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Nordsee-Tragödie: Nazi-Minen töten Schweinswale

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Von: Fabian Raddatz

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Schweinswale sind in Ost- und Nordsee akut vom Aussterben bedroht. Eine neue Studie zeigt die grausame Wahrheit über das Verschwinden der Meeressäuger.

Hamburg – Sie sehen eher aus wie Delfine, so klein sind sie. Doch es sind Wale, wenn auch die kleinsten ihrer Art. Schweinswale leben in der Ost- und Nordsee, schwimmen aber auch gerne in Elbe und Weser– dann sogar bis runter nach Hamburg und Bremen. Doch damit könnte bald Schluss sein: Die niedlichen Tiere sind akut vom Aussterben bedroht.

Meer:Nordsee
Fläche:575.000 Quadratkilometer
Mittlere Tiefe:95 Meter
Maximale Tiefe:700 Meter
Angeschlossene Meere:Ostsee
Angrenzende Länder:Norwegen, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Belgien, u.a.

Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover macht deutlich, wie es um die Tiere steht: nicht gut. Wurden etwa 2013 die Schweinswale beim Jagen im Hamburger Hafen beobachtet, stiegen noch im selben Jahr die Meldungen über tote Schweinswale in der Elbe an. 26 tote Wale. Viele Tiere waren am Elb-Ufer von Övelgönne bis Wedel gestrandet. Woran die Tiere genau starben, bleibt bis heute ein Rätsel. Die Forscher vermuten eine systematische Ursache: viel Schiffsverkehr und Lärm könnte die Tiere verwirrt und in den Tod getrieben haben.

Schweinswale: Früher Begleiter des Menschen, heute Phantom

Doch das ist nur eine Randnotiz im Niedergang der Schweinswale. Früher seien die kleinen Wale in der Nord- und Ostsee neben Fischer- und Seegelbooten hergeschwommen, heute ist ihre Sichtung eine Seltenheit. Fischfang und Umweltverschmutzung setzen den Tieren seit Jahrzehnten zu. So sehr, dass sich der Schweinswal-Bestand bis von 2002 bis 2019 drastisch reduziert hat: pro Jahr um durchschnittlich 1,8 Prozent.

Ein toter Schweinswal liegt auf einer Barre.
Ein toter Schweinswal liegt im Marine Science Center in Warnemünde, Mecklenburg-Vorpommern. Trotz einer mehrstündigen Rettungsaktion ist das vor Heiligendamm gestrandete Tier gestorben. (24-hamburg.de-Montage) © Michael Dähne/dpa

Eine besonders bittere Erkenntnis der Studie: Die Schweinswal-Population hat vor allem in den Gewässern vor Sylt stark abgenommen – im Durchschnitt um 3,8 Prozent jährlich seit Beginn der Untersuchungen 2002. Das Außenriff der Nordsee-Insel galt bislang zu den wichtigsten Schutzgebieten der Tiere. Wie es dazu kam, das sollen nun Untersuchungen zeigen. Die Zahl der Schweinswale wird in der deutschen Nordsee auf 23 000 Tiere geschätzt.

Schweinswale: Von Nazi-Bomben und Geisternetzen bedroht

So wie es aussieht, könnte die Zahl der Schweinswale in den nächsten Jahren noch weiter schrumpfen: Besonders ein Fall sorgte bei Tierschützern für Wut: 41 Schweinswale starben im vergangenen Jahr, weil sie von Seeminien in die Luft gesprengt wurden. Die Bundesregierung erließ daraufhin sogar ein Sprengverbot.

Aber die wohl schlimmste Gefahr für Schweinswale ist und bleibt der Fischfang. Immer wieder verfangen sich die Tiere in sogenannten Geisternetzen – und verenden qualvoll. Das ist nicht nur in der Nordsee ein Problem, auch in der Ostsee bedroht der Fischfang viele Meeresbewohner. Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace betonte erst in einem aktuellen Report, wie schlecht es um die Meere an der deutschen Küste steht. Im Kampf gegen die Fischerei schrecken die Tierschützer auch nicht vor drastischen Mitteln zurück. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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