzlich fehlte oder die Arbeit doch zu viel wurde, die Anschaffung also nicht durchdacht war.“

Wegen der coronabedingt strengen Termin-Vergabe für Interessenten und weil das Tierheim „niemandem in einer Corona-Laune“ ein Tier vermittelt, konnten in diesem Jahr nicht so viele Tiere vermittelt werden wie sonst üblich, sagte Fraaß weiter. Bereits im Juni war klar, dass Coronavirus die Hölle für Hunde und Katzen ist.

Unter den 2020 aufgenommenen Tieren waren auch wieder viele exotische und außergewöhnliche Tiere. So wurden Echsen, ein Stachelschwanzwaran, bunte Madagaskar-Taggeckos, 17 Schlangen (darunter eine Boa constrictor, die im Oktober im Niendorfer Gehege gefunden wurde), eine Pfauendame sowie Pferde, Ziegen, Schafe und viele bunte Papageien zeitweise im Tierheim versorgt. Zudem warten noch eine Riesenkrabbenspinne, eine Vogelspinne und ein Skorpion auf ein neues Zuhause. 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

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